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  • Boccia Boccia

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    Sie kennen slow food, slow travelling und vielleicht auch slow tv, doch nun lernen sie eine Slow-Tv-Sendung in slowmotion kennen, die sich n i c h t an die Regeln von slow TV hält. „Boccia Boccia“ von Friedrich Liechtenstein und Jarek Raczeck geht seine eigenen Wege und ist dabei sehr, sehr langsam.
    Ist das ein Film? Ein Bildschirmschoner?

    Wer nie Nachts schlaflos im Hotelbett lag, sich verzweifelt nach Zerstreuung zappend wiederfand, weis natürlich nicht wie dringend so ein Format gebraucht wird. Wer keine kiffenden Bekannten hat, wird es nicht verstehen. Entschleunigung, Durchlässigkeit, Redundanz und Ruhe, keine schnellen Schnitte. Keine Krach-Bumm-Effekte und immer gleichen Dramaturgien, die zu einem Gewinner, zu einer Leiche oder zur Schwiegermutter führen. Der geneigte Zapper und Fernsehverachter der sich am Tag der Ausstrahlung von "Bocia Boccia" durch die Programme wühlt und immer trauriger wird, kann binnen Sekunden sehen: Stopp! Hier läuft etwas anders als sonst.
    Ja! Anders ist besser. Tele5.

    "Boccia Boccia" slow TV für Tele5 ist ein sehr entspanntes Unterfangen. Die anspruchsvolle ambient music von Richard Dorfmeister schmiegt sich an die obskuren Slow-Motion-Bilder von Jarek Raczek. Was da für 72 Minuten so leichtfüßig wie ein extemporierter Jux daher kommt, ist in Wahrheit sehr präzis und fein gedacht: Eine Adaption von Shakespeares „The Tempest“ , dem Paradebeispiel für eine Nicht-Dramaturgie und in Kreislaufender Redundanz.

    Die spoken words von Friedrich Liechtenstein wurden in einer konzentrativen Stimmung in einem einzigen Versuch eingesprochen und ohne mit der Wimper zu zucken in den Film eingebettet. Ein moderner Prospero (Friedrich Liechtenstein) lebt mit seiner Tochter Miranda (Camille Jung) und einem Mischwesen aus Ariel und Caliban (Cem Yazirlioglu) auf einer kleinen Insel in einem der trüben Havelseen in Berlin. Er lädt sich Freunde ein und möchte sie belehren. Sein Hauptinteresse gilt dabei Sarah (Sarah Ralfs) und dem unsterblichen Liebespaar Jean und Brigitte (Brigitte Cuvellier und Jean Chaize). Dann gerät aber alles aus den Fugen und nur die Liebe zählt.
    In der Audiospur mit den spoken words finden wir ein Mix von Zitaten und Spontaneinfällen, Referenzen an Shakespeares Sturm, Rilkes Duineser Elegien, Konrad Adenauers Bemerkungen zum Boccia-Sport, Knigge und dem Œuvre Friedrich Liechtensteins. Boccia Boccia ist slow TV, also nicht viel mehr als ein knisterndes Lagerfeuer. "Boccia Boccia" slow TV ist auch eine ironische Paraphrase auf den Heiligen Gral der Fernsehunterhaltung: Sport

    Boccia Boccia slow TV ist Fernsehen am Ende des langen Tunnels Fernsehunterhaltung. Es ist kein entgegenkommender Zug. Es ist das Licht der Liebe. Boccia Boccia nimmt dich nicht an die Hand, es wirft dich auf dich zurück. Du bist ein guter Ort, lieber Fernsehzuschauer. Destination Love. Show less
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