Loading...

Armes Ruhrgebiet

4,196 views

Loading...

Loading...

Loading...

Rating is available when the video has been rented.
This feature is not available right now. Please try again later.
Uploaded on Dec 21, 2011

WDR vom 21.12.11

Im reichen Deutschland gibt es immer mehr Arme, gut 14 Prozent gelten als armutsgefährdet. Das belegt der Armutsbericht, der am Mittwoch (21.12.2011) vorgelegt wurde. Besonders stark betroffen ist das Ruhrgebiet.

Armut verfestigt sich - das ist die wohl deutlichste Botschaft des "Armutsberichts 2011", den der Paritätische Gesamtverband am Mittwoch (21.12.2011) in Berlin vorgestellt hat. Und: Armut hat regional sehr unterschiedliche Gesichter. Für das Land NRW ist besonders gravierend, dass sich das Ruhrgebiet zur Armutsregion in Deutschland entwickelt hat, und sich diese Entwicklung manifestiert.

"Insgesamt gelten knapp 12 Millionen Menschen in Deutschland als armutsgefährdet, das sind 14,5 Prozent der Bevölkerung. Und die Tendenz zeigt nach oben - das ist das eigentlich Besorgnis erregende", erklärt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Dem Bericht zugrunde liegen Zahlen aus dem Zeitraum zwischen 2005 und 2010.

Als armutsgefährdet gilt demnach, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Diese Armutsdefinition ist in der EU gebräuchlich. In Deutschland entspricht das 826 Euro monatlich bei einem Alleinstehenden, eine Familie mit zwei Kindern gilt nach dieser Definition bei 1.700 Euro als arm. "Das ist allerdings ein Wert, bei dem man nicht mehr nur von Armutsgefährdung, sondern durchaus von Armut sprechen kann", sagt dazu der Kölner Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge, der nicht am Bericht selbst beteiligt war. Der Bericht zeigt außerdem die Entwicklung bei den Hartz IV-Empfängern nach Regionen auf.

NRW sticht neben Berlin als das Land heraus, das besonders stark von Armut betroffen ist. Die "Armutsgefährungsquote" für NRW stieg von 14,4 Prozent im Jahr 2005 auf 15,4 fünf Jahre später. Doch auch hierzulande gibt es große regionale Unterschiede: Dem vergleichsweise wohlhabenden Bonn mit einer Armutsquote von rund zehn Prozent steht Dortmund mit rund 19 Prozent gegenüber. Überhaupt hat sich das Ruhrgebiet zur Armutsregion Nummer eins entwickelt. Das zeige sich, so Schneider, nicht nur an der hohen Quote von Hartz IV-Empfängern in der gesamten Region.

Für gefährlich hält er die Dynamik: Wenn im Ruhrgebiet etwa eine Million Menschen arm sei, bedeute das in vielen Fällen auch, dass sie keine Perspektive haben. "Da wachsen Kinder in Verhältnissen auf, in denen Eltern eben nicht zur Arbeit gehen, sondern die frustriert sind. Und wir können uns kaum noch ausmalen, was das für das Gemeinwohl insgesamt bedeutet: Wenn Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit zum Dauerzustand werden sollten." Dann würden sich vor allem Jugendliche ihre Parallelgesellschaften zimmern, befürchtet Schneider.

"Die Ergebnisse des Berichts sind erschreckend", kommentierte Norbert Römer, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, den Bericht. Gleichzeitig stellte er die Transferleistungen von West nach Ost infrage. "Förderung nur nach Himmelsrichtung ist falsch, Förderung nach Bedürftigkeit dagegen ist richtig. Den Aufbau Ost mit dem Abbau West zu finanzieren, damit muss endlich Schluss sein."

Gefährdet sind vor allem Menschen mit schlechter Schulbildung oder ohne Berufsausbildung. Aber, und diese Aussage ist nicht neu: Immer häufiger gelten Kinder als arm. Auch, weil Alleinerziehende die am stärksten von Armut bedrohte Gruppe sind. Neu ist, dass die Armut sich verfestigt, unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. In Jahren wie 2006/2007 und 2010, als die Wirtschaft boomte, konnten die Armen davon nicht profitieren - sie blieben arm. "Das müsste eigentlich politisch alarmieren, wenn die Krankheit Armut sich gegen die Hauptmedizin Wirtschaftswachstum resistent zeigt", sagt Schneider.

Loading...

When autoplay is enabled, a suggested video will automatically play next.

Up next


to add this to Watch Later

Add to

Loading playlists...