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1914: Deutscher Militarismus & Deutsche Interessen am Krieg - Dr. Detlef Bald (3/5)

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Published on Apr 4, 2014

Vortrag & Diskussion: 1914 - Deutscher Militarismus - Deutsche Interessen am Krieg - Dr. Detlef Bald ist Publizist, Historiker, Militärexperte und Friedensforscher. Gegenwärtig arbeitet er in Projekten am IFSH (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg) und im Arbeitskreis Historische Friedensforschung e.V.
Fundstück:
"Erst die Sozialisten abschießen, köpfen und unschädlich machen, wenn nötig, per Blutbad, und dann Krieg nach außen. Aber nicht vorher und nicht a tempo."
Neujahrsbrief (1905) Wilhelms II. an Berhard von Bülow (Reichsaußenminister)
Quelle: Fritz Fischer: "Griff nach der Weltmacht",
Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18, (1977), S.25.
Fundstück (aus dem Jahr 1922):
"Mit Gott für Kapital und Vaterland. - Kriege haben zu verschiedenen Zeiten verschiedene Ursachen gehabt. Mit der Verwandlung der Völkerwirtschaften in die kapitalistische Wirtschaft haben sie nur noch eine Ursache:
Den bedrohten Profit der englisch, französisch, deutsch oder japanisch sprechenden Klasse der Eigentümer der kapitalisierten Wirtschaftsmittel.
Dieselbe Naturerscheinung kann bekanntlich auf den verschiedensten Ursachen beruhen.
Ein Draht ist warm; - warum? Man hat ihn mit einer Flamme erhitzt; oder heißgerieben; oder die Sonne hatte ihn bestrahlt. In jedem Falle sieht man dieselbe Wirkung - : der Draht wurde heiß - aber ganz verschiedene Ursachen.
Ebenso verhält es sich mit dem Krieg als politische Erscheinung.
Er kann auf den verschiedensten Ursachen beruhen - je nach Zeitalter. Wenn ich also sage: in Zukunft sind die Kriege nichts anderes als die Fortsetzung der kapitalistischen Konkurrenzkämpfe mit anderen Mitteln, so kann man nicht mit der Entgegnung kommen: es habe doch schon Kriege gegeben, lange bevor es den Kapitalismus gab.
Dieser Einwand wäre ebenso klug, als wenn man einem Physiker, der nachweist, daß ein Draht von einem elektrischen Strom erhitzt wird, entgegnen wollte: "wie kann der Strom die Ursache der Erhitzung sein? - heiße Drähte hat es doch schon früher gegeben, bevor man den Galvanismus und die Dynamomaschine kannte!"
Es kommt aber hier nicht darauf an, zu prophezein, was es nach der Ueberwindung des kapitalistischen Systems in späteren Jahrtausenden für politische Mittel geben werde, um wirtschaftliche Interessengegensätze der Völker auszugleichen.
Nur das behaupte ich: Soweit wir heute in die Zukunft blicken können - durch Schlüsse aus der Erfahrung der letzten Vergangenheit - soweit erkennen wir, daß das kapitalistische System der Volks- und Weltwirtschaft ständig neue Kriege entfesseln wird.
Denn Krieg ist dieses System schon rein wirtschaftlich betrachtet, als "Spiel der freien Kräfte". Der nackte ungezügelte Egoismus der kapitalistischen Macht ist das Entscheidende. Um Ehre ging es wohl in früheren Zeiten bei manchen Händeln der Herren des Degens; um Kapitalinteressen, um das Geschäft geht es, wie ein bekannter Dichter sagt, in dem "Koofmichzeitalter", in dem wir leben.
Heute sind alle Kriege Geschäftskriege.
Und darum sind die Krieger bei allen Heiligen, die sie anrufen mögen, bei allem Heldensinn und Heldenmut, der die höchste Ehrfurcht herausfordert, nicht mehr und nichts weniger als die bewußten und unbewußten Werkzeuge der Herren des Kapitals, für deren Profitinteressen sie im letzten Grunde kämpfen.
Je eher der Schleier der nationalen Lüge zerreißt, der den Völkern die wahren Ursachen des Krieges verdeckt und das blutige Handwerk mit dem Schein der Heiligkeit umkrönt, um so besser für die Völker selbst.
Noch niemals haben "Völker" Kriege geführt.
Es sind ihre Regierungen, die dieses Verbrechen an den Völkern begehen und, wie jedes Verbrechen, damit beginnen, den Geist durch Lüge und Betrug von ihm abzulenken.
Die modernen Regierungen aber sind die Organe der Interessenverbände der Kapitalistenklasse, wie Marx für alle Zeiten erkannt hat - freilich wenig dienlich der "nationalen Gesinnung" derjenigen Gesellschaftsklasse, die in allen Staaten in Wirklichkeit "der Staat" ist.
Die Männer, die dieses Verbrechen begehen, pflegen zu sagen: "Der Krieg kommt von selbst; das Volk hat die Pflicht, ihn mutig zu führen".
In Wahrheit sind es verhältnismäßig wenige gewissenlose Menschen, deren politisches Spiel schon längst den Krieg bedeutet, bevor die betrogenen Völker erfahren, was ihnen Kabinette im Geheimen bereitet haben.
Die Geschichte dieser Verbrechen der Kabinette ist der wesentliche Teil der sogenannten politischen Geschichte, deren übliche Schilderung die größte Entstellung der Wahrheit ist, deren Gelehrte sich zu allen Zeiten schuldig machen."
Quelle: Eberhard Zschimmer: "Die Überwindung des Kapitalismus", Volksbuchhandlung GmbH Jena (1922) S.65-67.
Quelle: "Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution", Berlin (1929), S.174

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