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Das Narrenschiff

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Published on Sep 17, 2007

Reinhard Mey
Album: Flaschenpost

Das Quecksilber fällt,die Zeichen stehen auf Sturm,
nur blödes
Kichern und Keifen vom Kommandoturm,
und ein dumpfes Mahlen grollt aus der
Maschine.

Und Rollen und Stampfen und schwere See,die Bordkapelle
spielt: Humbatätärää,
und ein irres Lachen dringt aus
der Latrine.

Die Ladung ist faul, die Papiere vergilbt,die Lenzpumpen
lecken und die Schotten blockiert,die Luken weit offen und alle Alarmglocken
läuten.

Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum,
und
Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu
deuten.


Der Steuermann lügt, der Kapitän ist
betrunken,
und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
die
Mannschaft: lauter meineidige Halunken,
der Funker zu feig um SOS zu
funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff, volle Fahrt voraus und
Kurs aufs Riff!


Am Horizont Wetterleuchten; die Zeichen der
Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke
tummeln sich Tölpel und Einfallspinsel.

Im Trüben fischt der
scharfgezahnte Hai,bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
auf
die Sandbank bei der wohlbekannten Schatzinsel.

Die andern
Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig
spielt Automatenbaron,im hellen Licht, niemand muss sich im Dunklen
rumdrücken.

In der Bananenrepublik wo selbst der
Präsident,
die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
sich mit
dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.


Der Steuermann
lügt...


Man hat sich glattgemacht, man hat sich
arrangiert,
all die hohen Ideale sind havariert,und der grosse Rebell, der
nicht müd wurde zu Streiten,
mutiert zu einem servilen, giftigen
Gnom,und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom seine
Lieder,
fürwahr! Es ändern sich die Zeiten.

Einst junge
Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
gekauft, narkotisiert und
flügellahm.
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen
Klauen.

Und eitle Greise präsentieren sich keck,mit immer viel zu
jungen Frauen auf dem Oberdeck,
die ihre schlaffen Glieder wärmen und
ihnen das Essen vorkauen!


Der Steuermann lügt...


Sie
rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier,
er hat die
Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir,
im Schutz der Paragraphen mischt
er die gezinkten Karten.

Jeder kann es sehen, aber alle sehen
weg,
und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck,
und dealt unter aller
Augen vor dem Kindergarten.

Der Ausguck ruft vom höchten Mast:
Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn
nicht,sie ziehen wie Lemminge in willenlosen Horden.

Es ist als
hätten alle den Verstand verloren,
sich zum Niedergang und zum Verfall
verschworen,
und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

Der
Steuermann lügt...

lalalalala....

Der Steuermann
lügt...

  • Category

  • Song

  • Artist

    • Reinhard Mey
  • Licensed to YouTube by

    • UMG (on behalf of Odeon), and 2 Music Rights Societies

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