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Herrenmagazin - Ehrenwort

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Published on Sep 2, 2015

Allzu häufig liest man: Das neue Album ist das persönlichste, das diese Band jemals aufgenommen hat. Oftmals handelt es sich dann dabei um die Aufarbeitung gescheiterter Beziehungen oder die Auseinandersetzung mit seelischen Zwickmühlen. Doch selten traf diese Bezeichnung eines zutiefst persönlichen Albums so sehr zu wie auf „Sippenhaft“, das vierte Album von Herrenmagazin. Denn darauf konfrontiert sich die Band mit ihren Wurzeln als Mensch, Musiker und Individuum. „Ich bin in einer Familie groß geworden, die sehr von Ehrgeiz geprägt ist. Dadurch ist ein großer Konkurrenzdruck entstanden. Wirklich frei ist man dabei nie.“ Wir wachsen auf, indem wir das Umfeld, das unsere Eltern uns vererben, erkennen, annehmen, ablehnen und neu definieren. Es ist ein Spiel mit den Gegebenheiten; es ist bitterer Ernst – und lautlos verschiebt sich die Welt, bis wir erkennen, dass wir begonnen haben, zur Generation der Eltern zu gehören. Also wechseln wir die Seiten.“ Von diesem Seitenwechsel erzählen auch die elf Songs von „Sippenhaft“. Nehmen wir exemplarisch die erste Single „Ehrenwort“: Ein zauberhaft Piano-getriebenes Stück Melancholie, das im Text die Frage aufwirft, was denn wohl die empfundene Wahrheit von der allgemein gültigen unterscheidet. Mit dem Fazit: „Es ist so wie ein Verräter der die Wahrheit spricht. / Es ist so wie uns die Welt will nicht zu sein. / Noch im Schutt, noch im Staub, noch im Stillen bin ich dein.“ Oder der nach vorne schiebende Indie-Pop-Song „Halbes Herz“, ein wunderbarer Kracher für jede Festivalshow, der sich ebenfalls auf seine ganz eigene Weise mit der Wahrheit auseinandersetzt: „Doch bei einem halben Herzen / Kommt nie der ganze Mut zusammen. / Du kannst die Dinge nicht verwerfen / Nur um sie irgendwo wieder aufzufangen.“ Herrenmagazin haben auf diesem Album ihren ganzen Mut zusammengenommen und benennen die Dinge von Herkunft, Selbstbestimmung und Selbstwerdung beim Namen. Indem sie das tun, was sie am Besten können: Songs daraus zu machen. Auch deshalb fanden Deniz Jaspersen (Gesang, Gitarre), König Wilhelmsburg (Gitarre), Paul Konopacka (Bass) und Rasmus Engler (Drums) ihren Platz und - auch wenn es etwas esoterisch klingt – ihr Seelenheil im letzten Jahrzehnt in Musik und Herrenmagazin. „Der Prozess des Schreibens, der ist so nah an einem selbst und der Moment des Musikmachens, da sind wir - obwohl es auch immer eine Inszenierung ist, darüber bin ich mir Klaren - da sind wir doch am nächsten an uns. Das ist der Raum, wo wir uns am wohlsten fühlen. Klingt mega-abgedroschen, aber ist so“, so Jaspersen. So verdichten sich diese elf Songs zu einem Spiegelbild ihrer Wahrheit, die aber nahezu unmittelbar jeder Hörer auch auf sein eigenes Leben anwenden kann. Denn eine Herkunft besitzt jeder, und jeder hat seine Auseinandersetzungen und Konflikte damit. Ob mit den Eltern, Jugendfreunden, Ex-Partnern oder sich selbst. Und so stehen auch die ersten Zeilen des Titelsongs „Sippenhaft“, einer getragen gehaltvollen Ballade, exemplarisch für Herrenmagazins Beschäftigung mit dem Ich und seinem Umfeld. Allein diese vier Zeilen haben so viel Kraft, dass man sich als Hörer zwangsläufig sofort mit dem Album verbindet: „Was habe ich mir nur vorgemacht / Als ich vom freien Leben sprach. / Denn bei jedem kleinen Schritt / Beurteilst du die Dinge mit.“ Man erkennt, wie groß und schwer und berührend es für Herrenmagazin gewesen sein muss, diese Platte aufzunehmen. Mit Texten voller Wahrheit und einer Musik, in der die Melancholie ein ebenso bedeutendes Zuhause findet wie die Freude an unglaublich pointierten Pop-Songs, die nicht mitzusingen einer exorbitanten Herausforderung gleichkommt.

http://vevo.ly/4wOp5d

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