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Maiandacht

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Am 07.10.2008 veröffentlicht

Mai 1991, München.
CAPRICCIO DAS KULTURMAGAZIN (BR)
Autor: Andreas Ammer.

"Maiandacht" von Alexeij Sagerer mit Franz Lenniger und Cornelie Müller (München, 1987 - 1991).

1986 wird "oh, oh Maiandacht" für die DIE VIER TAGE DES UNMITTELBAREN THEATERS produziert. Von 1987 - 1991 wird "oh, oh Maiandacht" fünf Jahre lang jeweils vom 01. - 31. Mai täglich gespielt. Zusammen mit der Aufführung der "Urform" von "oh, oh Maiandacht" tritt jeden Abend ein anderer Künstler oder eine andere Künstlergruppe auf: Maler, Musiker, Bildhauer, Performer, Schriftsteller, Videokünstler, Theatermacher....
Täglich wechselnde Gastkünstler bei "oh, oh Maiandacht" von 1987 - 1991 u a. Biermösl Blosn, Die Interpreten, FLATZ, Sepp Bierbichler, Nikolaus Gerhart, Jörg Hube, Paul Fuchs, Werner Fritsch, Rotraut Fischer, Verena Kraft, Kurt Petz, Roland Fischer, Paul Wühr, Vlado Kristl, Rudi Zapf, Peter Brötzmann, Abbie Conant, Embryo, Toine Horvers, Sissy Perlinger, Valeri Scherstjanoi, Veronika von Quast, Rolf Staeck, Sigfried Kaden, Rabe Perplexum, Billie Zöckler, Claus Biegert, Paul Lovens, Günther Beelitz, Café Größenwahn, Andreas Ammer, Siegfried Hummel

Der Standard, Wien, 19. / 20. Mai 1990
DER WILDE MANN DES MÜNCHNER THEATERS UND SEINE EINUNDDREISSIG MAIANDACHTEN
"Alexeij Sagerers Prozessionstheater: in einer endlosen Experimenta".

München - Der einzige Überlebende des Münchner Theater-Untergrunds ist Alexeij Sagerer. Seit über zwei Jahrzehnten leitete der Niederbayer aus Deggendorf, der dort die selbe Schule wie Herbert Achternbusch besuchte, das proT, was soviel heißt wie Prozessionstheater.

Aber während Achternbusch zum bayerischen Anti-Star aufstieg, blieb Sagerer ein Forscher, ein Polemiker - der wilde Mann der Münchner Theaterszene.

Seine Tieger von Eschnapur-Abende, seine Küssenden Fernseher, seine widerborstige Inszenierung von Kroetz' Wunschkonzert waren Höhepunkte eines anderen Theaters. Im proT, dem man, zur Schande der Münchner Kulturpolitik, seit Jahren keinen festen Spielort mehr gewährt, findet eine endlose Experimenta statt.

Gottseidank ist Sagerer unbeirrbar. Seit vier Jahren veranstaltet er sogar seine eigenen Mai-Festspiele: Oh, oh, Maiandacht, 31 Abende mit 31 special guests. Die Aufgabe der Gäste ist es , Sagerers Andacht zu stören: ein sehr unmittelbarer künstlerischer Wettstreit, der in diesem Jahr in der Münchner Manege stattfindet. Das Chaos ist als Erlebnis nie auszuschließen.

In der Mitte des Raumes hängen acht Holzstempen ab Drahtseilen von der Decke, ein heidnischer Ring, umgeben von vier Spielpodesten, Theateraltären für Sagerers Prozessionstheater-Künstler. Auf seiner Empore erscheint mit Musikinstrumenten an einem Kerzentisch Cornelie Müller als Organistin. Gegenüber nimmt auf einem Podest unter einer blauen Plastik-Sonne ein Stammtischler Platz /Franz Lenninger). Hilfsschwester Susanne Wehde sitzt am Schaltpult für Licht und Ton, und Sagerer selber, mit blonder Christkindl-Perücke, beginnt mit Hand und Mund zwei Mikrophone zu bearbeiten: "unmittelbare Musik", sagt er. Er beichtet uns eine "Erleuchtung" und simuliert einen Theaterabend.

SCHWARZE SCHATTEN DER BLAUEN SONNE

Und das geht etwa so: Sagerer plärrt ins Mikrophon: "Erste Szene: Wald!". In der Manege leuchtet es grün. "Zweite Szene: 2000 Jahre vorher. Dritte Szene: Wasser." Das ist das Stichwort für den Biertrinker, der jetzt einen Eimer holt. Wasser klatscht gegen die blaue Sonne (oder aufs Publikum). Die "schwarzen Schatten der blauen Sonne" beschwört schon bald die Organistin.

Sagerer bringt die Stempen zum Schwingen, zerstört ein christliches Ritual, das Ekstase und Gewalt freisetzt, und bekämpft seine Gäste (Schauspieler, Musiker, Maler, Videokünstler und Schriftsteller). Am Ende schließlich steht im heidnischen Ring eine kleine Madonna.

Man könnte Sagerers Mai-Festspiele auch als radikale Antwort auf Achternbuschs (in Österreich verbotenen) Christus-Film Das Gespenst verstehen. Oh, oh Sagerer, deine Maiandachten sind noch besser.

Helmut Schödel

Informationen zu proT:
http://www.prot.de/BLAU/KOMPAKTBIOGRA...



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  • Kategorie

  • Titel

    • Carmina Burana: Part 3, Cour d'amours, No. 21 $quot;In trutina$quot; (Sopr
  • Künstler

    • Barbara Hendricks/Jeffrey Black/Michael Chance/Choristers of St
  • Album

    • Orff: Carmina Burana
  • Lizenziert an YouTube durch

    • WMG (im Auftrag von PLG UK Classics)

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