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Max Horkheimer - die Zukunft der Ehe

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Published on Feb 16, 2011

Wie entscheidend die Gestalt der Ehe von gesellschaftlichen Zwecken abhängt, zeigt die russische Sozialgeschichte. In den ersten Jahren nach der Revolution galt nicht bloß kirchliche, sondern auch zivile Trauung als eine belanglose Formalität. Die Bedeutung der Ehe ging zurück, die Erziehung des Nachwuchses sollte dem Staat zufallen. Die Revolutionäre hatten sich jedoch getäuscht. Stalins so genannter „Sozialismus in einem Land", der Verzicht auf das, was Marx und Lenin Kommunismus nannten, ließ bürgerliche Freiheit nicht mehr zu. Die freisinnige Auffassung der Ehe widersprach ihrer Funktion im total mobilisierten Staat. Autorität in der Familie selbst war wiederherzustellen. Familie und Ehe wurden unter der Kontrolle des totalen Staates erneut etabliert. Die in China bereits praktizierten und für den Westen noch bevorstehenden Prinzipien: Erhöhung des Kollektivs gegenüber der Person, Veränderung der menschlichen Beziehungen, üben zusammen mit einem Nützlichkeitsdenken keinen geringen Einfluss auf die Ehe aus. Durch die ökonomische Gleichstellung der Individuen erübrigt sich die Auseinandersetzung verschiedener politischer Gesinnungen immer mehr. Regierung wird zur umfassenden Verwaltung. Je geregelter die Gesellschaft, je sachlicher die menschlichen Beziehungen, desto romantischer die Hingabe an den Einzelnen. Gegen Ende der Periode individueller Konkurrenz erlischt die Aura der Person. Durch die geschäftige Personifizierung in den Massenmedien wird bestätigt, dass es mit der Person im eigentlichen Sinn zu Ende geht. Abnehmende Bedeutung der Freundschaft ist eine unmittelbare Konsequenz. Mit der Kollektivierung der Gesellschaft, die mehr und mehr das Leben aller regelt, wird der Spielraum eigenen Lebens in der Ehe immer enger. Je weniger die Eigenart des Einzelnen für die Gestaltung seines Lebens eine Rolle spielt, desto realistischer und nüchterner bildet sich das Denken. Wie lange ihre bürgerlichen Formen auch dauern mögen, das Bewusstsein der einzigartigen Bindung der Ehe ist im Vergehen begriffen. Wie die Existenz schlechthin tendiert auch die Ehe dazu rationeller, zweckbestimmter, nüchterner zu werden. Weder Liberalität noch Konformismus dienen der Ehe, da sich in beiden dasselbe bekundet: Entzauberung des Ephemeren, Einzigen, Unwiederbringlichen. Die Zukunft der Ehe aber wird durch eine Reduktion ihrer Funktion erkauft.

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