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Tumbalalaika - Тум-балалайка - טום־באַלאַלײַקע

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Published on Jan 4, 2014

Das Duo Apikoyres (Alexander Meyen und AljOshA) im Pfarrsaal der St. Marienkirche in Bonn.
5. September 2012
http://www.AljOshA.net
http://www.violalex.de/

Gemeinsam mit einigen Polen, die gebeten hatten, teilnehmen zu dürfen, feierten die Gedalisten Hochzeit. Zu essen gab es wenig, ging aber hoch her. Natürlich spielte Gedale Geige, die durfte selbst auf der bescheidensten Hochzeit nicht fehlen. [...] Zu fortgeschrittener Stunde sang und spielte er das Lied vom törichten Buben, die anderen sangen leise mit. Bestimmt wollte er nicht auf Isidor anspielen, [...] wahrscheinlich war ihm das Lied nur so, per Assoziation in den Sinn gekommen; im Übrigen war es derart populär, dass ein Fest kein Fest war, wenn es nicht gesungen wurde. Auch das Lied selbst war töricht, gleichzeitig aber von einer ganz eigenen Zärtlichkeit durchzogen, wie von einem verdrehten Traum, der sich in der Wärme des großen Majolikaofens entfaltete, sacht und bebend wie eine Blume; und über der Decke stellte man sich dazu einen düsteren, schneeverhangenen Himmel vor, über den vielleicht ein silberner Fisch schwamm und eine weißverschleierte Braut und ein grüner Ziegenbock mit dem Kopf nach unten.

Töricht war der Junge des Liedes, der narisher bokher, vor allem wegen seiner Unentschlossenheit. Eine ganze Nacht hindurch dachte er darüber nach, welches Mädchen er nun wählen sollte, denn er war ein gewissenhafter bokher und wusste, dass er mit der Entscheidung für ein Mädchen alle anderen zurücksetzte. Wie es zur wahl kam, wurde nicht gesagt, dann aber legte der Junde dem meydele - eine ganze Nacht hindurch? - absurde und gleichzeitig rührende Fragen vor: Welches ist der König ohne Land? Welches Wasser führt keinen Sand? Was ist schneller als die Maus, und was ist höher als ein Haus? Und schließlich: was brennt ohne Flamme, und was weint ohne Tränen? Das waren keine sinnlosen Rätsel, sie hatten ihre eigene Logik, denn auf diesen verschlungenen Umwegen hatte der Schüchterne seine Erklärung vorgetragen und das Mädchen hatte ihn verstanden.

"Törichter Bub", antwortete sie ihm melodisch, "der König ohne Land ist der Kartenkönig und das Wasser ohne Sand ist das Wasser der Tränen. Schneller als die Maus ist die Katz, und höher als das Haus ist sein Kamin. Und brennen ohne Flamme kann die Liebe, und weinen ohne Tränen ein Herz." Dieses abstrakte Wortgefecht ging jedoch nicht gut aus. Während der Junge sich noch quälte und fragte, ob sie denn nun wirklich das Mädchen seines Herzens sei, kam ein anderer daher und nahm sie ihm kurzerhand weg.

Es war wie Ferien für alle, Polen wie Juden: ein Moment lang Waffenstillstand, eine Entspannung von der Qual des Wartens [...] und die Polen sangen, auch wenn sie kein Jiddisch verstanden, doch im Chor den fast sinnlosen Kehrreim mit:

Tumbala tumbala tumbalalaika
Tumbala tumbala tumbalalaika
Tumbalalaika, shpil balalaika,
Tumbalalaika, freylakh zol zayn!

Einige stampften mit den Füßen auf den Boden, andere schlugen mit den Händen auf den Tisch. Die dem Brautpaar am nächsten saßen, versetzten den beiden wohlmeinende Rippenstöße und stellten ihnen schlüpfrige Fragen. [...]
Erst einige und dann alle überließen sich dem hypnotischen Rhythmus des Liedes und begannen zu tanzen: sie hielten sich im Kreis bei den Händen, mit selbstvergessenem Lächeln warfen sie den Kopf nach rechts, nach links und in die Höh' und schlugen mit den Füßen den Rhythmus: freylakh zol zayn, es herrsche die Fröhlichkeit!

Primo Levi "Wann wenn nicht jetzt"

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