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Motocross in Graz

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Published on Jun 15, 2011

Video Found Footage von Hans Fraeulin - Die Nachkriegszeit bescherte Österreicherinnen und Österreichern lang ersehnte Freiheiten, auch mehr Bewegungsfreiheit, deren Grenzen mit Begeisterung ausgeforscht wurden. In Rallyes und Motocross-Veranstaltungen wurden die neu erworbenen fahrbaren Untersätze einem staunenden Publikum vorgeführt und getestet.
Ende der 50er Jahre ging es auf den Grazer Straßen, wie die Bilder eines Polizisten und Schmalfilm-amateurs zeigen, friedlich zu. Hauptverkehrsmittel in der Innenstadt waren nach wie vor die eigenen Füße und wenn sich einmal ein Auto dorthin verirrte, hatte es sich mit seiner Geschwindigkeit anzupassen. Am Eisernen Tor greifen die Fortbewegungswünsche aller wie Zahnräder ineinander. Heute sind Handkarren und Fahrradanhänger dort selten zu sehen. Die Verkehrspolizisten hatten noch für alle Zeit und kamen ihren Fortbewegungswünschen mit Liebe und Sorgfalt nach. Die Herrengasse, der Hauptplatz und die Straßen, die von dort wegführten, gehörten den Fußgängern, lange bevor dort eine Fußgängerzone eingerichtet wurde.
Langsam ergriff das Auto Besitz von den Straßen und Plätzen. Die freundlichen Polizisten auf der Kreuzung waren Ansturm und Abgasen nicht mehr gewachsen und mussten durch hochintelligente Signalanlagen ersetzt werden. Auch mit Gesetzesänderungen wurde der neuen Situation Rechnung getragen. 1959 trat das Eisenbahn- und Kraftfahrzeughaftpflichtgesetz in Kraft, ein Jahr später die StVO. Beide Gesetze wurden als großer Fortschritt gepriesen, erfüllten aber nicht die in sie gesetzten Erwartungen, mehr „Leichtigkeit, Flüssigkeit und Sicherheit" in den Verkehr zu bringen, um das in der StVO verwendete Stereotyp zu zitieren. Alle anderen Verkehrsarten wurden buchstäblich an den Rand gedrängt — den Straßenrand. Am ärgsten traf es die Kinder. Spiel auf der beliebten Straße wurde verboten. Tretroller, Rodel, Rollschuhe, Dreiräder und andere Garanten der kindlichen Mobilität galten hinfort als Spielzeug.
Heute ist Österreich das Land in Europa mit den meisten Verkehrsunfällen. Trotz aller Verbote und Verhaltenstrainings ist es nicht gelungen, Kinder autoverkehrsgerecht zu formen. Sie spielen überall und sind kaum zu kontrollieren. Sie suchen und finden, was sie brauchen und sie stellen ihre Forderungen. Auf die Schmähs der Erwachsenen fallen sie nicht herein.
0-Ton: „Kinderdetektive" + „Kinder planen mit" (Zebrastreifentest). Wenigstens sieben Jahre hat es gedauert, bis sich nach der fast verheimlichten 19.StVO-Novelle am so falsch genannten „Schutzweg" die Situation für Kinder und andere zu Fuß nachhaltig verbesserte. Die inzwischen auch schon historischen Bilder aus Darmstadt, Tilburg und Münster zeigen, dass es immer auch anders ging. Es scheint paradox: Bei kleinräumlichen Lösungen ist Platz für alle Fortbewegungswünsche. Vor der TU in Darmstadt lässt sich gefahrlos zeitungslesend eine Kreuzung mit fünf Zufahrten überqueren -- zu Fuß. Shared Space -- den öffentlichen Raum mit allen redlich zu teilen, sollte immer und überall gelten.
Die Aufnahmen aus der Vergangenheit zeigen, dass ein sozialverträgliches Miteinander möglich ist, wenn alle Verkehrsteilnehmer mit dem beschränkten Platzangebot auf unseren Straßen sorgsam umgehen und wenn niemand Vorrechte aufgrund des Raumbedarfs seiner Fortbewegung erhält. Autos brauchen freie, übersichtliche Straßen, um vorteilhaft eingesetzt werden zu können. In den Stadtzentren ist das nicht möglich. Abgesehen von Transportaufgaben sind sie dort so notwendig wie ein Kropf.

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