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Die Gegenmacht Internet

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Published on Mar 3, 2009

"Zunächst einmal ist die Frage: auf welcher Ebene operiert das Medium. Wer sich vertieft mit Bewusstseins- und Erkenntnisprozessen beschäftigt weiß, dass für die Art, wie man Informationen bewertet, der Rahmen entscheidend ist, in dem die Information angeboten wird das Denkschema. Man nennt das manchmal auch das Narrativ oder den Frame. Also das Entscheidende ist das Framing. Wenn man zum Beispiel das Kosovo-Thema betreibt, vor dem Hintergrund blutrünstiger Serben, die sich dem Freiheitswillen eines kleinen Volkes entgegen stellen und wenn man uns als Befreier sieht, dann sind die Prozesse, die jetzt um Kosovo laufen irgendwo zu rechtfertigen. Selbst wenn man letztlich gegen das Völkerrecht operiert. Dann das sind jetzt Grenzveränderungen, ohne zum Beispiel Zustimmung des Weltsicherheitsrat, ohne Zustimmung des beteiligten Landes. Das Prinzip der Heiligkeit der Grenzen wird verletzt, aber wir machen das dann einfach und wir haben ein Framing, dass das OK ist, wenn wir das tun. Wenn jetzt Russland in Georgien genau das Selbe tut, dann sind das aber böse Russen und die haben wieder sowjetunion-imperialistische Absichten und wenn die völkerrechtlich im Wesentlichen das Selbe tun, wie wir, dann ist das aber da böse und bei uns gut und das alles ist schon im Frame. Bei uns haben differenzierte Kommentare innerhalb des Frames. Aber wer bei uns gegen den Frame anargumentiert ist meistens sofort aus dem System raus. Das kann sich ein kleiner Redakteur sowieso schon gar nicht erlauben. Und alles was von den News-Agencies, von den Agenturen kommt, ist immer schon im selben Frame.
Wir hatten nach dem 11.9. einen Frame innerhalb von wenigen Stunden. Das war ein „brutaler Terror des Islam und wir sind jetzt im Krieg mit dem Terror. Dies Bild des Kriegs war absurd, weil der klassische Kriegsbegriff sich nicht auf die Auseinandersetzung mit Terrorgruppen bezieht. Aber die Nato hat sogar den Kriegszustand erklärt, was begrifflich auch überhaupt keinen Sinn macht, aber damit war ein Frame durchgesetzt. Wer nicht in diesem Frame argumentiert ist sofort weg vom Fenster. Ist beruflich weg vom Fenster, ist institutionell weg. Das heißt es gibt eine „political correctness im Bezug auf Frames und die Interessen werden im Wesentlichen über die Setzung von Frames durchgesetzt.
Die Frage ist: gibt es eine Gegenmacht, gibt es eine Stelle, wo anders argumentiert wird? Ja -im Besonderen natürlich das Internet. Das Internet ist heute ein Medium, das wird für viele Zwecke genutzt, aber man kann es natürlich auch nutzen, in der Form, dass sich kritische Gehirne zusammenschließen und austauschen und informieren und Gegenöffentlichkeit aufbauen. Das hat natürlich nicht die plakative Wirkung von Zeitungen mit Millionen-Auflagen, ist aber insofern manchmal wirksamer, als gut ausgebildete Gehirne Grundsatzentscheidungen treffen, nämlich Frames in ihrem Kopf verändern und deshalb jede Nachricht, die in Zukunft kommt anders lesen.
D.h. das Medium das eine bestimmte Nachricht transportiert erzeugt aber in einem anders gepolten Gehirn eine ganz andere Mitteilung. Jetzt plötzlich bekommen die Medien aber eine ganz andere Funktion das ist eine Funktion, die sie wirklich nicht wollen. Aber in der früheren DDR konnten die Bürger der DDR im „Neuen Deutschland einigermaßen präzise verstehen, was auf der Welt passierte, weil das was auf der Welt passierte, spiegelte sich in den Frames vom „Neuen Deutschland lesbar wider. Wer also diesen Code verstand, konnte aus diesem Code auf eine andere Welt schließen. Heute gibt das Internet, geben persönliche Vernetzungen, viele Möglichkeiten Gegenwelten aufzubauen. Und nicht überraschend läuft im Moment ein großer Kampf darum, wer das Internet und den Zugang zu den Informationen kontrolliert. Das ist einmal ein Thema der Suchmaschinen und die Frage der Prioritätseinstellungen in Suchmaschinen. Und dann ist es ein Thema der Internet Governance. Al Gore, der frühere Vizepräsident der USA, hat ein sehr schönes Buch zu diesem Thema geschrieben. Es heisst: „ Wider die Vernunft. Er untersucht die problematische Lage der US-Demokratie, aber er beschreibt im Besonderen, welche Gegenmacht potentiell im Internet und im WEB 2.0 liegt, aber auch wie gefährdet diese Gegenmacht ist, durch die im Moment laufenden Versuche, die Nutzung des Internet vom Inhalt her zu kontrollieren. Das ist eines der wichtigen Felder, wo über die Möglichkeit offener, nicht regulierter Kommunikation gestritten wird."

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