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Rotes Auto in Gelbes Haus

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Published on Feb 12, 2008

3. April 1988,
proT-Halle, München, Schleißheimer Str. 418.

"Rotes Auto in Gelbes Haus" aus: "Das Gelbe Haus", 7. Abend des Theaterprojektes "Sieben Exorzismen" von Alexeij Sagerer mit Sonja Breuer, 28. März bis 3. April 1988. (Kamera: Werner Prökel)

SZ, Freitag, 8.April 1988
Der Regenmacher

Alexeij Sagerers „7 Exorzismen"

Am ersten Tag schuf Alexeij Sagerer Himmel und Erde. Denn dunkel war es vorher in seinem Weltkreis, nichts, gar nichts zu sehen in der Zappendüsternis der ProT-Halle außer der glimmenden Zigarettenglut eines Zuschauers. Doch dann plätscherte plötzlich Regen, dämmerten die Scheinwerfer. Schemenhaft zuerst, dann immer deutlicher, dunkler, drohender, zeichnete sich ein hallenhohes Gerüst ab: der Theaterhimmel, von dem der Regen tropfte, und die Lampen schienen. Und unten auf dem Bühnenboden stand eine einfache Bretterhütte. Sie strahlte gelb, knallgelb.

So beginnt Theater: Ein Raum wird geschaffen. Sagerers "7 Exorzismen" für die Karwoche sind ein Schöpfungsakt. Hier entsteht, da läßt der Theatermacher keinen Zweifel, ein Kunstwerk. Ein Theaterraum mit einer gelben Hütte unter plätscherndem Dauerregen: Das ist Sagerer genug für sieben Abende Spektakel. Siebenmal entdecken Sagerer und seine Mitspielerin Sonja Breuer den Regen und die gelbe Hütte neu, immer wieder mit denselben Theatermitteln, mit Video-Aufzeichnungen auf Monitorhaufen, mit den immer ähnlichen, langsamen, reduzierten, ritualisierten Bewegungen. Und immer wieder finden sie Überraschendes, Gesten, Blicke, Bilder. Die gelbe Hütte bekommt so Geheimnis, ist Rumpelkammer und Zauberkiste. Da öffnet sich die Tür, stürzt ein frauengroßes Huhn heraus, läßt Federn und verschwindet.

Da gackern die Hühner - tatsächlich: Eine ganze Schar lebendes Federvieh gickt und pickt aufgeregt in einem Haufen Styroporkugeln, flattert ins Publikum, stakst stolz durch die Halle.

Es ist zum Gackern. Aber stärker, spannender ist Sagerers Theater dann, wenn es jenseits des kurzen Gags Geheimnisse sucht, sich in wohlkomponierten Rätselritualen merkwürdig verstiegene Bilder schafft. Am fünften Tag, Karfreitag, zelebrierte der Meister eine Grablegung: Mit der Mistgabel öffnet er einen Graben im Bühnenboden. Licht flutet aus der Tiefe der Gräber, pflanzt Bretter in den leuchtenden Graben. Dann sinkt er vor dem gelben Haus zusammen. Die Frau hüllt seinen nackten Oberkörper in weiße Tücher und drapiert sie, Tuch für Tuch, noch regenfeucht, über diese Bretter. Wie Grabtafeln sehen sie dann aus, unheimlich, vollgesogen mit Regen und Symbolik. Dann gackern die Hühner: Sagerer macht sich über die eigenen Theaterbilder lustig, nimmt ihnen die Schwere, bewahrt ihr Geheimnis.

Natürlich hat der Theaterschöpfer Sagerer auch seine Schwächen. Dann zum Beispiel, wenn seine Haßliebe zur Münchner Kulturpolitik Theater wird: Aus drögen Hearings kann auch Sagerer kein sinnenfrohes Spektakel machen.

Am siebten Tag, Ostersonntag, sah Sagerer, daß es schlecht war: Mit Krach treibt er die böse Politik aus, dröhnend bricht ein schaumgummigepanzerter Kleinbus durch ein Lattengerüst in die Halle, rammt mit wuchtigen Stößen die gelbe Hütte, drückt eine Wand ein, bleibt knallrot in den gelben Brettern stehen. Kaputt ist nun das Kunstwerk. Das Theater lebt: Es regnet weiter.

JAN BIELICKI

Mehr Informationen auf
http://www.prot.de/BLAU/KOMPAKTBIOGRA...



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