Lyrik und Gedichte
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Friedrich Hebbel - Sommerbild wortlover - 16 views - 7 hours ago
Rezitation : Fritz Stavenhagen

Text:
Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
Sie war, als ob sie bluten könne, rot;
Da sprach ich schauernd im Vorübergehn:
So weit im Leben, ist zu nah am Tod!

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
Nur leise strich ein weißer Schmetterling;
Doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
Bewegte, sie empfand es und verging.

Bilder:
André Louis Derain
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Nikolaus Lenau „Der Postillion wortlover - 39 views - 1 day ago
Rezitation : Fritz Stavenhagen

Text:
Lieblich war die Maiennacht,
Silberwölklein flogen,
Ob der holden Frühlingspracht
Freudig hingezogen.

Schlummernd lagen Wies und Hain,
Jeder Pfad verlassen;
Niemand als der Mondenschein
Wachte auf der Straßen.

Leise nur das Lüftchen sprach,
Und es zog gelinder
Durch das stille Schlafgemach
All der Frühlingskinder.

Heimlich nur das Bächlein schlich,
Denn der Blüten Träume
Dufteten gar wonniglich
Durch die stillen Räume.

Rauher war mein Postillion,
Ließ die Geißel knallen,
Über Berg und Tal davon
Frisch sein Horn erschallen.

Und von flinken Rossen vier
Scholl der Hufe Schlagen,
Die durchs blühende Revier
Trabten mit Behagen.

Wald und Flur im schnellen Zug
Kaum gegrüßt - gemieden;
Und vorbei, wie Traumesflug,
Schwand der Dörfer Frieden.

Mitten in dem Maienglück
Lag ein Kirchhof innen,
Der den raschen Wanderblick
Hielt zu ernstem Sinnen.

Hingelehnt an Bergesrand
War die bleiche Mauer,
Und das Kreuzbild Gottes stand
Hoch, in stummer Trauer.

Schwager ritt auf seiner Bahn
Stiller jetzt und trüber;
Und die Rosse hielt es an,
Sah zum Kreuz hinüber:

"Halten muß hier Roß und Rad,
Mags euch nicht gefährden:
Drüben liegt mein Kamerad
In der kühlen Erden!

Ein gar herzlieber Gesell!
Herr, 's ist ewig schade!
Keiner blies das Horn so hell
Wie mein Kamerade!

Hier ich immer halten muß,
Dem dort unterm Rasen
Zum getreuen Brudergruß
Sein Leiblied zu blasen!"

Und dem Kirchhof sandt er zu
Frohe Wandersänge,
Daß es in die Grabesruh
Seinem Bruder dränge.

Und des Hornes heller Ton
Klang vom Berge wieder,
Ob der tote Postillion
Stimmt' in seine Lieder. -

Weiter gings durch Feld und Hag
Mit verhängtem Zügel;
Lang mir noch im Ohre lag
Jener Klang vom Hügel.

Bilder:
Caspar David Friedrich
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Georg Trakl „In den Nachmittag geflüstert wortlover - 48 views - 3 days ago
Rezitation: Fritz Stavenhagen

Text:
Sonne, herbstlich dünn und zag,
Und das Obst fällt von den Bäumen.
Stille wohnt in blauen Räumen
Einen langen Nachmittag.

Sterbeklänge von Metall;
Und ein weißes Tier bricht nieder.
Brauner Mädchen rauhe Lieder
Sind verweht im Blätterfall.

Stirne Gottes Farben träumt,
Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.
Schatten drehen sich am Hügel
Von Verwesung schwarz umsäumt.

Dämmerung voll Ruh und Wein;
Traurige Guitarren rinnen.
Und zur milden Lampe drinnen
Kehrst du wie im Traume ein.

Bilder:
nach Oskar Kokoschka
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Zwei Gedichte von Luft(1) AloneDoctor - 2,293 views - 1 year ago
Extract from "Poem - Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug"
1 poem = Hans Arp in "Sophie"
2 poem = Isabel Tuengerthal in "Der Falter"
1qjpQ6eN4DU
Bob Dylan - Percy's song thcarmine - 34,781 views - 1 year ago
biograph
LOiuqplOtoQ
Zwei Gedichte von Luft AloneDoctor - 4,522 views - 1 year ago
Extract from Poem - Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug
1 Poem = Heinrich Heine in "Der Schiffbrüchige"
2 Poem = Paul Celan in "Tenebrae"
WSSZMMbaN9Q
Johann Wolfgang von Goethe "Der König in Thule" wortlover - 9,282 views - 1 year ago
ich hab diese Ballade schon immer geliebt, nun auch hier.
Die Bilder dazu sollen begleitend, aber auch verstörend, wirken. Jedes Bild ist genau an dem Platz gedacht wo es steht.

Rezitation: Gerd Wameling

Text:
Es war ein König in Thule
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
Sooft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben,
Zählt' er seine Städt' im Reich,
Gönnt' alles seinem Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heil'gen Becher
Hinunter in die Flut.

Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief in's Meer.
Die Augen täten ihm sinken;
Trank nie einen Tropfen mehr.

Bilder:
(in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Video)
Thule carta marina Olaus Magnus
Caravaggio, Michelangelo: Tod Mariä
Jordaens, Jakob - Der König trinkt
Corinth, Lovis: Der König, Flöte spielend
Beardsley, Aubrey Vincent: Illustration zu »König Arthurs Tod« von Sir Thomas Malory
Degas, Edgar Germain Hilaire: Das Fest der Bordellbesitzerin
Klimt, Gustav: Tod und Leben
Watteau, Antoine: Fest im Park
Klinger, Max: Cäsars Tod
Peyron, Jean-François-Pierre: König Perseus vor Aemilius Paulus
Ricci, Sebastiano: Das Fest des Silenus
Francken d. J., Frans: Der geigende Tod
Rubens, Peter Paul: Der Tod des Adonis
Turner, Joseph Mallord William: Abendessen in einem großen Raum
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Theodor Fontane "John Maynard" wortlover - 35,444 views - 1 year ago
Eine wunderbare Ballade von Fontane, dem Meister der Balladen.

Rezitation: O.E. Hasse (Aufnahme von 1958)

Text:




John Maynard!
"Wer ist Maynard?"

"John Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Die "Schwalbe" fliegt über den Eriesee,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann;"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund':
"Noch dreißig Minuten... Halbe Stund'."

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt' und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, buntgemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich's dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"
"Ja, Herr. Ich bin."
"Auf den Strand! In die Brandung!"
"Ich halte drauf hin."

Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. -
"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."


Bilder:
Turner, Joseph Mallord William
Bilder in der Riehenfolge des Erscheinens im Video
- Brunnen der Täuschung
- Walfänger
- Staffa Fingals Hölle
- Der Tag nach dem Sturm
- Feuer auf dem Meer
- Rauhes Meer mit Schiffbruch
- Fischer retten ihren Fang
- Leuchtrakten bei hoher See
- Schneesturm vor dem Hafen
- Wellen die sich brechen
- Wellen brechen am Strand
- Die Mole von Calais
- Strandräuber
- Schiffswrack
Böcklin, Arnold - Die Toteninsel
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Johann Wolfgang Goethe "Erlkönig" wortlover - 8,932 views - 1 year ago
Wer kennt es nicht? Also kein Vorwort, nur der Klang . ..
Rezitation: Otto Sander

Text:
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
er hat den Knaben wohl in dem Arm,
er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

"Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?"
"Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?" -
"Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif."

"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;
manch' bunte Blumen sind an dem Strand;
meine Mutter hat manch' gülden Gewand."

"Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
was Erlenkönig mir leise verspricht?" -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!
In dürren Blättern säuselt der Wind."

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
meine Töchter führen den nächtlichen Reih'n
und wiegen und tanzen und singen dich ein."

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort,
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?" -
"Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau:
es scheinen die alten Weiden so grau."

"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt." -
"Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!" -

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
er hält in Armen das ächzende Kind,
erreicht den Hof mit Müh und Not;
in seinen Armen das Kind war tot.

Bilder:
Füssli, Johann Heinrich 1741 bis 1825

01 Cerasimus und Huon fliehen vor dem Elfenkönig Oberon
02 Der Traum des Schäfers
03 Belindas Traum
04 Titania und Zettel, Detail
05 Titania und Zettel
06 Prinz Arthur und die Feenkönigin
07 Theresias erscheint dem Ulysseus
08 Die Tugend ruft die Jugend zurück
09 Die schlafwandelnde Lady Macbeth
10 Die Damen von Hastings
11 Dante und Virgil auf dem Eis des Kozythus
12 Die Sünde, vom Tod verfolgt
13 Das Erwachen der Elfenkönigin Titania
14 Der Kampf des Thor mit der Schlange des Midgard
15 Nachtmahr
16 Reiter von Riesenschlange überfallen
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Bertolt Brecht "An die Nachgeborenen" - Autorenlesung wortlover - 11,802 views - 1 year ago
Rezitation: Bertolt Brecht (Aufnahme 1953)
Ein seltenes., sehr wertvolles Tondokument. Ich möchte hier wieder die Möglichkeit, geben neben den Eindrücken von Stimme, Text und Bild, noch eine Facette hinzufügen: die Möglichkeit des Vergleichens der Stimmen.
Ich Danke dem Hörverlag ganz besonders für diese beeindruckende CD „Bertolt Brecht an die Nachgeborenen", zu bestellen in jeder Buchhandlung. Eine Investition in den eigenen Kopf deren Rendite in Prozentwerten nicht zu beschreiben ist.
Rezitation von: Therese Giese (als Vergleichsmöglichkeit zur Stimmempfindung)
http://de.youtube.com/watch?v= wyqeGqsV04Q

Text:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?
Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)
Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.
Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
II
In die Städte kam ich zur Zeit der Unordnung
Als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs
Und ich empörte mich mit ihnen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legte ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit.
Die Sprache verriet mich dem Schlächter.
Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
III
Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.
Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.
Dabei wissen wir doch:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.
Ihr aber, wenn es so weit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unserer
Mit Nachsicht.

Bilder:
Hans Baluschek -1870 Breslau bis 1930 Berlin -
(Bildtitel in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Video)
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Der gute Kamerad
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Mittag bei Borsig
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Zukunft
Foto Bertolt Brecht
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Bert Brecht " An die Nachgeborenen" II wortlover - 2,296 views - 1 year ago
Rezitation: Therese Giese, die Schauspielerin welche zusammen mit Erika und Klaus Mann das Kabarett "Die Pfeffermühle" begründete und Mitglied des Brechtschen Berliner Ensembles war, sprach den Text 1966 in München ein.
hier der Link zum Text vom Autoren gesprochen:
http://de.youtube.com/watch?v= tphexO4gwoA

Text:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?
Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)
Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.
Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
II
In die Städte kam ich zur Zeit der Unordnung
Als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs
Und ich empörte mich mit ihnen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legte ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit.
Die Sprache verriet mich dem Schlächter.
Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.
III
Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.
Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.
Dabei wissen wir doch:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.
Ihr aber, wenn es so weit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unserer
Mit Nachsicht.

Bilder:
Hans Baluschek -1870 Breslau bis 1930 Berlin -
(Bildtitel in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Video)
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Dietrich Bonhoeffer "Von guten Mächten" wortlover - 35,059 views - 1 year ago
Dietrich Bonhoeffer, Mitglied der bekennenden Kirche hat dieses Gedicht-Gebet im Wissen um seine bevorstehende Ermordung kurz vor seinem Tode im KZ Flossenbürg geschrieben. Er wurde am 9. April 1945 nach einem "Standgericht" auf Anweisung Hitlers verurteilt und hingerichtet.

Rezitation: Walter Franck (1957)
Vergleichsrezitation von Otto Mellies
Link: http://de.youtube.com/watch?v= bVSgGhh9WY0


Text & Anmerkung:
„Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;

noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll'n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag."

Quote Wikipedia:
Möglicherweise war das Gedicht auch als ein Gruß an seine Mutter zu ihrem Geburtstag am 30. Dezember gedacht. (Wann immer diese Worte auf Grußkarten und im gottesdienstlichen Lied heute aufgenommen werden, mag man sich an die Situation erinnern: Die damit Gegrüßten sitzen unterm Weihnachtsbaum, feierten Geburtstag, dachten an die zwei inhaftierten Söhne Klaus und Dietrich, an die zwei inhaftierten Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher, an die Tochter Sabine, Dietrichs Zwillingsschwester, die wegen ihres jüdischen Mannes Gerhard Leibholz ins Ausland gegangen war und nun wegen der nationalsozialistischen Diktatur gleichfalls nicht anwesend sein konnte, sowie an den gefallenen Sohn Walter. Und doch fand Dietrich Bonhoeffer in dieser Situation so tröstliche Worte! Wie aber mag es den Angehörigen gegangen sein, als sie die dritte Strophe oder im fünften Vers „Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen." lasen?

Bilder:
Burne-Jones, Edward - Verkündigungsengel
Dürer, Albrecht - Fürlegerin mit offenem Haar
Dix Otto (1891 1969) Jüdischer Friedhof Randegg
Dürer, Albrecht - Hände des 12jährigen Christus
Gaugin Paul Der gelbe Christus
Delacroix, Eugéne - Christus an der Geisselsäule
Delacroix, Eugéne - Daniel in der Löwengrube
Cezanne, paul - Totenköpfe
Dandini, Cesare sitzender Mönch
Dürer, Albrecht - Der tote Christus mit der Dornenkrone
Nolde, Emil - Kreuzigung
Delacroix, Eugéne - Triumph der Religion
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Heinrich Heine "Auf den Flügeln des Gesanges . . . " wortlover - 2,909 views - 1 year ago
Ein wunderschöner Text, der so ist, als hätte man ihn gerade geträumt.
Rezitation: Oskar Werner (Aufnahme 1959)

Text:
Auf Flügeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort weiß ich den schönsten Ort.

Dort liegt ein rotblühender Garten
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen,
Und schaun nach den Sternen empor;
Heimlich erzählen die Rosen
Sich duftende Märchen ins Ohr.

Es hüpfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazell'n;
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Well'n.

Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken
Und träumen seligen Traum.

Bilder:
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Marie von Puttkammer "Eifersucht" wortlover - 598 views - 1 year ago
so wie es ist.
Rezitation: Kornelia Boje

Text:

Bilder:
Pjotr Bassin „Susanna von 2 Alten überrascht"
Giovanni Boldini „Bei der Wäsche"
Arnold Böcklin „Idyll"
Paul Cezanne, „Medea nach Delacriox"
Lawrence Alma Tameda „Ein stiller Gruß"
Lawrence Alma Tameda „Modell des Bildhauers"
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Gottfried Benn " Auf deine Lider senk ich. . ." wortlover - 1,176 views - 1 year ago
ein Gedicht schwankend zwischen Anmut und Trauer,.
Rezitation: Hans Peter Hallwachs

Text:
Auf deine Lider senk ich Schlummer,
auf deine Lippen send ich Kuss,
indessen ich die Nacht, den Kummer,
den Traum alleine tragen muss.

Um deine Züge leg ich Trauer,
um deine Züge leg ich Lust,
indes die Nacht, die Todesschauer
weben allein durch meine Brust.

Du, die zu schwach, um tief zu geben,
du, die nicht trüge, wie ich bin -
drum muss ich abends mich erheben
und sende Kuss und Schlummer hin.

Bilder:
Pjotr Bassin „Susanna von 2 Alten überrascht"
Giovanni Boldini „Bei der Wäsche"
Arnold Böcklin „Idyll"
Paul Cezanne, „Medea - nach Delacroix"
Lawrence Alma Tameda „Ein stiller Gruß"
Lawrence Alma Tameda „Modell des Bildhauers"
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wortlover  
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ich versuche hier durch die Verbindung von Text - Stimme und Bildern etwas zu schaffen, das eine neue, vielleicht andere Interpretation ermöglicht.
"das Wort ist Feldherr aller Menschenkraft" so Majakowski in seinem Gedicht "Nachruf auf Sergeij Jessenin" , genau dieses treibt mich. Die Worte, die Stimme und die Bilder, diese drei ergeben einen immer neuen Zusammenhang. Überprüfbar wird das immer dann, wenn wir verschiedene Stimmen den gleichen Text vortragen lassen, jeder Rezitator bringt seine eigene Einstellung und Empfindung ein in seinen Vortrag.
Besonders spannend wird das bei zeitlich großen Unterschieden. Ein "NACH"-Kriegsgedicht gesprochen in den 50ern des vorigen Jahrhunderts muss zwingend anders klingen als eines das diesseits der Jahrtausendwende gesprochen wurde.
About Me: Achte meine Worte:
Worte formen mein Verhalten.
Achte mein Verhalten:
Mein Verhalten formt meine Gewohnheiten.
Achte meine Gewohnheiten:
Meine Gewohnheiten formen meine Werte.
Achte meine Werte:
Werte formen mein Schicksal.
Es gibt keine Generalprobe:
Dies ist ein Tag deines Lebens.

Mohandas K. Gandhi

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Visit my other youtube channels if you have got the blues:
Roots of the Blues -- Vintage Blues from 1920 till 1949
http://de.youtube.com/Slowtubb i

if you go for good folk (mostly Bob Dylan Covers)
http://de.youtube.com/Folknow0 8
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Country:
Germany
Schools:
hatte ich, etwas . . .
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Lyrik, Gedichte und immer wieder Worte, Worte, Worte.
Music:
Blues - alte Bluessongs + Eric Clapton etc Bob Dylan immer wieder und jeden Tag, nun seit 1964 Jazz - Modern und dazu für diie ruhigen Stunden Jan Gabarek und Marylin Mazur Klassik: gerne Bach das Gesamtwerk
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Viele: - Museum der modernen Poesie Magnus Enzensberger (Hg.) - der grosse Conradi - Atlas der neuen Poesie Joachim Sartorius (Hg.) - Pablo Neruda, sämtliche Dichtungen - Max Herrman Neisse - sämtliche Werke
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Channel Comments (30)
DharmaSaveTheKarma (1 week ago)
"Der Tod ist das sterben der Materie, nicht der Seele" übersetzt aus serbokroatisch "Smrt je umiranje tvari, a ne duše." Meša Selimović
Gruß,
Dharma
Derek937 (1 month ago)
Könnten sie auch mal "Nachtcafé" con Gottfried Benn vertonen? Ich liebe dieses Gedicht und könnte es mir sehr gut mit ihrer Stimme vorstellen, die mir übrigens sehr imponiert!
FLEURSRARES (1 month ago)
ganz toller Kanal! Danke!
muekam (1 month ago)
Wunderschöne Seite, großartige Bereicherung für Wortliebende...auf so angenehme Weise . vielen Dank !
Harborlight82 (2 months ago)
Hallo Lothar,
freut mich, dass ich dir für die Gruppe gewinnen konnte. Ich denke YouTube hat literarisch einiges zu bieten, da muss es doch möglich sein ein vernümftiges Netzwerk aufzubauen. Oder?
Liebe Grüße
Carolin
Flatterfrauch (2 months ago)
Hallo

Alle, die irgendetwas mit Gedichten zu tun haben, werden früher oder später von mir gefunden. Toller channel, und dank dir für die vielen guten Texte

Grüsse aus Basel
x00999090 (3 months ago)
Hallo, Herzlich vielen Dank für diese Seite! Mir haben die Autorenlesung sehr sehr gut gefallen. Echt toll, habe anderen Leute weiterempfehlen. Please keep doing that. Grüße.
rgsoleil (3 months ago)
wouw, was für eine großartige Seite, Liebe Grüße Ruth
Zeitgeistersturm (3 months ago)
Das heißt doch jetzt "Rose Migrationshintergrund - das Schönste"
Bitte bei Gelegenheit mal politisch korrigieren,
darklol ;)
YardieSlam (3 months ago)
Hey, vielen Dank fuer das Hochladen der verschiedenen Gedichte. Einen sehr schönen Kanal hast du hier :)
mit freundlichen Grüßen
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