Kohlhaas
Solo frei nach Motiven von Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas"
Lutz
Inszenierung: Werner Hahn
Ausstattung: Jeremias Vondrlik
„Einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit ist die erste Beschreibung des Pferdehändlers Michael Kohlhaas in Kleists Erzählung.
Brandenburg im 16. Jahrhundert: Die besten Rappen des Michael Kohlhaas werden von einem Junker willkürlich einbehalten und aufs Schlimmste zugerichtet. Sein Knecht wird zusammengeschlagen. Kohlhaas zieht vor Gericht, um seine Pferde im früheren Zustand zurück zu erhalten, doch das Verfahren wird verschleppt. Beim Versuch, vom Landesherrn persönlich Recht zu erhalten, stirbt seine Frau Lisbeth durch einen Unfall. Ab jetzt kennt Kohlhaas, dem das Recht über alles geht, keine Grenzen mehr. Mit einer Schar Unzufriedener verfolgt er den Junker. Der Feldzug eskaliert, der Kampf geht schließlich gegen alle gesellschaftlichen Instanzen, gegen Städte, Fürsten, Kirche, Kaiser, den Staat und gegen alle, die das Unrecht decken. Wie ein Wirbelsturm braust ein immer größer werdendes Heer über Deutschland hinweg und hinterlässt eine breite Spur der Zerstörung. Aus dem Bürger Michael Kohlhaas wird ein Terrorist.
Kohlhaas Reaktionen auf die Willkür der Mächtigen erscheinen heute erschreckend vertraut. Zeitlos ist die Frage, die Kleist stellt: Darf man im Kampf gegen das Unrecht zu Mitteln greifen, die selbst neue Willkür und neues Unrecht schaffen? Darf ein Mensch anderen unschuldigen Menschen für eine gerechte Sache Leid zufügen, weil die Bedeutung der Sache über dem Schicksal des Einzelnen steht? Welche Gefühle hat der, der sich offensichtlicher Korruption und der Willkür der Mächtigen hilflos ausgeliefert sieht? Sind die Gründe für persönliche Entrüstung, Wut, Aufruhr und Rebellion nachvollziehbar und legitimierbar?
Die bekannten italienischen Theatermacher Marco Baliani und Remo Rostagno schaffen mit ihrer Version des Kohlhaas einen intensiven Einstieg in die Kleistsche Novelle. Faszinierend und erschreckend zieht die Geschichte des Kohlhaas die Zuschauer in sein Denken und Handeln hinein. Steht man zu Beginn voller Mitgefühl auf seiner Seite, beschleichen einen nach und nach immer größere Zweifel.
wir waren in dem Theaterstück mit der Klasse :)
MsLarii95 1 year ago