Für den Kinostart des dt. Spielfilms DER TOTMACHER v. Romuald Karmakar (1995) mit Götz George, Jürgen Hentsch u.v.a. wurde ein Electronic Press Kit (EPK) produziert, das den TV-Sendern für ihre Filmberichte zur Verfügung gestellt wurde. Aus dieser Materialsammlung präsentieren wir erstmalig Ausschnitte des Interviews mit dem berühmten Künstler Alfred Hrdlicka in seinem Atelier, der über seinen (Fritz) "Haarmann-Zyklus" aus den 60er Jahren spricht. Die Skulpturen führten zu einer Kontroverse, nicht nur in Hannover.
"Haarmann ist mein politischster Zyklus. Die Moritat, das gruselige Geschehen, habe ich vor allem in der ersten Fassung durch Weglassen graphischer Effekte bewusst verdrängt. Was mich an diesem Thema faszinierte, war die Entdeckung, dass Haarmanns Untaten an der Wurzel der Problematik einer Nation sich einnisteten. Die Arbeitslosigkeit war das große Thema der Zwischenkriegsgeneration und der Nationalsozialismus Ausgeburt panischer Angst. Haarmann, Kind dieser Zeit, war eine Arbeitsscheuer, der den Sumpf der Arbeitslosigkeit in der Rolle des helfenden Freunds zu nutzen verstand, ähnlich den Nazis, die sich zu Rettern und Schützern der Nation aufspielten, um ihr unproduktives paramilitärisches Parasitendasein zu rechtfertigen."
(Hrdlicka in Michael Lewin: A. Hrdlicka, das Gesamtwerk, Schriften. Wien/Zürich, 1987)
Wir trauern um Alfred Hrdlicka, der am Samstag im Alter von 81 Jahren verstorben ist.
Romuald Karmakar (Pantera Film GmbH)
Berlin, 10. Dezember 2009
cinekarmakar 2 years ago