Thema Gewerkschaftsarbeit und Arbeitnehmervertretung:
Der ehemalige Betriebsrat am Siemens Standort München Hofmannstraße, Heribert Fieber, berichtet über Erfahrungen, Voraussetzungen und Notwendigkeiten dieser Arbeit auf gewerkschaftlicher Basis. Er ist heute IG-Metall-Berater für ähnliche Fälle. Es kann jeden treffen
Betriebsrats-Arbeit:
Die Verwirklichung von Arbeitnehmerrechten, also die organisierte Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie deren Organisationen zur Durchsetzung kollektiver Interessen, insbesondere der Höhe der Löhne und Gehälter, der Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen. Sie birgt Chancen wie Gefahren. Die spannende Frage ist: Wie reagiert ein Mensch, hier ein Funktionsträger, wenn es um alles oder nichts geht, oder zumindest um viel? Er hat es mit Ängsten, Ausweglosigkeit, mit Fragen der eigenen Werthaltung und der Menschlichkeit zu tun: WARUM hat man diese Aufgabe übernommen, WELCHE Ziele verfolgt man, FÜR WEN macht man das, AN WELCHE Menschen möchte man später den Stab weitergeben ...
Arbeitskampf: das Streikrecht ist eine der Grundfreiheiten der Demokratie. Es ist durch Art. 9 Abs. 3 GG und internationale Abkommen garantiert. Die Europäische Sozialcharta enthält eine umfassende Streikgarantie. Das Ministerkomitee des Europarats hat festgestellt, dass die Beschränkung von Streiks auf tarifliche Ziele, wie sie der deutschen Rechtsprechung zum Demonstrations- und Solidaritätsstreik zugrunde liegt, nicht mit der Europäischen Sozialcharta zu vereinbaren ist.
Hintergrund:
2003 kündigte der Siemens-Konzern 200 Mitarbeitern am Siemens Standort München Hofmannstraße. Diese schlossen sich zum Mitarbeiternetz NCI zusammen und kämpften mit dem Betriebsrat gegen die Kündigungen, ungerechtfertigten Versetzungen und Mobbing. Der Betriebsrat widersprach und sicherte letzenendes den Mitarbeitern die Weiterbeschäftigung. Gerichtliche Auseinandersetzungen folgten, bei denen die gekaufte „Gewerkschaft AUB eine unrühmliche Rolle spielte. Trotz Datenausspähung und dubioser Maßnahmen seitens der Justiz gewann Heribert Fieber den Prozess gegen seine Person.
Heribert Fieber: „Es wurde sehr klar, dass wir uns immer wieder vernetzen müssen. So erreichen die Gewerkschafter die Kirchenvertreter und die Sozialreformer die Menschen, nur dann können wir zu einer Bewegung werden, die der sozialen Gerechtigkeit zum Erfolg verhilft.
Gewerkschaftsarbeit wird in den kommenden harten Krisenzeiten ein wichtiges Standbein im Kampf um soziale Gerechtigkeit sein. Ohne sie, ohne Betriebsräte, die ihr Bestes geben und ohne Solidarität von außen sowie kritische Reflektion und Diskussion des Erreichten gibt es sie nicht.
Heribert Fieber, der auf diesem Video zu sehen ist, ist auch auf dem bei Youtube abrufbaren Film zu sehen: Siemens Machenschaften.
Im 4. Teil wird gezeigt, mit welchen Methoden Siemens gegen diesen guten Betriebsrat vorging. Schelsky gründete im Auftrag der Siemens AG eine sogenannte "gelbe Gewerkschaft" = Scheingewerkschaft "AUB". Diese sollte die Interessen der Arbeitgeber durchsetzen und als Interessen der Arbeitnehmer verkaufen. Diese AUB existiert leider heute in vielen Betrieben.
12Medici 2 years ago