Das Oberwiesenfeld vor Baubeginn des Olympiastadions und Olympiaparks.
Das Oberwiesenfeld, wo einst die königlichen schweren Reiter exerzierten, wo 1938 der britische Premierminister Chamberlain landete, um mit Adolf Hitler das Münchner Abkommen auszuhandeln, und wo nach dem 2. Weltkrieg 10,85 Millionen Kubikmeter Bombenschutt zu Bergen getürmt wurden - nur vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und 300 Hektar groß - bot sich geradezu als Glücksfall an. Dass dieses Gelände überhaupt noch zur Verfügung stand, war einem jahrelangen Streit zwischen Bund, Land und Stadt über eine sinnvolle Planung für die Bebauung und Nutzung dieser Fläche zu verdanken.
Es folgte ein großangelegter Architekten-Wettbewerb, aus dem das Architektenbüro Günter Behnisch & Partner mit dem von Frei Otto entworfenen filigran-beschwingten Zeltdach-Modell siegreich hervorgingen. Die Leichtigkeit und Eleganz dieser Konstruktion fand die Zustimmung aller Beteiligten. Am 14. Juli 1969 erfolgte die Grundsteinlegung für den Olympiapark. 25.000 Bauarbeiter aus 24 Nationen benötigten zu seiner Errichtung in der Rekordzeit von knapp drei Jahren mehr als sechs Millionen Arbeitsstunden, wobei über sieben Millionen Kubikmeter Erde bewegt, über 400.000 Kubikmeter Beton, über 40.000 Tonnen Stahl und über 40.000 Festmeter Holz verbaut wurden. Während der Bauphase an insgesamt 60 Baustellen wurden zehn Richtfeste gefeiert. Das Hochziehen, Spannen und Auslegen der insgesamt 436 Kilometer langen Drahtseile, die zusammen 1645 Tonnen wiegen, dauerte elf Monate. Sie bilden, aufgehängt zwischen zwölf bis zu 80 Meter hohen Pylonen, das Tragwerk des Zeltdaches.
Das Olympische Dorf entstand nördlich des Olympiastadions und erstreckte sich entlang der Connollystraße, der Nadistraße, der Straßberger Straße und des Helene-Mayer-Rings. Im Männerdorf fanden 11.715 Sportler und Betreuer Platz, im Frauendorf 1772. Das Olympische Dorf war vom 1. August bis zum 18. September 1972 geöffnet. Zum Zeitpunkt der größten Auslastung, am 30. August, befanden sich 10.562 Athleten und Betreuer, davon 9104 Männer und 1458 Frauen, im Dorf. Es sollte ein Ort der Ruhe sein, an den sich die Sportler zurückziehen konnten. Zugleich ermöglichte das Dorf die kostengünstige Unterbringung und Verpflegung der Athleten und bot ihnen Trainingsmöglichkeiten sowie ein Unterhaltungsprogramm. Das Olympische Dorf der Männer hatte 2995 Appartements, in denen je nach Typ zwischen zwei und sieben Athleten wohnten. Das Olympische Dorf der Frauen hatte 1718 Appartements für je eine Sportlerin und nur neun Wohnungen für je sechs Athleten.
Bestandteil des Olympischen Dorfes war neben den Wohngebäuden und vielen verschiedenen Trainingsplätzen auch ein Kindergarten, eine Kirche, eine Schule, verschiedene kleinere Einzelhandelsgeschäfte sowie Ärzte, Restaurants, Cafés sowie eine Cafeteria, in der 2500 Sportler Platz fanden. Außerdem gab es verschiedene kulturelle Einrichtungen, dazu gehörten beispielsweise ein Fernsehraum, Tischtennisplatten, ein Billardtisch, ein Theater mit 350 Plätzen und ein Kino mit 200 Plätzen. Nach Ende der Olympischen Spiele wurde das Gelände des Männerdorfes zu einem normalen Wohngebiet umfunktioniert, der Wohnwert dieser Gegend gilt heute als sehr hoch. Das ehemalige Frauendorf wird heute als Studentenwohnheim genutzt.
Am Südufer des Olympiasees, gegenüber den Sportstätten, wurde für die Zeit der Olympiade eine Spielstraße eingerichtet, wo Gaukler und Laienschauspieler in einer Art 'Open-Air-Happening zum Mitmachen' ihre Sicht auf den Sport mit Parodien, Musik und Tanz zum Ausdruck brachten.
Quelle www.olympia72.de
Das mussten echt schöne Olymmpische Sommerspiele gewesen sein!
luxemburgo221 2 years ago 29
Ein wahrlich eindrucksvolles Dokument. Besonders sehenswert sind der noch karg begrünte Berg und der provisorische Zuschauertribünenanbau an der Schwimmhalle.
plebs128 2 years ago 16