Robert Schumann (1810 - 1856)
Minnespiel, op 101
1. Meine Töne still und heiter
Werner Güra, Tenor
Camillo Radicke, Piano
Meine Töne still und heiter,
Zu der Liebsten steigt hinan!
O daß ich auf eurer Leiter
Zu ihr auf nicht steigen kann.
Leget, o ihr süßen Töne,
An die Brust ihr meinen Schmerz,
Weil nicht will die strenge Schöne,
Daß ich ihr mich leg ans Herz.
Die Liebste hat mit Schweigen
Das Fenster aufgetan,
Sich lächelnd vor zu neigen,
Daß meine Blick' es sahn,
Wie mit dem wolkenlosen
Blick einen Gruß sie beut,
Da hat sie lauter Rosen
Auf mich herab gestreut
Sie lächelt mit dem Munde
Und mit den Wangen auch;
Da blüht die Welt zur Stunde
Mir wie ein Rosenstrauch.
Sie lächelt Rosen nieder,
Sie lächelt über mich
Und schließt das Fenster wieder,
Und lächelt still in sich.
Sie lächelt in die Kammer
Mit ihrem Rosenschein;
Ich aber darf, o Jammer,
Darin bei ihr nicht sein.
O dürft' ich mit ihr kosen
Im Kämmerchen ein Jahr!
Sie hat es wohl voll Rosen
Gelächelt ganz und gar!
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