Johannes Brahms (1833-1897)
1 - Wie Melodien zieht es mir, Op. 105, N° 1 (Klaus Groth)
2 - Ständchen, Op. 106, N° 1 (Franz Theodor Kugler)
Lisa della Casa, soprano.
Karl Hudez, piano.
1957.
Wie Melodien zieht es
Mir leise durch den Sinn,
Wie Frühlingsblumen blüht es,
Und schwebt wie Duft dahin.
Doch kommt das Wort und faßt es
Und führt es vor das Aug',
Wie Nebelgrau erblaßt es
Und schwindet wie ein Hauch.
Und dennoch ruht im Reime
Verborgen wohl ein Duft,
Den mild aus stillem Keime
Ein feuchtes Auge ruft.
____
Der Mond steht über dem Berge,
So recht für verliebte Leut';
Im Garten rieselt ein Brunnen,
Sonst Stille weit und breit.
Neben der Mauer im Schatten,
Da stehn der Studenten drei,
Mit Flöt' und Geig' und Zither,
Und singen und spielen dabei.
Die Klänge schleichen der Schönsten
Sacht in den Traum hinein,
sie schaut den blonden Geliebten
und lispelt: »Vergiß nicht mein!«
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