Kapitel 15 -- Bye-bye Iran
Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als
die Dunkelheit zu verfluchen.
Konfuzius
Teheran, Iran. Dezember 2006
„Ihren Pass bitte", fordert mich der uniformierte Beamte
am Schalter des neuen Imam-Chomeini-Flughafens in
Teheran auf. „Ihnen fehlt ein wichtiger Stempel", sagt er
missbilligend, nachdem er einen kurzen Blick in meinen
Pass geworfen hat.
„Und nun?", frage ich vorsichtig.
„Nun müssen wir Sie hier wohl festhalten", erwidert
der junge Revolutionswächter hinter dem Panzerglas des
Schalters mit fester Stimme und ohne mich überhaupt
anzusehen. Ich lächle, um ihm zu zeigen, dass ich ihn
nicht reizen will und bereit bin, das Spiel mitzuspielen.
„Oder wir werden Sie hinrichten."
Ich schlucke und lächle breiter. Der junge Beamte
genießt die Position, in der er sich befindet, und noch
wichtiger, die Position, in der ich mich befinde. Er sieht
immer noch auf seinen Computer und hantiert mit meinem
Pass rum. Das hier ist sein Territorium und er tobt
sich richtig aus.
„Ich sterbe natürlich lieber in meiner Heimat als im
Ausland", sage ich schließlich und es gelingt mir so zu
klingen, als wäre ich davon tatsächlich überzeugt, weil
ich weiß, dass es eine richtige Antwort auf das Problem
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ist. Jetzt schaut der Revolutionswächter mich an und sagt
mit einem Lächeln: „Den Stempel können sie hier am
Flughafen bekommen. Folgen Sie mir bitte."
Er verlässt den Schalter, geht an mir vorbei und ich
laufe ihm nach, verwundert über die plötzliche Gemütswandlung.
Der Beamte führt mich zu einem weiteren
Schalter, der gerade geschlossen ist.
„Er wird in Kürze wieder öffnen, dann bekommen Sie
hier Ihren Stempel", sagt er noch knapp, dann verschwindet
er wieder auf seinen Posten. Ich setze mich auf eine
Bank und krame mein Handy hervor, um ein paar SMS
zu verschicken, als eine Gruppe Inder in die Halle hineinstürmt
und auf den Stempel-Schalter zuläuft. Die Gruppe
ist laut und jeder versucht, sich nach vorn zu drängeln.
Das kann lange dauern, denke ich mir kopfschüttelnd,
aber bleibe sitzen. Eine attraktive Inderin in einem engen
Sarikleid löst sich aus der Gruppe. Sie tritt vor mich.
„Sir, I need to call my family, may I use your mobile?"
Ich bin ein wenig überfordert von der Situation, sehe auf
die Inderin, auf mein Handy, wieder auf die Inderin und
überlege noch, als genau in diesem Moment der Revolutionswächter
zurückkommt und plötzlich vor mir steht.
„Was machen Sie hier?", fragt er entsetzt.
„Ich warte auf meinen Stempel", erkläre ich ihm
leise.
„Geben Sie mir Ihren Pass!", schreit er plötzlich, sieht
ihn neben mir auf der Bank liegen, nimmt ihn und schreit
weiter: „Es kann doch nicht sein, dass ein Iraner wartet
und dreckige Ausländer sich vordrängeln!"
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Rassismus ist auch im Iran eine weit verbreitete Seuche.
Die Überzeugung, dass das persische Volk anderen
Völkern überlegen sei, sitzt bei nicht wenigen Persern
unbewusst tief verwurzelt. Ich schaue nur zu, wie der
Wächter der Revolution mit meinem Pass in der Hand
durch eine kleine Seitentür in den Schalter hineinläuft und
nach wenigen Minuten wieder zurückkommt.
„Hier ist Ihr Pass mit Ihrem Stempel", sagt er freundlich
lächelnd.
„Das ging aber schnell", danke ich ihm und nehme
meinen Pass entgegen.
„Folgen Sie mir", fordert er mich erneut auf und klingt
plötzlich verdächtig freundlich. Als wir langsam und
Seite an Seite durch die Halle Richtung Ausgang laufen,
sieht der Revolutionswächter mich fast schüchtern an und
flüstert
schließlich, dicht an mein Ohr: „Und wie ist es in
Deutschland? Gefällt es Ihnen dort?"
Ich versuche so neutral und zurückhaltend wie möglich
zu bleiben.
„Ja. Ich arbeite dort."
„Und ist es schwer, in Deutschland Aufenthalt zu
bekommen?", fragt er unauffällig weiter. Er spielt also
ah wow, how thoughtfull! Very nice vid
msvf2 3 years ago 3
Merci Az Comment Check other Videos of Tapesh 2012..
guruomid 3 years ago