Uploaded by roehrenbuchse on Sep 25, 2008
In einer umfassenden Einzelausstellung präsentiert die Weserburg das Werk des Bremer Videokünstlers und Hochschullehrers Jean-François Guiton. Ermöglicht wurde das ehrgeizige Vorhaben durch das Kuratorium der Kunststoff-Industrie, das die Weserburg mit einem Kunstpreis in Höhe von 50.000 Euro ausgezeichnet hat. Die Werkschau stellt einen herausragenden Künstler vor, der sich gleichzeitig um die Vermittlung zeitgenössischer Kunst verdient gemacht hat. Nach Thomas Bayrle im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main, Fritz Schwegler in der Kunsthalle Düsseldorf und Martin Honert in der Kunsthalle Lipsiusbau wählte die Jury unter Vorsitz der Kunst- und Literaturkritikerin Verena Auffermann Jean-François Guiton für eine Werkschau aus.
Jean-François Guitons künstlerischer Umgang mit Video und den damit verbundenen Technologien unterscheidet sich in vieler Hinsicht wohltuend von vielem, was "Medienkünstler" produzieren und inszenieren. Seine aus wenigen Elementen bestehenden aber dennoch raumfüllenden Arbeiten könnten auf den ersten Blick als minimalistisch oder konzeptuell bezeichnet werden, wäre in ihnen nicht auch immer eine narrative, literarische, ja bisweilen mythische Ebene auszumachen, ein „Gehalt also, der sich in besonderer Weise mit der hier zum Einsatz kommenden Technik ergänzt und überlagert. Einerseits wirken diese Arbeiten als suggestive Bilder und Klänge unmittelbar auf unser ständig zu Verknüpfungen und Analogiebildungen bereites Vorstellungsvermögen, ja auf unsere körperlich-räumliche Wahrnehmung insgesamt. Andererseits wird gerade durch die Evidenz und Transparenz ihrer Anwesenheit im Raum, durch die klare Anordnung ihrer technischen Elemente, die Mittelbarkeit und Inszeniertheit des ganzen Unternehmens bewusst. Guitons Arbeiten sind narrativ, literarisch, mythisch und selbstreferentiell zugleich, sie erzählen uns Geschichten, berichten aber gleichzeitig von der Tatsache des Erzählens im Rahmen ihrer medialen Vermittlung, und verweisen damit auch immer auf die Medien, deren Hardware hier auch im skulpturalen Sinne zum Einsatz gelangt und so zum Thema der Arbeit werden kann.
Die Tatsache, dass in seinen Arbeiten immer wieder uralte Topoi, Mythen, archaische Bilder, Symbole, Angst-, Lust- und Todesvisionen auftauchen, zeugt nicht etwa davon, dass er hier Versuche unternähme, vergangene, längst bedeutungslos gewordene oder vergessene mysteriöse Zeichen auszugraben und in anachronistischer Form zu reaktivieren, sondern eher das Gegenteil ist der Fall: Diese Zeichen und Bilder sind auch im Medienzeitalter gegenwärtig. Viele von ihnen gehören zu einem seit Jahrtausenden tradierten, sich dabei permanent wandelnden Fundus, welcher auch am Ende des 20. Jahrhunderts noch immer Bestand hat. So wie Guiton sie uns vorstellt, werden sie uns in ihrem Wesen als wandelbare, uminterpretierbare und für verschiedene Zwecke einsetzbare bewusst. Mythos funktioniert auch im Medienzeitalter wie eine "stille Post": Bilder und Geschichten reichern sich mit unterwegs Aufgenommenem an, ändern sich dabei und sind bisweilen kaum noch wieder zu erkennen. Doch geht es Guiton nicht darum, im Rahmen einer sentimentalen Trauerarbeit medienbedingte Verluste kultureller Substanz zu beklagen, sondern es geht ihm um den souveränen gegenwärtigen Umgang mit dem noch immer vorhandenen Reichtum an Bildern, Vorstellungen und ihren sich gegenseitig überlagernden Bedeutungen. Das Spezifische einer solchen von ihm angestrebten Kunsterfahrung aber ist nicht durch Diskurse ersetzbar, ja es ist in der Lage, sich einer sprachlichen Erfassung erfolgreich zu widersetzen, es siedelt sich dort an, wo Sprache nicht mehr oder noch nicht zu greifen vermag. Und Jean-François Guiton ist davon überzeugt, dass Video ein geeignetes Mittel bzw. "Medium" dafür ist.
In der Ausstellung sind 15 Werke des Bremer Künstlers aus den Jahren 1982 bis 2008 zu sehen. Darunter finden sich raumgreifende Videoinstallationen, mehrteilige Monitorarbeiten wie auch großformatige Videoprojektionen, welche zu einem abwechslungsreichen Gang durch die 2. Etage der Weserburg einladen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
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Ja, diese Installation ist lustig! Die Präsentation passt sehr gut zum Video! Ausgefallen!
orangebraun 3 years ago