Den westlichen Gesellschaften ist die innere Sicherheit abhanden gekommen. Auf den Schock der Verletzbarkeit, die für Europa spätestens nach den Attentaten von Madrid und London nicht mehr zu leugnen war, folgt eine nachhaltige Verunsicherung. Dem Gefühl diffuser Bedrohtheit durch unberechenbare Feinde, die mitten aus der eigenen der Gesellschaft zu kommen scheinen, entspricht auf der anderen Seite die Sorge, mit der wachsenden Einschränkung bürgerlicher Rechte einen zu hohen Preis für die innere Sicherheit zahlen zu sollen. Obendrein schwindet das Vertrauen in die attackierte Lebensform, die kapitalistischen Glücksverheißungen sind schal geworden. Aufgerieben zwischen der Angst vor dem fremden Feind, der sich als Schläfer bereits unter uns befindet, und dem Mißtrauen gegen den eigenen Staat, der als falscher Freund unser Privatleben mit Überwachungskameras und Computerviren zum Objekt eines generellen Verdachts macht, wird der paranoide Reflex auf die Wirklichkeit zum emotionalen Grundton unseres Alltags.
ab 21. März 2008
Trailer: Hagen Martin
© Schaubühne am Lehniner Platz Berlin
© 2008
soso
ralfonzo83 3 years ago