Uploaded by 0tt0ni0 on Apr 6, 2009
... vor 150 Jahren hat der vor 200 Jahren geborene Charles Darwin sein revolutionierendes Werk „Die Entstehung der Arten veröffentlicht, in dem er seine Evolutionstheorie vorstellte. Seine Theorie von der Entstehung der Arten durch Mutation und Variation der Erbanlagen und durch Selektion der Lebewesen ist heute zur unbestrittenen Grundlage der Wissenschaften vom Leben geworden. Danach sind auch die Menschen durch Evolution aus der Tierwelt hervorgegangen. Darum muß sich auch unser menschliches Bewußtsein aus den Lebewesen der Natur heraus gebildet haben. Wie aber läßt sich das verstehen? Und was bedeutet es denn überhaupt, ein Bewußtsein zu haben?
Alle Lebewesen entstehen und vergehen. Sie sind offene Systeme mit einem Überlebensproblem, das sie eine Zeit lang lösen können. Diese Definition der Lebewesen führt auf die Einsicht, daß sie zum Überleben auf jeden Fall folgende Überlebensfunktionen brauchen:
Eine Wahrnehmungsfunktion, durch die das System etwas von dem wahrnehmen kann, was außerhalb oder innerhalb des Systems geschieht,
eine Erkenntnisfunktion, durch die Wahrgenommenes als Gefahr eingeschätzt werden kann,
eine Maßnahmebereitstellungsfunktion, durch die das System über Maßnahmen verfügt, mit denen es einer Gefahr begegnen oder die es zur Gefahrenvorbeugung nutzen kann,
eine Maßnahmedurchführungsfunktion, durch die das System geeignete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr oder zur vorsorglichen Gefahrenvermeidung ergreift und schließlich
eine Energiebereitstellungsfunktion, durch die sich das System die Energie verschafft, die es für die Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktionen benötigt.
Diese Überlebensfunktionen müssen direkt miteinander verschaltet sein, damit mit der Wahrnehmung einer Gefahr möglichst schnell reagiert werden kann, um die Gefahr abzuwenden, d.h. es muß eine Kopplungsstelle für alle Überlebensfunktionen geben. Diese Kopplungsstelle nenne ich das Bewußtsein des Lebewesens. Damit besitzt jedes Lebewesen grundsätzlich ein Bewußtsein. Wem diese Definition etwas waghalsig erscheint, mag sich selbst daran erinnern, daß er der Tätigkeit seiner eigenen Überlebensfunktionen in seinem Bewußtsein gewahr wird: das Wahrnehmen durch unsere Sinnesorgane, das Spüren des Schreckens über eine erkannte Gefahr oder auch die Freude über eine Überlebenssicherung durch ein Zusammenhangserlebnis, die Gedanken zur Gefahrenbekämpfung oder zum Schaffen von Sicherungsmaßnahmen und schließlich auch den Willen zur Durchführung geeigneter Maßnahmen zur Überlebenssicherung. All dies findet in unserem Bewußtsein statt.
Offenbar ist mit jedem Lebewesen und seinem Bewußtsein ein Wille zum Überleben verbunden. Die Evolution des Bewußtseins wird darum mit einer Evolution der Willensformen verbunden sein. Der Begriff des Willens ist von Zielen her bestimmt, die in der Zukunft liegen und die die Bewältigung von zuküntigen Gefahren betreffen. Ein Wille will etwas verwirklichen, das in der Zukunft liegt. Er ist final und nicht kausal bestimmt. Aber nur das kausal in Form von Ursache-Wirkungsketten Beschreibbare gilt in der heutigen Naturwissenschaft als wissenschaftlich. Ein Wille kommt in den Naturwisschaften nicht vor, er kann darum auch nicht von ihnen beschrieben werden. Es läßt sich aber zeigen, daß die Evolution als ein Prozeß der Optimalisierung von Überlebenschancen nur begreiflich ist, wenn wir den Lebewesen einen final bestimmten Systemerhaltungswillen unterstellen, der Überlebensgefahren bewältigen oder ihre Entstehung durch Schutzmaßnahmen vermeiden kann und der über den Evolutionsmechanismus in diesem Wollen der Lebewesen etwa durch Mutationen immer erfolgreicher wird. Fragt man sich, was denn der heute wieder so viel diskutierte freie Wille bedeuten soll, so doch gewiß nicht, daß er von dem, was er will, befreit ist; denn dann wäre er ja gar kein Wille mehr. Ein Wille ist immer an das gebunden, was er will und niemals frei davon.
Die verwirrende Begriffsbildung der Willensfreiheit ist historisch aus dem Kausalitätsdogma der Naturwissenschaftler entstanden, weil aus der geistesgeschichtlichen Falle dieses Dogmas das Gespenst einer vollständigen Determiniertheit des Weltgeschehens entsprungen ist. In dieser gedanklichen Falle befinden sich bis heute die meisten Natur- und Geisteswissenschaftler. Wir könnten ihr entkommen, wenn es gelänge, finale und kausale Naturbetrachtung miteinander zu versöhnen. Dies aber ist möglich, weil uns die moderne Naturwissenschaft die Werkzeuge dazu bereitgestellt hat.
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sehr interessant !
Jasinna 2 years ago