Wachstum und seine Grenzen

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Uploaded by on Mar 2, 2009

Prof. Dr. Franz Josef Radermacher Interview mit Martin Sambauer im September 08 Kamera: Johannes Straub Interviewtext: "Beginnen wir mal mit dem Thema Wachstum. Es gibt keinerlei theoretische Gründe, warum Ökonomien nicht funktionieren sollen, die schrumpfen. Das sind möglicherweise ziemlich frustrierende Veranstaltungen, aber es gibt keinen Grund, warum Ökonomien notwendigerweise ein Wachstum brauchen. Allerdings entspricht es der Erwartungshaltung der Menschen in der Regel, dass sich irgendetwas verbessert. Und im Besonderen ist das Geschäft der Politik leichter, wenn man die Forderung von Gruppen, die sich benachteiligt fühlen - und die gibt es eigentlich immer befriedigen kann, ohne notwendigerweise anderen Gruppen etwas weg zu nehmen und das lässt sich aus Wachstumsprozessen gestalten, indem es bei dem einen überproportional wächst und bei dem anderen unterproportional. Also insofern gibt es ein großes Interesse an Wachstum.
Die Sache ist heute noch viel offensichtlicher. Wir stehen in einem Prozess der radikalen Vergrößerung der Zahl der Menschen. Nämlich von 6,5 auf 10 Milliarden. Und alleine die Versorgung der zusätzlichen 3,5 Milliarden auf irgendeinem Niveau würde ein gigantisches Wachstum erfordern. Aber dann haben wir auch noch eine unglaubliche Differenzierung zwischen arm und reich. Die ist global viel größer, als in jedem Land. Der Unterschied zwischen arm und reich ist auf dem Globus ein Vielfaches an Dramatik im Verhältnis zu den Zuständen selbst in Brasilien, von Deutschland gar nicht zu reden. Und wenn alle diese Menschen, die heute auf der armen Seite sind und das ist die weit überwiegende Zahl wenn die aufholen wollen, dann verlangt das erst recht gigantische Wachstumsprozesse. Und da die 3,5 Milliarden neuen im wesentlichen auf der armen Seite kommen, bedeutet dies noch mal gigantisch gesteigerte Wachstumsprozesse, wenn man diese neuen 3,5 Milliarden irgendwo dahin bringen will, wo wir sind. Und wenn man die Welt aus der Sicht der reichen Länder sieht, dann ist ja da nicht die Bereitschaft da zurückzustecken, damit die anderen aufholen können, sondern da will man eigentlich noch mehr. D.h. alle diese Forderungen, die im Raum sind, sind Forderungen nach Wachstum. Und wenn wir das politisch entscheiden würden in Demokratien ist vollkommen klar, wie die Entscheidung wäre. Wir hätten eine massive Unterstützung des Wachstumswunsches. Weil es so viele Probleme gibt bei Krankenhäusern, in den Schulen, überall muss etwas passieren ja das heißt alles: mehr. Und das heißt Wachstum.
Die Frage, die dann im Raum steht ist, gibt es irgendwas was diesem Wachstum Grenzen setzt? Und das ist natürlich im weitesten Sinne die Lebensqualität der Menschen. Wenn wir 24 Stunden arbeiten müssen, damit wir Wachstum haben, dann zahlen wir einen Preis, den wir... letzten Endes würden wir das nicht überleben. Also es macht keinen Sinn Wachstum durch immer mehr Input von uns... so dass wir praktisch gar keine Chance mehr haben die Früchte unserer Arbeit zu genießen macht keinen Sinn. Und dann natürlich die Ressourcen. Die Ressourcen, also die Natur sind die ultimative Grenze, mit der die Menschheit klarkommen muss. Deshalb, völlig klar, wir können nur ein Wachstum haben, das kompatibel ist dem, was die Menschen sozial aushalten und die Natur physisch aushält. Wir sind jetzt an diesen Grenzen das ist neu. Historisch neu ist, dass die Menschheit am Anschlag ist. D.h. die Ressourcenknappheit wird zu einer entscheidenden Begrenzung in der Frage möglichen Wachstums.
Es bleibt aber die Möglichkeit des Wachstums, das sich allein aus Gehirnleistung speist. Also im weitesten Sinne Kreativität, Spiritualität. Der Club of Rome ist ja bekannt für sein Buch „Grenzen des Wachstums. Aber de Club of Rome hat auch einen Bericht publiziert, der heißt „Limits to Ressource Growth, but no Limits to Brain. Also eine vernünftige Weltwirtschaftsverfassung würde die Prinzipien der Nachhaltigkeit konsequent durchsetzen durch Gebote, Verbote und Internalisierung externer Effekte. Aber diese Ökonomie würde trotzdem wachsen und sie müsste mindestens die nächsten 50 Jahre wachsen, damit sie genügen neuartige Güter und Services hervor bringt, damit die Aspirationen von zukünftig 7-8 Milliarden Menschen auf der armen Seite befriedigt werden können. Aber auch die Akzeptanz bei den 1,5 Milliarden sichergestellt wird, die auf der reichen Seite sind und deren politisch-ökonomischer Einfluss massiv ist. Wir müssen also eine Wirtschaftsverfassung kreieren, und das ist eine globale öko-soziale Marktwirtschaft, die das alles gleichzeitig leistet. Die Umwelt schützen, die Entwicklung ermöglichen durch ein Wachstum, das aber Ressourcen-neutral ist."

Category:

Nonprofits & Activism

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Uploader Comments (dasIntegral07)

  • Es ist interessant die Verknüpfungen dieser Initiativen und Stiftungen zu verfolgen.

    Neuartige Güter sollen hervorgebracht werden, damit das Finanzsystem weiter auf Schuldgeld funktionieren kann.

    Solange Ressourcen und Natur in Geld gemessen werden kann, hat der Mensch nichts gelernt.

    Ressourcen müssen allen Menschen zur Verfügung stehen, doch heute werden sie durch Geld davon ferngehalten.

    Der Global Marshall Plan will dieses begünstigen und die Menschen weiter verarmen.

  • Ich finde deine Einlassung interessant. Allerdings sind mir einige Dinge nicht klar:

    - ich glaube nicht, dass die Global Marshall Plan Initiative eine Verarmung der Menschen intendiert. Vielleicht hast Du Recht und es gibt einen unbewussten Mechanismus in ihren Vorschlägen, der das zur Folge haben könnte - dann würde ich aber darum bitten, dass Du ihn genauer erklärst. Ich sehe ihn derzeit noch nicht.

  • Hier greift ab 2009 Codex Alimentarius.

  • Diesen Kommentar verstehe ich nicht: Der Codex Alimentarius ist eine Sammlung von Lebensmittelnormen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1963 - auf was beziehst du das genau?

Top Comments

  • Wachstum wird auch durch den Zins erzwungen.

    Und der Punkt ist, dass alles Geld durch Kredit entstanden ist. Kredite für die wir seltsamerweise Zinsen zahlen müssen. Man verkauft Geld für noch mehr Geld. So funktionieren die Modern Money Mechanics...

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All Comments (17)

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  • "Ressourcen neutrales "Wachstum" da hat sich aber einer trotz guter Ansätze schlau aus der Schlinge gewunden, ..

    Null Wachstum Alter, oder sogar "décrossance" also: Schrumpfung" !!

  • @zartoshtian021 so, jetzt mal ganz einfach! Wenn man schneller und schneller Gueter produziert ist irgendwann mal Schluss wenn man keine Verbraucher mehr hat! Ich nenne das den SCHLANGENSCHWANZBISS

  • Guten morgen liebe Sonne! Zwei Monate zum Nachdenken und leider doch nichts begriffen! Falls Du es nicht bemerkt hast hatte ich die "Faulen" in Anfuehrungsstrichen geschrieben! Mit deiner Bemerkung der Uebervoelkerung bin ich einverstanden, es hat aber nichts mit dem Wachstum zu tun!

  • @pitipit1000

    warum sollten die Fauelen die richtigere Weltanschauung haben? Es geht doch ganz klar darum, dass immer Mehr Menschen, die auf die Welt kommen, uns mehr an die Grenze der Resourcenknappheit bringen...Und somit eine Lösung dafür gefunden werden muss...die Faulen wollen nach oben, und die fleißigen ebenfalls..das ist doch ein ganz normales Prinzip

  • Also, wenn ich alles richtig verstanden habe hatten die "Faulen" ja wohl doch die richtigere Weltanschauung!

  • wie Recht er doch hat, hier greift mit meine These mehr Transparenz auch für wenig gebildete! Deshalb der umwelt-ThemenPark auf sbp.ch

  • Ich gebe Dir Recht, wir muessen mit den uns jetzt zur Verfuegung stehenden Mittel das Bestmoegliche zu erreichen versuchen.

    Gleichzeitig muessen wir aber am System arbeiten. Eine von vielen Initiativen im Bereich Globale Demokratie:

    unpacampaign . org

    Jeden Tag den wir Reformen nach hinten verschieben werden wir in der Zukunft teuer bezahlen!

  • Internationale Regelungen ist die Utopie, aber nationale Regelungen sind machbar. Ich persönlich bin zuerst mehr an dem interessiert was machbar ist und nicht an dem, was ich nie erleben werde. Alles, was ich tun kann, ist dafür zu sorgen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Vision vom Club of Rome irgendwann Realität wird. Dazu muss ich erst mal national die Voraussetzungen schaffen.

  • Das eigentliche Problem ist nicht die Demokratie, sondern unser ungezügeltes Wirtschaftssystem. Die armen Menschen sind erst mal uninteressant, so lange sie in Staaten leben, die nicht auf der Aufklärung basieren und soziale Sicherungssysteme fehlen. Zuerst muss man das ändern. Erst dann werden die Geburtenraten zurückgehen und erst dann können wir versuchen die Menschen auf unser Niveau zu bringen. Bis dahin sollten wir uns auf Staaten konzentrieren, die höher entwickelt sind.

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