M. Wild: Das Tier in den Geistes- & Naturwissenschaften 1/7

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Dr. Markus Wild, Philosoph, Humboldt-Universität zu Berlin

Das Tier in den Geistes- und Naturwissenschaften (Teil 1 von 7)

26. April 2006, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Die Frage nach dem Tier in den Geistes- und Naturwissenschaften ist auch eine Frage danach, wie wir über das Tier sprechen sollen. In dieser Vorlesung wird einerseits das Problem Sprechweisen an Beispielen vorgestellt, andererseits wird die Mensch-Tier-Unterscheidung in den Blick genommen.

Ausgangspunkt der Diskussion der Mensch-Tier-Unterscheidung ist das berühmte Gemälde Las meninas (Die Hoffräulein) des spanischen Malers Diego Velásquez. Auf ihm befindet sich ein stattlicher Hund. Wie fügt er sich in das Gemälde ein? Es werden fünf Deutungen vorgeschlagen, wobei der Hund allgemein für das Tier eintritt:

(1) Differentialismus: Das Tier ist ein bewusstloses Wesen, vom Menschen radikal verschieden.

(2) Assimilationismus: Tier und Mensch unterscheiden sich durch keine wesentlichen Eigenschaft.

(3) Gradualismus: Das Tier steht in der Stufenleiter der Lebewesen unter dem Menschen.

(4) Skeptizismus: Wir können nicht wissen, wie es um das Tier steht, es ist uns fremd.

(5) Metamorphismus: Zwischen Tier und Mensch besteht eine innige Verwandtschaft, die sich in einer gegenseitigen Anverwandlung ausdrückt.

In den Geistes- und Naturwissenschaften findet man alle diese Sichtweisen. Auch die letzte. Es zeigen sich Tendenzen: Aufgrund naturwissenschaftlicher Studien etwa über Affen, Delphine oder Krähenvögel sehen sich differentialistische Ansichten zusehends durch einen Assimilationismus herausgefordert. Demgegenüber versuchen verschiedene geisteswissenschaftliche Studien den Skeptizismus aufrecht zu erhalten und betonen die Fremdheit der Tiere. Eine unverzerrte Sichtweise auf Tiere verlangt nach Ansicht des Dozenten keinen Mittelweg, sondern nach beidem.

Dürfen wir über Tiere in vermenschlichenden Worten sprechen? Oder sollen wir gerade auf solche Anthropomorphismen verzichten? Haben Tiere wirklich Absichten? Spielen sie? Täuschen sie? Oder sprechen wir lediglich so, als ob dies so wäre? Das naturwissenschaftliche Sprechen über Tiere steht vor dem Problem, das Verhalten der Tiere zum Sprechen zu bringen und sich gleichzeitig stets zu misstrauen. Der Dozent wird für einen kritischen Anthropomorphismus argumentieren, der über ein bloßes Als-ob hinausgeht.

http://www.vorlesungen-tierrechte.de
http://www.rainerebert.de

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All Comments (3)

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  • der professor erlaubte mitzufilmen?

  • Sehr Gut!!! Meine liblingsfach ist naturewissenschaften. Naturewissenschaften ist toll.

  • Vielen Dank fürs uppen.

    Sehr interressant das ganze!

    gruss

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