Eigentlich beginnt alles mit einem Scherz: Evelyn und Claus, Rechtsanwältin und Schönheitschirurg von Beruf, wohlsituiert mit einer hübschen Villa im Berliner Grunewald, geben eine Anzeige auf nachdem ihre polnische Putzfrau spurlos verschwunden ist. „Kultiviertes Ehepaar mit ersten Denk- und Lachfalten sucht zuverlässige Sklavin mit Pep und Power für Haushalt." Die Überraschung ist groß als tatsächlich die ersten durchaus ernst gemeinten Bewerbungen von Langzeitarbeitslosen, Asylanten und überqualifizierten Akademikern im Briefkasten liegen. Warum sollte das Ehepaar auf ungeahnte Annehmlichkeiten verzichten? Langsam entsteht hinter hohen Hecken eine moderne Sklavengesellschaft, eine Art Solidargemeinschaft nach altrömischem Vorbild. Das liest sich zunächst verwirrend, oft brüllend komisch. Und dann bleibt einem immer wieder das Lachen im Halse stecken, weil das Szenario so realistisch wirkt.
Der Autor Thor Kunkel ist ein scharfer und kritischer Beobachter unser gesellschaftlichen Gegenwart und ein Querdenker. Wo steht unsere Gesellschaft heute? Wie gehen wir mit der wachsenden Kluft zwischen Armen und Reichen in unserem Land um? Welche Werte sind uns wichtig? „Metropolis" trifft Thor Kunkel in Berlin und will wissen, wie ernst er sein literarisches Sklavenmodell eigentlich meint.
Arte/Metropolis - 02.07.11
Link to this comment:
All Comments (0)