Bit´s a track out of the CD "homerun" produced from Ullip and Michael Karoli Outerspace
Es ist heiss. Zeit für ein Mittagsschläfchen unter Schatten-spendender Flora. Mehr Bewegung als Atmen und Rapid Eye Movement sind sowieso zu anstrengend. Bevor der Schweiss in Strömen den Körper verlässt, salzig perlend, lieber geschehen lassen, statt zu agieren. In der Zeit der langen Tage. Es sei denn, - fein! fein! - nahe gelegenes kühles Wasser verspricht erfrischendes Planschvergnügen. Komplett apathisch waren Bits allerdings nur bedingt, eher zum bedächtigen Austoben bereit. Ihr Mittachtziger-Album, das jetzt als CD erscheint, sollte trotz hitziger Idylle entstehen - unter anderem wurde bei Nizza aufgenommen, im "Outerspace"-Studio vom mittlerweile verstorbenen Ex-Can-Gitarristen Michael Karoli, der zum Instrument greift und auch zu Wort kommt - a little Bit.
Sobald in Nordeuropa der Sommer Sonnenschein spendiert, ohne geizig zu sein, kommt die Sympathie für ursprünglich jamaikanische Musik zum Vorschein. Die Bits hören und verehren sie wohl unabhängig von Jahreszeiten. Eher immer. So ist "Home-Run" Dub-Rock, mit schwingendem Fundamentalrhythmus. Mal schlurig, mal lässig. Collagiert und mit verzerrten, auch verhallten Krach-Anteilen angereichert - "Speed" und "First Byte" -, in nervöseren, aufregenden Momenten; in Entspannungsphasen, die wesentliches Charakteristikum von "Home-Run" sind, dagegen stoisch fließend. Das Album kommt weitestgehend ohne Gesang aus. Wenn gesungen wird, wie in "The Last Byte", dem Stück mit dem schnurrenden Fretless-Bass, dem sphärischen "Comsubpac" und "Ladykill" - manisch und easy zugleich -, sind die gedosten Stockhausen-Schüler, Karoli's einstige Wegbegleiter, ganz nah. Nah dran am Klangbild der Bits und der repetitiven Offenheit ihrer Tracks. In den späten Siebzigern und frühen Achtzigern sind Konfrontationen vorgenommen beziehungsweise kantige Fusionen dieserart schon einmal praktiziert worden. An ganz unterschiedlichen Schauplätzen passierte etwas, etwa in New York, bei Bill Laswell's Material, und in Bristol, wo die Pop Group kurz und schmerzhaft agierte. In der Vergangenheit firmierten solche Experimente unter der Genre-Bezeichnung Post-Punk. Seit die wilde Gitarren Musik zuletzt für tot und übel-riechend erklärt worden ist, existiert das Label Post-Rock. Doch die Karibik ist den Bits wichtiger als das windige, damals noch anders klingende Chicago, - welches heute wahrscheinlich, nach wie vor, Hochburg der Funk, Kraut-, Jazz- und Indie-Rock aufgreifenden - dekonstruktierenden? - Instrumental-Musik ist. So wird steady gerockt, mit irritierenden Schlagzeug-Hakern, zeitweise effektvoller Rückwärts-Rhythmisierung bringen Bits Wärme bei Kälte, angenehmes Abschalten - auch Halluzinieren - bei Hitze.
Tobias Stalling
http://www.fuenfundvierzig.com - http://www.indigo.de
Geniale Musik
Bananentieger 3 years ago