Wie Altkanzler Schmidt Westerwelle abwatscht

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Uploaded by on Dec 16, 2010

Eigentlich sollten sie bei Reinhold Beckmann über ihr neues Buch sprechen: Doch Helmut Schmidt kippte beim Doppel-Interview mit dem Historiker Fritz Stern lieber Öl ins Feuer um die Debatte über angeblich parasitäre Hartz-IV-Empfänger. Und das bekam vor allem Guido Westerwelle ab.
Es gibt einen Mann, der auch mit 91 Jahren noch die nötige Autorität besitzt, um gestandenen Berufspolitikern eine Lektion zu erteilen. Dieser Mann ist ein Phänomen. Er pfeift auf die Etikette. Er redet, ohne sein Gegenüber anzuschauen. Er nebelt jeden Raum gnadenlos mit seinen Mentholkippen ein. Doch nie würde es jemand wagen, ihn zu bitten, den Rauch in eine andere Richtung zu pusten oder seine Zigarette erst gar nicht anzuzünden. Er müsste damit rechnen, dass ihn die Medien wegen Majestätsbeleidigung steinigen.



Dieser Mann hat sich schließlich als Bundeskanzler in den 70er-Jahren den Ruf erworben, er könnte das Steuer in letzter Sekunde herumreißen, wenn die „MS Deutschland" mit voller Kraft auf einen Eisberg zusteuert. Kurioserweise hat er seinen Vertrauensbonus nicht im Amt aufgebraucht. Noch heute hat sein Wort mehr Gewicht als das seiner Nachfolger. Sein Name ist Helmut Schmidt.




Das sozialdemokratische Urgestein war zu Gast bei Reinhold Beckmann, nicht alleine, sondern zusammen mit einem langjährigen Weggefährten, dem US-amerikanischen Historiker Fritz Stern. Vermutlich wollte Beckmann diese Gelegenheit nutzen, um zu demonstrieren, dass Geschichtsunterricht keineswegs langweilig sein muss. Schließlich waren die beiden gekommen, um ihr neues Opus vorzustellen. Im Sommer 2009 haben sie sich zu Hause bei Schmidt in Hamburg getroffen, um das Jahrhundert gemeinsam Revue passieren zu lassen. Das Ergebnis ihres Gesprächmarathons wurde auf Tonband aufgezeichnet und als Buch veröffentlicht: „Unser Jahrhundert."

Doch was blieb am Ende vom Gipfeltreffen der Old Boys übrig, nachdem sich der dickste Zigarettenqualm verzogen hatte? Die Erinnerung an einen Methusalem, der als sozialdemokratisches Gewissen der Nation nie so gefragt war wie heute. Und eine Standpauke für Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP).

Den kanzelte der 91-Jährige für seine Attacken gegen angeblich arbeitsunwillige Hartz-IV-Bezieher ab. Der FDP-Vorsitzende und Vizekanzler sei „ein Meister der Wichtigtuerei", befand Schmidt auf seine unnachahmlich trockene Art. Westerwelle liege völlig daneben, wenn er von „anstrengungslosem Wohlstand" und „spätrömischer Dekadenz" spreche. „Es gibt niemanden, der dem Volk Wohlstand versprochen hat, ohne dass es dafür arbeiten muss." Es sei ein merkwürdiges Feindbild, das der Liberale da beschwöre. „Er redet gegen jemanden, den es gar nicht gibt."
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Da hat der Anwalt der umstrittenen Agenda 2010 gesprochen. Er sitzt jetzt mit dem vierten Herzschrittmacher im Rollstuhl, und an seinem Gesicht konnte man ablesen, dass er sich einen hübscheren Rahmen für ein Treffen mit seinem alten Kumpel Fritz vorstellen kann als das Studio von Beckmann.

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Top Comments

  • The Godfather

  • Daumen hoch für Altkanzler Schmidt. Das war der allerbeste Kommentar, die allerbeste Antwort, den/die man zum Thema Westerwelle geben konnte. Hut ab vor diesem großen Staatsmann.

    Charakterlich und politisch kann Westerwelle (der kleine selbstverliebte Schreihals!) Schmidt nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.

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All Comments (268)

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  • "So schlimm?"

    Berechtigte Frage? Nein, deshalb ja auch:

    "Ich hab nichts hinzuzufügen................."

  • @TheLoeschler ui, des ist doch die geschichte, die man dir immer auf dem pausenhof erzählt hat, nachdem man dich verprügelt und bespuckt hatte. passt aber ganz gut zu einem armseligen würstchen wie dir...

  • Eins A - der Pate.

  • @Sapiensus84 junge junge der ausdruck ist ja fast so dreckig, als ob man deine schwester fingert und den ehering deines vaters findet...

  • like a boss

  • @mnguy790 Bin gerade selber H4 - Empfänger. Da gibts nix zu jammern. Studenten geht es viel schlechter, ohne familiäre Unterstützung kann man anspruchsvolle Fächer kaum studieren.Vom Jammern bin ich nun mit H4 weit entfernt. Nur suche ich gerade eine Promotionsstelle, da sind wir anscheinend echt auf dem Stand eines Entwicklungslandes. Die Hälfte der Menschen krepiert noch an Krebs, aber gefördert wird nicht die Forschung, sondern (griechische) Bunga-Bunga Parties, von Geld das wir nicht haben.

  • @Norman68623 finde ich nicht :)

    denn, was mich wirklich stört ist, wenn ein herr schmidt oder auch westerwelle - die beide fürs leben ausgesort haben - meinen, h4-empfängern vorschreiben zu dürfen, wie laut/leise diese jammern sollen. ich finde den vergleich mit der 3. welt auch ziemlich armselig, weil das für mich eine ablenkung ist, von der eigenen verantwortung seinem eigenen volk gegenüber.

    was das thema h4 angeht, da argumentieren herr schmidt und westerwelle leider auf gleichem nieveau.

  • @mnguy790 In diesem Fall schon.

  • Maischberger voll Süß "so schlim Q.Q" :D

  • @74K3AR1D3W17HM3 lol, depp

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