mit Leni Riefenstahl (3/4)

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Uploaded by on Aug 10, 2010

"Je später der Abend"
Talkshow mit Hansjürgen Rosenbauer vom 30.10.1976
mit Leni Riefenstahl, Elfriede Kretschmer und Knut Kiesewetter
WDR (65 Minuten)
produziert in den ehem. Sudios in der Kölner Annostraße

Hamburger Abendblatt, Nr. 258
vom 04.11.1976, Seite 20

LESERBRIEFE
Zu der letzten Talkshow "Je später der Abend" mit Leni Riefenstahl, Elfriede Kretzschmer, Knut Kiesewetter und Hansjürgen Rosenbauer:
Ein Glück, dass Herr Rosenbauer seinen Hut nimmt, an Taktlosigkeiten hat es ihm nie gefehlt.
Leno G., Hamburg 19
Die Sendung war völlig überflüssig. Man darf auf keinen Fall die heutige Zeit mit der damaligen Diktatur vergleichen. Ich möchte die Riefenstahl nicht herausstellen. Aber wir wurden eben (ich bin Jahrgang 1920) unter ganz anderen Bedingungen aufgezogen.
Herbert L.,
Hamburg 63
Die arme Leni Riefenstahl! Diese Show war eine Demütigung für sie. Man sollte ihr nochmals eine Show bereiten und ihre weltbekannten Filme bringen ohne politischen Hintergrund! Unsere heutige Jugend hat noch nichts Böses erlebt, und sie sollte etwas Verständnis aufbringen, wenn wir Alten versuchen, ihnen die damalige Diktatur zu erklären. Helen M.,
Hamburg 26

Rosenbauers Abschied ? ein Eklat. Es hätte nur noch der Frage bedurft, wieweit Frau Riefenstahl die heimliche Geliebte Hitlers war. Und was Knut Kiesewetter angeht, wie er heute seine Forderungen demonstriert, wie würde er sich wohl entscheiden bei 7 Millionen Arbeitslosen? Hellseher müsste man sein, damals wie heute.
Wilhelm W.,
Hamburg 70

Fernsehen
Eine papierne Paarung
© DIE ZEIT, 05.11.1976 Nr. 46
ARD, Sonnabend, 30. Oktober: Talk-Show mit Hansjürgen Rosenbauer Der Herr im Hintergrund, zu dessen Pflichten es gehört, die Gästeliste der Talk- Show zusammenzustellen, hatte sich offenkundig Gedanken gemacht. Hier der große Star und dort die einfache Frau aus dem Volke, des Führers Photographin und die Gewerkschaftlerin aus dem Arbeiterviertel: Das verspricht, wird der Mann im Hintergrund gedacht haben, ein interessantes Gespräch. Die klassenbewusste Betriebsrätin, auf die Einheit der Arbeiterbewegung bedacht, und die nur an sich selbst denkende, zu jedem Kompromiss bereite Künstlerin aus Berlin-W: da gibt es Zunder, da fliegen die Fetzen, wenn die von den Nazis Verfolgte mit der Grande Dame des Dritten Reichs diskutiert.
Nun, das Kalkül ging nicht auf — es konnte nicht aufgehen, weil es absurd war. Was sollten sie sich schon sagen, die Diva, die mit Namen aus dem Brockhaus aufwarten konnte (und alle, der Corinth und der Sternberg, der Liebermann und die Dietrich waren liebe Bekannte von ihr), und die Sozialistin Elfriede Kretschmar, die ihr Leben damit verbracht hatte, für das menschenwürdige Dasein des Drehers Meier oder der Fließbandarbeiterin Schulze zu kämpfen? Worüber sollten sie sprechen, Frau Riefenstahl, die Anwältin einer zeitfernen Schönheit, und die von ihr als gnädige Frau titulierte Sozialarbeiterin, deren Schicksal es war, Menschen aus einer Perspektive betrachten zu müssen, in den Slums, im Gefängnis, in der Fabrik, wo von Schönheit nicht die Rede ist? Nein, das war kein Diskussions-Gespann, das war eine papierene Paarung: zusammengestellt von einem Computer.

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Top Comments

  • Frau Riefenstahl hat mehr Anstand, Höflichkeit, Würde und Respekt verdient, als alle nachkommenden Nachäffer, die mit dem Finger auf sie zeigten.

  • Sie hatt vollkommen recht, vor dem Krieg hatte keiner ein problem mit dem NS Staat, die Welt war begeistert.

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All Comments (10)

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  • Elfriede Kretschmer redet vielleicht Bullshit. Leni Riefenstahls Filme waren nicht nur in ihrer Machart, sondern auch in ihrer Botschaft einzigartig. Und das im positiven Sinne.

    Darüber hinaus hat sie scheinbar keine negativen Erfahrung gemacht, so wie die meisten. Wer sagt denn, dass das alles stimmte als nach dem Krieg auf einmal Leute aufkreuzten und erzählten, was nicht alles passiert sei.

  • 800.000 Arbeitslose loool ... wüsste zu gern wieviele es heute sind. Also jetzt nicht diese geschönten Zahlen der Regierung sondern die echten Zahlen ... tippe mal auf 5-6 millionen Minimum.

  • Wie wärs mit "Dem Deutschen von Nanking" - Johan Rabe der 1937/1938 fast eine 4tel Million chinesen von den japanischen Massenmord rettete?

  • ja alle deutschen haben eine "Ahning hegabt" aber wie heute wird alles verschwiegen

  • @jochenberlin Kanntest du alle Nationalsozialisten persönlich oder wie kommst du zu dieser Behauptung?

  • @jochenberlin Was ist den der Sinn dieser Aussage? Erstens heisst es "zur info". Was wollen sie uns denn damit sagen? Was ist schon "gut" und was ist "böse"? Wer ist für sie ein Nationalsozialist und wer nicht? Woher wissen sie denn ob sie damals nicht genauso mitmarschiert wären? Ob die Aussage nun stimmt oder nicht, die Aussage ist hier klar deplaziert. Glauben sie denn das alle Deutschen bescheid wussten? Sind jetzt die Deutschen wieder schuld? Ja? Die "Deutsche Rasse" für Äonen der Satan...

  • noch mal zu info: es gab keine "guten" Nationalsozialisten!

  • Interessantes Zeitdokument, danke. Interessant auch der Widerspruch: Frau Kretschmer wird zitiert: "Die Leute, die gar nix waren, sind mir am wenigsten lieb". Ein paar Minuten vorher hat sie sehr wortreich und emotional aufgeladen von ihrem persönlichen "gar nichts sein" berichtet und dass man doch alles wußte und was sie alles "nicht tun konnte"..... Schon interessant.

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