Uploaded by mwiemeikel1 on Jul 20, 2010
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Sensationsfund aus der Bronzezeit
Film von Thomas Claus
Mehr als 3.600 Jahre soll die „Himmelsscheibe von Nebra" alt sein: eine wissenschaftliche Sensation. Kein Fundstück der europäischen Vorgeschichte ist rätselhafter als der zwei Kilogramm schwere Bronzediskus aus Sachsen-Anhalt. Das Relikt zeigt die erste uns bekannte Himmelsdarstellung der Menschheit und lässt so Rückschlüsse auf das damalige astronomische Wissen zu.
Am 4. Juli 1999 ziehen zwei Raubgräber in einem Wald bei Nebra in Sachsen-Anhalt eine dreckige Metallplatte aus dem Erdboden. Binnen drei Jahren wird sie weltberühmt: Die "Himmelsscheibe von Nebra" ist ein Sensationsfund. Bis heute gibt sie Rätsel auf.
Einen Tag nach ihrem Fund verkaufen die beiden illegalen Schatzsucher die Scheibe sowie Schwerter und Beile aus Bronze an einen Hehler. Der bietet die Stücke dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle und dem Berliner Museum für Ur- und Frühgeschichte an. Beide Einrichtungen lehnen das Geschäft ab. Schließlich verkauft der Hehler den Schatz an einen Hobby-Archäologen. Doch weil die grünliche Scheibe laut Gesetz Sachsen-Anhalt gehört, macht sich Landesarchäologe Harald Meller auf seine Spur. Bei einer fingierten Verkaufsaktion in Basel kann die Polizei am 23. Februar 2002 die Himmelsscheibe von Nebra beschlagnahmen.
Nur scheinbar unscheinbar
Auf den ersten Blick ist sie nur eine Scheibe aus grünlichem Metall, auf die kleine, goldene Plättchen aufgeprägt sind. An den Seiten befinden sich zwei lang gezogene Bögen, außerdem ein großer Kreis und ein sichelförmiges Plättchen, das an einen Halbmond erinnert.
Sonne, Mond und Sterne
Schon als zum ersten Mal Archäologen die Scheibe unter die Lupen nahmen, lautete ihre Vermutung: Die kleinen goldenen Punkte stellen die Sterne dar, der große den Mond oder vielleicht die Sonne. Doch die scheinbar einfache Darstellung des Himmels ist höchst komplex, sagt Harald Meller. Es dauerte Jahre, bis die ineinander verschachtelte Bedeutungsebenen der Darstellung enträtselt waren.
Älteste Darstellung des Himmels
Um die Geheimnisse der Himmelscheibe zu lüften, wird sie geröntgt, um in ihr Inneres blicken zu können. Die Zusammensetzung der Scheibe wird chemisch analysiert, um Aufschluss darüber zu bekommen, woher die Materialien stammen, aus der sie gefertigt ist: Bronze, Gold, Kupfer, Zinn. Die Untersuchungen ergeben: Die Himmelsscheibe stammt offenbar aus der Bronzezeit und ist mindestens 3.600 Jahre alt. Wahrscheinlich handelt es sich um die älteste konkrete Darstellung des Himmels, die je in Mitteleuropa gefunden wurde.
Mondkalender aus der Bronzezeit
Doch wozu diente die Himmelsscheibe von Nebra? Harald Meller deutet ihren Zweck so: Auf der Scheibe sieht man zwei Himmelskonstellationen, gebildet vom Mond und der Sternengruppe der Plejaden. Die Gestirne zeigen den Himmel, wie er an zwei bestimmten Daten in der Bronzezeit aussah: am 10. März und am 17. Oktober. Damals hatten solche astronomischen Beobachtungen eine enorme Bedeutung für den Ackerbau, denn sie zeigten Anfang und Ende des bäuerlichen Jahres. Die Himmelsscheibe hatte also eine klare Botschaft: "Wenn du am Himmel die Plejaden neben dem zunehmenden Mond siehst, kommt der Frühling und du kannst säen. Wenn sie mit dem Vollmond auftauchen, ist es Herbst und du solltest mit der Ernte fertig sein."
Von der Wissenschaft zum Kult
Doch die Untersuchungen zeigten auch, dass sich die Himmelsscheibe nicht mehr in ihrem Originalzustand befindet. Die Wissenschaftler entdeckten, dass die beiden Bögen, die sich am Rand der Scheibe entlang ziehen, etwa 150 Jahre später angebracht worden sind. Wahrscheinlich von jemandem, der die Scheibe fand und nicht mehr wusste, was die Darstellung der Gestirne auf ihr bedeuteten. Später wurde die Scheibe weiter ergänzt um einen weiteren goldenen Bogen mit Längsrillen an der Seite. Den interpretieren die Forscher inzwischen als religiöses Symbol. Damit verwandelte sich das ursprünglich wissenschaftliche Instrument in einen kultischen Gegenstand.
Werk eines genialen Geistes
Noch lange sind nicht alle Geheimnisse der Himmelsscheibe gelüftet. Immer wieder können die Wissenschaftler neues aus den dargestellten Gestirnen herauslesen. Mit der Scheibe ließen sich möglicherweise auch Mondfinsternisse vorhersagen. Für Archäologe Harald Meller ist daher klar: Die Himmelscheibe ist nur scheinbar einfach. In Wirklichkeit ist sie aber das Werk eines genialen, abstrahierenden Geistes in der Qualität von Carl Friedrich Gauß oder Albert Einstein.
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Ach es wäre aber so interessant zu wissen, falls der Finder das hier liest...
Er möge sich sein 15000000 € in den Arsch stecken.
Redbossman90 1 month ago
Grüße aus der Oberlausitz!
Goetterhand 1 year ago