Satirische Oper von Georg Kreisler
Aus der Aufnahme der Uraufführung in den Wiener Sophiensälen, am 11.11.2000, eine netzzeit -- Produktion
Erik: Andrew Murphy/Bassbariton; Daniel: Andreas Jäggi/Tenor
ERIK:
Hier ist hier, und dort ist dort. Europa!
Es zieht immer weiter fort, Europa.
Ein Boden ohne Fass,
ein Maulkorb ohne Hund.
Hast du auch, wenn du „Europa" sagst,
so einen komischen Geschmack im Mund?
Europa! Bequemlichkeit der Millionäre!
Europa, wem singst du diese schiefen Broadway-Melodien?
Diese Päpste!
Dieses Schweigen vor den Hunden,
unterwürfig und modern.
Ach, Europa! Du stirbst so gern.
Die Kunst ist bequem.
Der Sex ist bequem.
Ibiza ist bunt.
Die Mädchen, die Mädchen sind gesund.
Mutter ist tot, Vater ist verschwunden,
alles, aber auch alles, ist bereits erfunden.
DANIEL:
Alt ist dumm und jung ist alt.
Europa!
Geld ist Geld, und kalt ist kalt, Europa.
Ein Lächeln ohne Sinn,
ein Wirtshaus ohne Koch.
Hast du auch, wenn du „Europa" sagst,
das komische Gefühl: Wie lange noch?
BEIDE: Europa, Bequemlichkeit der Millionäre!
DANIEL: Europa, wem hast du deinen Traum verkauft,
und für wie viel?
Deine Söhne -- wohin hast du sie verloren?
Fragst ja nicht einmal warum.
Ach, Europa! Du stirbst so stumm.
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