Bad Wörishofen/Unterallgäu

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Uploaded by on Nov 3, 2011

Kath. Pfarrkirche St. Justina in Bad Wörishofen/Unterallgäu - Südbayern,
Deutschland

Vorläuten mit der großen Glocke H°
Vorstellung des Geläutes

HISTORIE:
Aufgrund eines Gelöbnisses wird die erste Kirche in „Werenshova" (Dieser Name existierte bereits im Jahre 1067) am 18. Mai 1243 schriftlich erwähnt. Wenn auch der Ursprung dieses Gotteshauses unbekannt ist, lässt sich der Turmbau bereits um das Jahr 1220 datieren!
Im ersten Viertel des 16. Jhdt. wurde die vermutlich noch aus der Romanik stammende Pfarrkirche abgetragen und durch einen spätgotischen Neubau ersetzt.
Von 1663 bis 1780 wurde der Sakralbau nach und nach reicher ausgestattet und barockisiert.
Als von 1881 an für 16 Jahre Pfarrer Sebastian Kneipp Seelsorger und Priester für Wörishofen wurde und durch seine spektakulären Heilungserfolge mit seinen Wasseranwendungen und Kuren, Jahr für Jahr tausende Menschen nach Bad Wörishofen strömten, wurde die Pfarrkirche bald viel zu klein für diese kleine Gemeinde, deren Einwohner sich rasch vervielfachten.
Von 1932 bis 1933 wurde die Kirche um 12 Meter nach Westen verlängert. Mit der Weihe des neuen Hochaltares am 3. Juli 1938 war dann auch die Vervollständigung der Innenausstattung für die Kirche vollendet.

DAS GELÄUTE:
Zu Lebzeiten von Pfarrer Sebastian Kneipp setzte sich das 5-stimmige Geläute folgend zusammen:
Die Glocken 1, 4 und 5 stammten von Fritz Hamm in Augsburg; wobei Glocke 5 im Jahre 1891 von Pfarrer Sebastian Kneipp selbst gestiftet wurde.
Die Glocken 2 und 3 wurden 1717 von Franciscus Kern I. in Augsburg gegossen.
Lediglich die von Pfarrer Sebastian Kneipp gestiftete Glocke, blieb der Wörishofern über beide Weltkriege erhalten.
Im Jahre 1947 erhielt Engelbert Gebhard aus Kempten den Auftrag, 4 neue Glocken ergänzend zur Pfarrer-Kneipp-Glocke zu gießen.

Bei meinem Aufenthalt in der Glockenstube entdeckte ich einige interessante und neue Details bei den Gebhard-Glocken, die mir bis dato noch unbekannt waren!
Alle 4 Glocken sind mit auffallend hohen Kronenhenkeln versehen, die mit geflügelten Engelsköpfen verziert sind. Engelbert Gebhard verwendete also für ganze Glocken-Ensembles oder Einzelglocken (mir bis heute bekannte) vier verschiedene Formen von Kronenhenkeln:

1. Kronenhenkel mit glatten, gefassten Kanten und quadratischen Querschnitt, die noch oben hin divergieren.

2. Die Ulrich'schen Kronenhenkel mit ihren geschwungenen Bügeln und den dreifachen Rippen.

3. Kronenhenkel mit Frauenköpfen, langen wallenden Haaren und mit einer Haube bekrönt.

4. Kronenhenkel mit Engelsköpfen und Flügeln.

Außerdem fand ich bei den Glocken 2, 3 & 4 von E. Gebhard eine Gießermarke vor, die ebenfalls eine Neuentdeckung ist; somit sind mir nun zwischenzeitlich 3 unterschiedliche Gießermarken von ihm bekannt.
Diese enorme Vielfalt der Gebhard'schen Glocken, von der es sicherlich noch viel zu entdecken gibt, gründet auf die örtlichen Gegebenheiten von Kempten:
Der am 20. März 1900 geborene Engelbert Gebhard erwarb 1929 die Glockengießerei Andreas Hirt(h) und ein Jahr später die Gießerei der Zweigstelle Ulrich/Apolda. Es ist naheliegend, dass nicht nur die verschiedenen Rippen und Model dieser beiden Gießereien auf Gebhard übergingen, sondern evtl. auch noch Glockengießer-Inventar von Theodor Wolfart, der von 1857 bis 1906 in Kempten Glocken goss, sowie Material einer Kleinglockengießerfirma, die ebenfalls von 1816 bis 1887 in Kempten bestand und deren Gießer allesamt aus Häselgehr in Tirol abstammten; es waren dies: Raimund & Johann Lechleiter, Alois Singer, August Schwarz und ein gewisser Uelses.

Glocke 1:
H° - 2500 kg.

1. Flankenrelief: Die hl. Justina mit der Märtyrerpalme in der Hand und dem Einhorn zu ihren Füßen.
(Die hl. Justina starb als Jungfrau und Märtyrin um das Jahr 203 in Padua. Das Einhorn, als Symbol für das Gute und der Jungfrau, wurde im Mittelalter auch zum Zeichen für Maria)

Inschrift: HEILIGE JUSTINA. FÜHR NACH DEN TAGEN DER STÜRMENDEN ZEIT EINST UNS ZUR KRONE DER SELIGKEIT

2. Flankenrelief: Jesus neigt sich am Kreuz einem Soldaten zu, der gebeugt und mit gesenkter Fahne darunter steht.

Inschrift: HELDEN EUCH ALS TOTENKLAGE SEI MEIN LIED GEWEIHT


PLENUM FOLGT!

Mein herzlicher Dank gebührt dem Herrn Pfarrer, sowie der Aushilfsmesnerin und deren Gatten.

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