Die meisten Wanderer gehen an den klaren Bergbächen des Nationalparks Bayerischer Wald achtlos vorüber. Dabei spielt sich quasi vor ihren Augen oft Dramatisches ab: Viele kleine Tiere wie Käfer, Krebse, Fliegenlarven, Schnecken, Würmer, Spinnen etc. liefern sich immer wieder spannende Kämpfe um Beute oder den passenden Lebensort. Bei fließendem Wasser ist sprichwörtlich alles im Fluss, das Geschehen ändert sich von Sekunde zu Sekunde. Im ständigen Wettbewerb um die Ressourcen können zunächst Gewinner im nächsten Augenblick wieder verlieren. Meist nutzen die Kleintiere aber auch Fähigkeiten und Tricks, die ihnen die Natur im Laufe der Jahrmillionen alten Entwicklung zur Verfügung stellte:
Die Larven der Köcherfliegen (Trichoptera) bauen mit Hilfe einer Drüse mit „Unterwasserkleber" aus kleinen Holzstückchen und Steinchen kunstvoll einen Köcher zusammen, in dem sie ihr empfindliches Hinterteil (Abdomen) oder bei Rückzug in diese Röhre ihren ganzen Körper vor Fressfeinden schützen können.
Eine spezielle Familie sind die Bachflohkrebse: Als in Bächen und Flüssen lebende Allesfresser (z.B. Falllaub) haben sie hin und wieder Appetit auf tierische Kost. Dabei sind eiweißreiche Chitin-Hüllen,
die von Häutungen der eigenen Art oder anderer Insekten stammen, eine heiß begehrte Nahrungsabwechslung.
Wasserkäfer (Hydrophilidae), die über ihre Tracheen (=Lungensystem der Insekten) Luft atmen, müssen zu lebenswichtigen Sauerstoffversorgung an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Über eine feine wasserabstoßende Behaarung an der Bauchseite werden eingeholte Luftblasen bis zum Ende der Flügeldecke geleitet, wo sie als mitgeführter Sauerstofflieferant dazu dienen, den Aufenthalt unter Wasser verlängern zu können.
Im Video wird der Kampf zwischen einem schon etwas größeren Bachflohkrebs (Gammarus pulex), der eine leere Larvenhülle verspeisen will, mit einem Wasserkäfer gezeigt, der auch an dieser Larvenhülle Geschmack gefunden hat. Der Käfer-Räuber, der dem Bachflohkrebs (-er atmet mit Kiemen-) die Beute entrissen hat, wird vom Bachflohkrebs verfolgt. Der Bachflohkrebs versucht dem Räuber wieder den begehrten Leckerbissen zu entreißen. Er attackiert sogar den Käfer selbst. Doch es hilft nichts: Eine kräftige Wasser-Strömung versetzt den Käfer mit der entrissenen Beute in unerreichbare Entfernung.
Musik: Josef Rheinberger (1839-1901): Ausschnitte aus „Improvisation über Motive aus Mozarts Zauberflöte" (1860); Piano: Hanns Steger
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Übrigens: Der Nationalpark Bayer. Wald gehört zu den Nationalen Naturlandschaften, eine Initiative von EUROPARC Deutschland.
Tolles Video. Was mich wundert ist, dass Insekten in dem wahrscheinlich kaltem Wasser so bewegungsfähig sind. Dachte mir eigentlich immer, dass Insekten und Reptilien bei Kälte fast bewegungsunfähig werden, da sie ja exotherm sind.
artfantasies 6 months ago