Düsseldorf Die einsamen, frustrierten Menschen, die an manchem Spätsommertag stundenlang einzelnen Blättern mit ohrenbetäubenden Maschinen hinterherblasen - man hat sich an derlei Absurditäten gewöhnt, seitdem abertausende von Arbeitslosen zu sinnlosen 1-Euro-Jobs abgestellt werden. Die Stadt Düsseldorf ist jetzt einen Schritt weitergegangen: „Da früh entlaubende Parkbäume das Landschaftsbild empfindlich stören und damit möglicherweise den touristischen Zufluß beeinträchtigen, haben wir uns entschlossen, das abgefallene Laub durch Hilfskräfte am Baumwerk wieder anbringen zu lassen, so ein Vertreter des dortigen Grünflächenamtes. Was wie ein Scherz klingt, ist für viele Düsseldorfer Hartz-IV-Empfänger bereits bittere Realität geworden. Nicht weniger als 8.000 Parkbäume sollen bis Mitte November „belaubt werden. Derzeit kann man in beinahe jeder Parkanlage der Landeshauptstadt Menschen beobachten, die frisch gefallenes Laub aufsammeln, um es - ausgerüstet mit „Anheftungsgeräten, Baumlisten und Arbeitskleidung - an den Zweigen und Ästen der Bäume wieder anzubringen.
Ein Karnevalsscherz munkeln die einen, ein menschenentwürdigender Skandal rufen die anderen. Doch was sagen die Betroffenen selbst dazu? Sascha D., 29 Jahre alter Langzeitarbeitsloser aus Oberbilk, nimmt es gelassen: „Das ist immer noch besser, als den ganzen Tag vor der Glotze zu hängen. Ich bin an der frischen Luft und verdiene mir noch den einen oder anderen Euro dazu. Was solls?, meint er lakonisch, während er Eichenblätter an einen Kastanienbaum tackert.
Ganz anders sieht das Günther S. Der 42 Jahre alte Schweißer fühlt sich betrogen: „Seit zehn Tagen plage ich mich von Baum zu Baum, tackere bis zu 700 Blätter an. Ich frage mich langsam, was der Schwachsinn eigentlich soll. Die fallen spätestens in sechs Wochen sowieso wieder ab!
Bis zu einer Asthöhe von 3,50 m sollen grobflächig Blätter so angebracht werden, daß für den Spaziergänger der Eindruck entsteht, der Herbst stünde erst noch bevor. „Manche Parkbäume haben die Eigenschaft, bereits Mitte September in erheblichem Maße zu entlauben. Das stört nicht nur das Gesamtbild unserer Parks, das abgefallene Laub kann Radfahrer und Skater gefährden, so ein Sprecher des Grünflächenamtes. „Die bisherige Entfernung des Blattgutes mithilfe von Blasevorrichtungen halten wir für keinen zeitgemäßen Weg der Stadtverschönerung. Die Umweltbilanz spricht eine eindeutige Sprache, es verunreinigt die Luft mit Feinstaub, ist laut und es entstehen erhebliche Kosten. Mit der Anheftung des Laubes an seine Ursprungsbäume wird der Gedanke der Nachhaltigkeit unterstrichen, so der Düsseldorfer Beamte.
Mißmutig tackert Günther S., von seinen Kollegen liebevoll „Wolli genannt, Eichenlaub, Eberesche und Kastanien an die kargen Äste einer Roßkastanie. „Mir ist sowas von egal, ob das zusammengehört. Die Spaziergänger werden das ja wohl nicht überprüfen, raunt der übel gelaunte Stadtverschönerer. Dauernd qualmt ein Glimmstengel in seinem Mundwinkel. Es ist 14.00 Uhr und Günther hat erst fünf Bäume belaubt. „Wenn das so weitergeht, dreh ich noch durch. Was die sich dabei denken, na ich weiß nicht. Wenn er die Arbeit verweigert, verliert er automatisch den Anspruch auf städtische Unterstützung. „Das ist doch DonQuichotterie, staatlich verordnet. Abends hab ich Schwielen an den Händen von dem doofen Rumgetackere. Und unbedingt schöner sieht das auch nicht aus. Ob die Bevölkerung auf die umstrittene Maßnahme wohlwollend reagieren wird, muß sich jedenfalls erst noch zeigen.
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Mit welcher Kamera wurden die Aufnahmen gemacht? Sehr gut.
Maldoror123 2 years ago 2
Die Kamera bediente eine gewisse Hannelore Kraft aus Düsseldorf. Sie benutzt eine Arriflex 300, manchmal auch eine Eclair NPR. In diesem Fall wurde mit einer Arriflex gedreht.
SchmittGeorg 2 years ago