Animation - USA | Laufzeit: 101 min. | Verleih: Universal | Dt. Start: 30. Juli 2009
Als Lewis Carroll 1865 „Alice im Wunderland schrieb, hatte er vor allem eine Kindergeschichte im Sinn. Und doch nahm er mit seiner Erzählung intuitiv vorweg, was zur Dämmerung der Psychoanalyse um die Jahrhundertwende eine neue Phase menschlicher Selbstwahrnehmung einläuten sollte: die These des Unbewussten. Seine Fantasie des kleinen Mädchens, das durch einen Kaninchenbau in die Urgründe der eigenen Seele eintaucht, reicht mit ihrem Spagat zwischen Märchen und LSD-Trip weit über die Kinderzimmer hinaus und gilt inzwischen als eigenes, nahezu mythisches Kunstmotiv. Carrolls Roman wurde seit dem gleichnamigen Stummfilm von 1903 nicht bloß gefühlt zahllose Male adaptiert, sondern ebenso frei interpretiert so etwa in Guillermo Del Toros Pans Labyrinth oder Terry Gilliams Tideland. Mit „Coraline erliegt jetzt auch Henry Selick (Nightmare Before Christmas) der ungebrochenen Faszination des Stoffes. Als ergiebiger Inspirationsquell diente ihm eine Romanvorlage der Fantasy-Koryphäe Neil Gaiman. Dank fabelhafter Optik, einem präzisen Erzählstil und surrealem Gruselflair ist Selick ein Stop-Motion-Meisterwerk gelungen, das keinen Vergleich im großen Kosmos Alice-affiner Werke zu scheuen braucht. Besonders genial: „Coraline lädt sein erwachsenes Publikum neckisch dazu ein, die eigene Adoleszenz-Erfahrung aufzusuchen.
Die 11-jährige Coraline ist stinksauer. Nicht bloß musste sie ihre Freunde in der Stadt zurücklassen, nein! In der Einöde um das alte Landhaus, das ihre arbeitswütigen Autoren-Eltern zur ungestörten Fertigstellung eines eiligen Kataloges bezogen haben, hat sie bald jeden Stein umgedreht und langweilt sich zu Tode. Daran ändert auch der ohne Punkt und Komma daherplappernde Nachbarsjunge Wybie nichts. Als Coraline aber einer kleinen Maus hinterherjagt, stößt sie mitten im Anwesen auf eine Geheimtür und schlüft abenteuerlustig hindurch. Auf der anderen Seite erwartet sie die Welt, wie sie sein sollte: Eine „andere Mutter, die die tollsten Speisen auf den Tisch zaubert, ein „anderer Vater, der einen ganzen Garten zum gewaltigen Coraline-Porträt umgestaltet, und ein „anderer Wybie, der endlich mal die Klappe hält. Dass diese „Anderen Knöpfe anstelle der Augäpfel tragen, fällt da erstmal kaum ins Gewicht. Solange zumindest, bis das begeisterungstrunkene Mädchen auf einen sprechenden Kater trifft, der ihr konspirative Warnungen zuraunt. Was es damit auf sich hat, wird schlagartig klar, als ihre „anderen Eltern ihr ein Geschenk machen. Der Inhalt? Nadel, Faden und zwei schwarze Knöpfe...
geile grafik :D
MiyaviFan99 2 years ago