Picco - Kinostart: 3.2.2011.
Prädikat: "Besonders wertvoll". FBW-Jurybegründung:
Vielleicht weniger das Leben an sich als mehr das gesellschaftliche Leben in einer Sonderstellung, einer "Enklave" ... Die Sprache der Liebe übersetzt in eine Sprache der Gewalt. Die Sprüche auf den Wänden der Jugendvollzugsanstalt signalisieren es in ihrer verkürzten Poesie: "In this house you have only one friend, yourself."
Kevin ist ein Neuankömmling in der JVA. Er muss sich bewähren. Andy, Marc und Tommy, die Mitinsassen seiner Zelle, dominieren die kargen Abläufe. Offensichtlich herrscht eine strenge Hierarchie. Selbst die Träume sind Angebot eines internen Wettbewerbs: Hauptsache weg. Richtig feiern. Einen wegstecken. Wovon träumst du, Picco? Das scheint die Bezeichnung für die Neuen. Kevin will ins Kino. Das ist kein großer Wunsch. Er muss mehr von sich preisgeben. Wie hat er es mit seiner Freundin getrieben?
Sie erörtern Details. Aus den Gitterfenstern geworfene Papierflugzeuge werden an einem Faden zurückgezogen. Die Symbolik ist ebenso wenig verschlüsselt wie die der täglichen Formen der Erniedrigung und Provokation. In der Nacht lässt ein schreiender Häftling am Fernster die Inhaftierten nicht schlafen. Ein "Fensterrambo". Eine Psychologin nennt es "Erziehungsvollzug": Alles sei Teil der Bestrafung. Doch Kevin hat Furcht, dass er die Demütigungen nicht durchhält. Er freundet sich mit Tommy an, der sich seinerseits entsprechend durchsetzen musste.
Juli, ein Inhaftierter aus einer anderen Zelle, wird in der Wäscherei von einem Mitgefangenen vergewaltigt. Für die anderen ist Juli eine "Schwuchtel". Bibelzitate aus der Offenbarung kommentieren die beklemmende Atmosphäre: "Und er tat den Brunnen des Abgrunds auf, und es stieg auf ein Rauch ... wie der Rauch eines großen Ofens, und es wurden verfinstert die Sonne und die Luft ... Und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde, und ihnen wurde Macht gegeben, wie die Skorpione auf Erden Macht haben."
"Mit Worten tu ich der Seele weh", sagt ein Inhaftierter, als dürfe man nicht mehr über das sprechen, was passiert. Das Leben in der JVA ist eintönig. Ein Kicker im Gemeinschaftsraum. Gelegentlich ein Video. Sie kiffen. Als Marc ein Video von der Freundin bekommt, will er es allein sehen. Seine Freundin und ihr Neugeborenes. Eine Rührung in seinem kalten Gesicht. Das ist das Draußen.
Kevin erfährt in einer Besuchssituation schmerzlich, dass seine Freundin sich von ihm abwendet. "Wenn meine Eltern mich erwischen ... ich kann nicht mehr kommen." Aus seiner Trauer wird Zorn. Beim Fußballspiel schlägt er einen Mitspieler zusammen. Und in der Zelle behauptet er sich nunmehr brutal und aggressiv gegen Tommy. Tommy wird zum Underdog. In der Nacht hören sie, wie Juli sich umbringt - oder umgebracht wird.
Akustisch wird der Ausbruch der Gewalt in der eigenen Zelle vorbereitet. Tommy ist jetzt "Opfer". Ein sehnsuchtsvoll von ihm erwarteter Brief wird verbrannt, ohne dass er ihn lesen kann. Das bisschen Privatleben, das sich in seinem Spind verbirgt, wird ihm genommen. "Häng dich weg, du Pisser", heißt es in der Nacht, in der die Gewalt in der Zelle eskaliert. Sie schlagen und foltern ihn.
Die Mitglieder der FBW-Jury äußern sich berührt und betroffen: "Bittere Wahrheiten! Sehr präzise. Sehr stimmig." Die Längen des Films und kalten Farben sind beabsichtigt. Das Geschehen wird mit dokumentarischer Genauigkeit vermittelt. Jugendgewalt und ein unbeholfen scheiterndes Vollzugssystem werden mit bedrückenden Einstellungen bloßgelegt. Die Kritik an der Institution und den vorhandenen Gewaltpotenzialen innerhalb der Gesellschaft ist nicht zu übersehen.
Einige Juroren fragen sich, ob der Regisseur Philip Koch nicht auch ein Szenarium anthropologisch angelegten Miteinanders geschaffen habe, ein Szenarium, in dem die Grenzen zwischen existenzieller und essenzieller Gewalt verwischen. Doch nicht nur angesichts des auf wahren Begebenheiten beruhenden Films bleibt diese Überlegung fragwürdig ...
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Originaltitel: Picco
Filmdrama, DE 2010
Filmverleih: movienet Filmverleih
Filmlänge: 105 Minuten
FSK-Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Kinostart (DE): 3.2.2011
Schauspieler/Darsteller: Constantin von Jascheroff, Joel Basman, Frederick Lau, Marin Kiefer, Leonie Benesch, Rainer Bock u.a.
Regisseur: Philip Koch
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komm freddy ..bus bauen!
aloahaheyox 1 year ago 19
ohaa wie doof 1:46 ich finde das von dem jungen beseuert !.... iii der junge hinten was er da macht NEINN
medie3000 1 year ago 12