I. Der stürmische Morgen -
II. Täuschung -
III. Muth! -
IV. Der Wegweiser -
V. Der Leiermann -
Peter Schreier, Tenor -
Sviatoslav Richter, Klavier -
Dresden - 1985
Bildmaterial: Caspar David Friedrich 'the Great' :-)
Texte von Wilhelm Müller [1794 - 1827]
Der stürmische Morgen
Wie hat der Sturm zerrissen
Des Himmels graues Kleid!
Die Wolkenfetzen flattern
Umher in mattem Streit.
Und rote Feuerflammen
Ziehn zwischen ihnen hin:
Das nenn ich einen Morgen
So recht nach meinem Sinn!
Mein Herz sieht an dem Himmel
Gemalt sein eignes Bild -
Es ist nichts als der Winter,
Der Winter kalt und wild!
Täuschung
Ein Licht tanzt freundlich vor mir her,
Ich folg' ihm nach die Kreuz und Quer;
Ich folg' ihm gern und seh's ihm an,
Daß es verlockt den Wandersmann.
Ach, wer wie ich so elend ist,
Gibt gern sich hin der bunten List,
Die hinter Eis und Nacht und Graus
Ihm weist ein helles, warmes Haus
Und eine liebe Seele drin -
Nur Täuschung ist für mich Gewinn!
Muth!
Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl' ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing' ich hell und munter.
Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren,
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Thoren.
Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter!
Der Wegweiser
Was vermeid' ich denn die Wege,
Wo die andern Wandrer gehn,
Suche mir versteckte Stege
Durch verschneite Felsenhöhn?
Habe ja doch nichts begangen,
Daß ich Menschen sollte scheun -
Welch ein törichtes Verlangen
Treibt mich in die Wüstenein?
Weiser stehen auf den Straßen,
Weisen auf die Städte zu,
Und ich wandre sonder Maßen
Ohne Ruh und suche Ruh'.
Einen Weiser seh' ich stehen
Unverrückt vor meinem Blick;
Eine Straße muß ich gehen,
Die noch keiner ging zurück.
Der Leiermann
Drüben hinter'm Dorfe
Steht ein Leiermann,
Und mit starren Fingern
Dreht er, was er kann.
Barfuß auf dem Eise
Wankt er hin und her;
Und sein kleiner Teller
Bleibt ihm immer leer.
Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an;
Und die Hunde brummen
Um den alten Mann.
Und er läßt es gehen
Alles, wie es will,
Dreht, und seine Leier
Steht ihm nimmer still.
Wunderlicher Alter,
Soll ich mit dir gehn?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier drehn?
A great artistic pairing produce a great performance. Schreier never colours or 'over-inteprets' to the detriment of the vocal line but he interprets nonetheless! I once heard him perform this live ... but not with Richter! I also enjoyed the artwork of Caspar David Friedrich the Great (and the snow effect!).
paulprocopolis 11 months ago
The same here, I heard him live in the 80´s with 'Winterreise', accompanied by Norman Shetler, by comparison a pianist 'without detriment' for Sviatoslav Richter. ;))
berlinzerberus 11 months ago