desertec 3sat/Kulturzeit 07.12.2009

Loading...

Sign in or sign up now!
Alert icon
Upgrade to the latest Flash Player for improved playback performance. Upgrade now or more info.
3,193
Loading...
Alert icon
Sign in or sign up now!
Alert icon

Uploaded by on Dec 8, 2009

Energie aus Afrika
Das Solarprojekt Desertec
Mit dem Solarprojekt Desertec will die Großindustrie schon bald alle Probleme unseres Energiebedarfs lösen. Afrikas Sonne soll die Rettung sein. Über Parabolspiegel aus der Sahara soll in einem gigantischen Sonnenpark Energie von Afrika nach Europa fließen. Eine geniale Idee ohne Nebenwirkungen?
Der alternative Nobelpreisträger Hermann Scheer warnt vor Desertec. "Von der Idee her ist dabei die Konzentration von Kapital in ganz wenigen Händen angelegt, bei wenigen Förderländern, bei wenigen großen, längst internationalen Energiegesellschaften", sagt Scherr. "Da es ohne Energie nicht geht, bedeutet das die existentielle Abhängigkeit der Zivilisation von ganz wenigen Lieferanten."

Gefräßigkeit im Umgang mit Ressourcen
Wie selbstverständlich haben wir uns daran gewöhnt, dass uns Energie ständig und im Überfluss zur Verfügung steht. Und wir wissen auch, dass wir uns unsere Gefräßigkeit im Umgang mit endlichen Ressourcen nicht mehr leisten können. Menschen anderer Länder benötigen für ihre Entwicklung ebenfalls Energie. Afrika wird als Entschädigung für ihre Sonnenenergie Geld angeboten. Aber ist es das, was sie am Nötigsten brauchen? Und in wessen Taschen werden die Gelder verschwinden? Die geografischen Planspiele von Desertec reichen bis in den Iran und Irak, die politisch wohl instabilsten Regionen der Welt.

"Es gibt auch den Vorwurf des Neokolonialismus", so der Industrie-Historiker Dirk van Laak. "Dagegen verwahrt sich eine Initiative wie Desertec sicher zu recht, denn das liegt in Niemandes Absicht und Interesse. Trotzdem lässt sich der Vorwurf nicht einfach beseite wischen. Die Vorbehalte beruhen auf langjähriger Erfahrung mit den Europäern, darauf, dass Afrika immer wieder für denjenigen gehalten wird, der etwas bekommt und etwas nimmt, statt jemand zu sein, der etwas gibt und etwas anzubieten hat, dem man vielleicht zuhört und von dem man etwas lernen kann. Diese Konstellation sehe ich durch Desertec noch lange nicht aufgebrochen."

Energie aus instabilen Regionen
Bevor das letzte Schlückchen Öl verbraucht ist, stehen die neuen Energie-Scheichs Siemens, Deutsche Bank, Münchner Rück und ein paar Energiegiganten wie EON bereit. Erstaunlich am Desertec-Projekt ist, dass die Sonnenenergie aus den selben politisch instabilen Regionen bezogen werden soll, wie bisher das Öl. Steckt dahinter ein Kalkül, diese Länder zwecks Energieversorgung auch in Zukunft nicht aus der politischen und vielleicht sogar militärischen Kontrolle zu entlassen? "Sie wollen an ihrer Struktur, an ihrer Energiemacht, die sie damit haben, über Regierungen und über ganze Gesellschaften, nichts ändern", sagt Hermann Scheer.

Für die Energiewirtschaft spielt es absolut keine Rolle, ob sie Braunkohle, Atomstrom oder Sonnenenergie vermarktet. Seit Beginn der Industrialisierung gab und gibt es immer wieder Großprojekte, die mit großen Heilsversprechen befrachtet waren. Nun sind alle Probleme für immer gelöst. Diese Versprechen erinnerten und erinnern mehr an Gottesdienste. Es geht um Glauben und Begeisterung für das Überdimensionale, statt um Wissen und vor allem Erfahrung. "Daran krankt der Gebrauch der europäischen Infrastrukturen in Afrika bis heute", so van Laak. "Dass es zwar Eisenbahnlinien gibt und Staudämme, dass sie sich aber nicht dem afrikanischen Leben anpassen, sondern erwarten, dass sich die Afrikaner europäisch verhalten. Dazu muss man gar keine Macht von außen und über das Militär ausüben, sondern die ganze Erwartung und Vision der europäischen Wirtschaft und des europäischen Systems liegt in den Technologien selber."

"Koalition der Aufschieber"
Afrikaner werden durch europäische Eingriffe nicht zu schwarzen Europäern. Das zeigte schon die Niederlage der bisherigen Form der Entwicklungshilfe. Und schon aus diesem Grunde sollten Politiker ihre Unterstürzung für Desertec überdenken. Unisono sind alle vom Saharastrom entzückt. Am meisten die Grünen, die mit Desertec ihre Visionen Realität werden sehen und noch glauben, dass "die Sonne keine Rechnungen schreibt". "Es ist die Koalition der Aufschieber und die Koalition der Weitermacher, die sich für das Desertec-Projekt interessieren", so Scheer, "und die Faszination des Großprojektes ausnutzen wollen, und der Gesellschaft signalisieren: 'Wir haben die Entwicklung schon im Griff. 'Wir sind die Richtigen. Wir sind die Geeigneten. Wir sind Diejenigen, die das machen." Jede Erfahrung in allen Energiekonflikten der letzten Jahre widerspricht dem."

Solche Strukturen von Abhängigkeit können wir erst verlassen, wenn wir zum Beispielausgerechnet von den Afrikanern lernen würden, wie man sinnvoll mit Energie umgeht. Wenn nicht, werden wir uns noch wundern, wie die Rechnungen ausfallen werden, die uns die Sonne schreibt.

Category:

News & Politics

Tags:

License:

Standard YouTube License

  • likes, 5 dislikes

Link to this comment:

Share to:
see all

All Comments (2)

Sign In or Sign Up now to post a comment!
  • dass desertec nicht optimal ist, ist klar wie kloßbrühe. aber andere lösungen werden hier nicht angeboten. nörgeln kann jeder.

  • wenn desertec am misstrauen gegnüber den nordafrikanern scheitert... dann verlier ich den glauben an die menschheit.

    einmaliges investment von was...? 1 billion um aus parabolspiegelanlagen strom für europa westasien und afrika zu gewinnen ist lächerlich. scheitert die menschheit hier am geld? es ist jetzt schon technisch absolut realisierbar und hier stehen noch keine tausendschaften von ingenieuren und wissenschaftlern dahinter (siehe autoindustrie usw.)

Loading...

Alert icon
0 / 00Unsaved Playlist Return to active list
    1. Your queue is empty. Add videos to your queue using this button:
      or sign in to load a different list.
    Loading...Loading...Saving...
    • Clear all videos from this list
    • Learn more