Diese Melodie komponierte der zu seiner Zeit wohl populärste und einflussreichste deutsche Operetten- und Revue-Komponist Paul Lincke, für die Revue "Frau Luna". Musikalisch wird das Lied zwar als Rheinländer bezeichnet, es lassen sich aber schon deutliche Einflüsse der amerikanischen Ragtime-Musik erkennen. Die Aufnahme entstand 1904 in Berlin und ist quasi ein Unikat, wie die meisten Schallplattenaufnahmen dieser frühen Jahre, die heutzutage nur noch selten anzutreffen sind. Das darbietende Orchester steht unter Leitung von Bruno Seidler-Winkler, welcher wohl der deutsche Schallplatten-Pionier schlechthin ist und in den Anfängen der Schallplatte mit seinem Orchester zahlreiche große Künstler wie z.B. Otto Reutter oder Fritzi Massary begleitete. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand er als Dirigent vorm Aufnahmetrichter und durch seine fast 40jährige Erfahrung mit dem Medium Schallplatte, konnte er vor allem in den späten 30er Jahren die Aufnahmequalität der Electrola-Schallplatte revolutionieren. Er selber war zu dieser Zeit bereits bei den Nationalsozialisten in Ungnade gefallen. Er durfte zwar noch bei Electrola dirigieren (zu normalem Musiker-Gehalt) und vor allem die Anordnung und Aussteuerung der Instrumente überwachen, sein Name tauchte aber in den Kriegsjahren kaum auf Schallplatte auf. Und auch sein Gehalt, welches er zu dieser Zeit bei Electrola erhielt reichte kaum, um seine Familie finanziell über Wasser halten zu können, weswegen er auch oft seine Kinder als Musiker ins Orchester integrierte, um mit deren Einnahmen die Familie unterstützen zu können.
Den Refrain auf der Aufnahme singt ein anonymer Männerchor.
Nicht selten versteckt sich hinter einem Rheinländer, so wie hier eine schöne Ragtime bzw. Cakewalk Aufnahme.
Auch wenn die Anklänge an amerikanische Vorbilder noch recht verhalten sind, hebt sich diese Aufnahme deutlich vom volkstümlichen Rheinländer ab,
formiggini 9 months ago
@formiggini Besonders interessant ist natürlich auch die Zeit, in der diese Aufnahme entstanden ist, quasi im Premierejahr. Man hört nur selten Paul Lincke-Schlager in so authentischer Originalaufnahme ;-)
Plattensammler88 9 months ago