Spritze gegen Schlaganfall

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Uploaded by on Oct 20, 2011

Fraunhofer entwickelt neue Behandlungsmöglichkeit

Ein kleiner Riss oder ein blockierendes Gerinsel. Mit einer fatalen Wirkung. Die Blutzufuhr zum Gehirn wird unterbrochen. Es wird nicht mehr genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Ab jetzt sterben jede Minute 1,9 Millionen Nervenzellen und 14 Milliarden Synapsen ab. Mehr als 250.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall.

»Es gibt verschiedene Ursachen. Die mit Abstand häufigste ist, wenn ein Blutgerinsel eine hirnversorgende Arterie verschließt und dieses nachgeschaltete Gebiet von der Versorgung mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen abschneidet«, sagt Dr. Johannes Boltze vom Fraunhofer Institut für Immunologie und Zellbiologie.

Die Behandlungsmöglichkeiten für einen solchen Hirninfarkt sind begrenzt. Bisher wird das Gerinsel aufgelöst, um ein weiteres Absterben der Nervenzellen einzudämmen. Trotzdem bleiben irreversible Schäden, wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen.

Forscher des Fraunhofer Institut Leipzig entwickeln derzeit eine neue Therapiemöglichkeit für Schlaganfallpatienten. Die Idee: Eine einfache Injektion soll die Selbstheilungskräfte der Patienten aktivieren. Das ganze könnte folgendermaßen funktionieren: Aus dem Knochenmark wird ein Gemisch aus Stammzellen und Immunzellen entnommen. Dieses Zellgemisch wird dem Patienten anschließend injiziert. Die Zellen verteilen sich dann im ganzen Körper und bekämpfen die Nachwirkungen des Schlaganfalls.

»Es wird vermutet, dass die Zellen Entzündungreaktionen dämpfen können, die im ganzen Körper und im Gehirn ablaufen. Außerdem können bestimmte Formen des verzögerten Zelltodes gestoppt werden. Die Neuvernetzung von Nervenzellen kann angeregt werden und bestimmte Vernarbungsprozesse im Gehirn können so modifiziert werden, dass die schützenden Faktoren dieser Vernarbungsprozesse überwiegen«, erklärt Dr. Boltze.

Wichtig: Nervenzellen können durch die Injektion nicht neu gebildet werden. Allerdings wird die Genesung insgesamt beschleunigt, wie Tierversuche gezeigt haben. Sichtbar wird dies am Beispiel einer Ratte, 14 Tage nach einem Schlaganfall. Die Koordination und das Sehvermögen sind deutlich beeinträchtigt. Ihr gelingt es nicht, die Stange zu überqueren. Im zweiten Versuch sehen wir eine Ratte, der das Zellgemisch injiziert wurde. Sie schafft es nahezu mühelos über den Balken zu balancieren. Warum das Verfahren funktioniert, wissen die Forscher selbst nicht. Klar ist nur: »Was das Verfahren nicht können wird, ist, die Folgen eines Schlaganfalls komplett auszuschalten. Wir hoffen aber, dass wir ein Instrument geschaffen haben, was bereits gängige und erfolgreiche Verfahren wirkungsvoll ergänzen kann«, so Dr. Boltze.

Das wichtigste bleibt aber, den Schlaganfall frühzeitig zu erkennen und sofort einen Notarzt zu verständigen. Denn nur dann ist eine erfolgreiche Behandlung möglich, wie Dr. Boltze erklärt:

»Absolut wichtig ist, dass man die Symptome kennt. Das sind Sprachstörungen, Ausfälle der Sensibilität im Wahrnehmungsempfinden, Berührungsempfinden, motorische Störungen, plötzliche Blindheit, Sehstörungen. Das sind alles Warnzeichen für einen Schlaganfall. Dabei muss ein Schlaganfall noch nicht einmal weh tun wie ein Herzinfarkt.«

Die erste Testphase für die neue Behandlungsmethode ist mittlerweile abgeschlossen. Nun folgen Versuche am Menschen. Hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist, sich als Proband zu melden.

»Bis das ganze überhaupt routinemäßig eingesetzt wird, ist sicherlich mit einer weiteren Zeitspanne von fünf bis zehn Jahren zu rechnen«, macht der Forscher vom Fraunhofer Institut deutlich.

Und selbst dann kann das Verfahren nur innerhalb der ersten 24 bis allerhöchstens 72 Stunden angewandt werden. Das wichtigste bleibt also: Schlaganfall frühzeitig erkennen und sofort Notarzt rufen. Nur dann können kostbare Nervenfasern vor dem Zelltod bewahrt werden.

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Science & Technology

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