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Guido Westerwelle - Wenn Dummheit gefährlich wird

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Uploaded by on Feb 16, 2010

Endlich wissen wir also, wie das Imperium Germanicum sterben wird. Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender, Außenminister und jetzt offenbar auch Teilzeit-Historiker, hatte eine Horrorvision vom Ende deutscher Größe. Er teilte sie in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Die Welt" mit: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein."
Gerichtet war dieser Kassandra-Ruf an alle, die jetzt höhere Hartz-IV-Sätze fordern. Das Bundesverfassungsgericht hatte der Politik am Mittwoch eine schallende Ohrfeige verpasst: Die Regelsätze für Kinder von Hartz-IV-Empfängern müssen neu berechnet werden.
Westerwelle vermutet also spätrömische Dekadenz in Deutschland und macht indirekt Hartz-IV-Empfänger dafür verantwortlich. Da darf man sich schon mal besorgt fragen: Welche apokalyptischen Szenen mag Westerwelle der Seher vor seinem inneren Auge erblickt haben? Enthemmte Hartz-IV-Horden, die sich für ihren Regelsatz von 359 Euro kistenweise Aldi-Schampus kaufen? Und die dann auf ihren Third-Hand-Sofas aus dem Caritas-Möbellager wilde Orgien feiern, bei denen ganz neue Almosenempfänger-Generationen gezeugt werden?
Man muss kein Populist sein, auch kein Anhänger der Linkspartei, ja man muss nicht einmal finden, dass die Hartz-IV-Sätze zu niedrig sind, um Westerwelles so warnende Worte als das zu sehen, was sie sind: Eine historisch unhaltbare, perfide, aus rein politischem Kalkül betriebene Beleidigung des schwächsten Teils der deutschen Bevölkerung.
Wenn Westerwelle über spätrömische Dekadenz in Deutschland reden will, sollte er über andere Menschen reden als Hartz-Empfänger - doch dann müsste er seine eigene Klientel beleidigen. Die Historiker sind notorisch zerstritten, wenn es um die Frage geht, wie das Römische Reich im Orkus der Geschichte verschwinden konnte. Die Invasion der Barbaren aus dem Norden und die ständige Bedrohung durch das Persische Reich im Osten stehen relativ weit oben auf der Liste, auch der Aufstieg des Christentums mag das römische Staats- und Gesellschaftswesen unterminiert haben.
Nur in einem sind sie sich ziemlich sicher: Wenn da etwas richtig faul war im Staate Rom, dann die intellektuell korrumpierte und luxussüchtige Elite. Also das eine Prozent der Bevölkerung, das alle Reichtümer Roms unter sich aufteilte - aber ganz sicher nicht die verarmte Unterschicht.
Guido der Seher hätte also von materieller Dekadenz in Deutschland sprechen können, über die Banker zum Beispiel, die nach einer Krise, an deren Folgen die ganze Welt leidet und die sie maßgeblich verantwortet haben, nun fette Boni einstreichen. Und er könnte - ohne dem Stammtisch das Wort zu reden - auch vom lebensfernen Dasein der Berliner Classe Politique berichten, von fahrbereitschaftlich zur Verfügung gestellten Luxuskarossen, von Empfängen und Anlässen, bei denen Büffets aufgetürmt sind, so reichlich bestückt, das noch jedem Hartz-IV-Empfänger der Magen übergehen würde.
Aber Westerwelle ist Chef einer Partei der Besserverdienenden, einer Elitenpartei. Und einer FDP, die - und hierin steckt womöglich der größte Affront - derzeit zumindest nach außen hin als intellektuell verkommen erscheint. Sie betet den Liberalismus als Glaubensbekenntnis herunter, nur um gleichzeitig ihrer Klientel großzügige Staatsgeschenke zu überreichen, die jeder liberalen Marktlogik widersprechen.
Statt sich um das Gemeinwohl zu sorgen, schaufelten sich die Machthaber im alten Rom mit Luxus zu und garnierten diese Selbstversorgung auf Kosten der Allgemeinheit mit wohlfeilen Worten. Der Verfall des Staates ging einher mit einem Verfall der Sitten und dem Verrat an einem Mindestmaß an intellektueller Redlichkeit - so nahm das Ende des Imperiums seinen Anfang.
Wenn man sich also der berühmt-berüchtigten Anfänge erwehren will, wenn es also in Deutschland tatsächlich eine Dekadenz geben sollte, über die man jetzt dringend reden müsste, dann ist es die des Geistes, die in Guido Westerwelles Worten ihren schamlosen Ausdruck gefunden hat.

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News & Politics

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Top Comments

  • Im Grunde hat der Westerwelle recht. Wer arbeitet muss mehr haben als derjenige der nicht arbeitet.

    Ich denke da sind sich alle einig.

    Sein Fehler ist aber seine Art das verwirklichen zu wollen. Die, die ganz unten sind, bekommen noch weniger - statt die Leute in Arbeit endlich mal wieder vernünftig zu bezahlen.

    Flächendeckender Mindestlohn - Ost wie West - muss her!

  • Dann sollen die mal gleich in den eigenen Reihen anfangen,Denn die wissen gar nicht was Arbeit ist.Scheiße labern kann jeder!

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All Comments (374)

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  • @TheAbisf Bestimmt keine 50 Stunden Woche und wenn doch, keine körperlich genauso harte, oder?

  • Also wenn Leute vollzeitlich arbeiten und davon nicht leben können ist es Sozialismus. Nein, diese Dummheit hätte ich dem Guido nicht zugetraut. Dass die gemeinsamen Cabriofahrten vorbei sind hat die Anela schon lange gemerkt. Muss sie doch immer öfter Kröten und Fliegen schlucken.

  • @Metamorphose1985

    Sein Fehler ist das er ein mit Wörtern um sich schmeißt die weder angebracht noch passend sind, was ihn zu einem Deppen der übergroßen Dimensionale macht.

    Was deinen Mindestlohn betrifft. Dass kann ich nur beschreiben mit "Fensterscheibe mit

    Klebeband reparieren". Der Kapitalismus ist ein wandelnder Untoter der unsere Gehirne frisst, darum ist der Westerwachser auch so dämlich, der lebt nämlich ganz nah an dem geschmolzenen Atomreaktor, den wir soziale Marktwirtschaft nennen.

  • @Metamorphose1985 und derjenige der aus gesundheitlichen gründen nicht arbeiten kann, wird mit demjenigen der nicht arbeiten will in einem topf geworfen. warscheinlich gibt es auch kaum so viele die nicht arbeiten wollen, sondern viele die keine arbeit bekommen.

  • @Astroesa

    Ha ha. Weißt du, was ein Politiker für einen Tag hat?

    Anscheinend nicht.

  • "Wer arbeitet muss mehr haben,als derjenige der nicht arbeitet. Das muss man in Deutschland noch sagen dürfen."

    Herr Westerwelle, glauben Sie allen ernstes Ihr Job ist Arbeit?

    Was produzieren sie eigentlich?

    Gesetzte ändern zugunsten der Hotelwirtschaft?

    Haben sie ihr Buch geschrieben als sie schon im Amt waren? Woher haben sie die Zeit dazu, oder geschah es in der Arbeitszeit?

    Politiker arbeiten nicht! Sonst würden sie nicht lügen und betrügen nur um im Amt zu bleiben!!

  • guido wester westerwelle ist ein arschloch! das muss man in deutschland noch sagen dürfen. alles andere is diktatur^^ wie sie mir so ich ihnen herr außenminister

  • 56 Leute sind FDPler! ach nee, so viele gibts ja gar nicht mehr...

  • Zitat aus einem Supermerkerl Podcast: "Westerwelle die späht römische Deka-dancingqueen

  • Herr Westerwelle arbeitet selbst nicht`s.

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