Ulrike Schwab - Würkmesse - Vincent´s LAB (Audio UT)

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Uploaded by on Nov 25, 2010

WÜRKMESSE op. 4 Nr. 7 Agnus Dei
ensemble improvisario
Leitung: Vincent Marvin Stefan
humorloser Sopran: Ulrike Schwab

Sadomasochistisches Requiem für schizophrenen Chor/totes Tier/humorlosen Sopran/einsame Planeten und elektronisches Band.

Schon gemeinsame Brechreize schaffen eine Art ausreichender Sympathie (Arno Schmidt)
Aus einem Interview mit Vincent Stefan und Falk Julius (August/November 2010)
Teil III

F. J.: Zu einer Messe gehören im Regelfall Solostimmen und Chor. In dem veröffentlichten AGNUS DEI hast Du für den SCHIZOPHRENEN CHOR eine Stimme einzeln aufgenommen und die einzelnen Spuren dann übereinander gelegt, wie begründest Du so ein Stilmittel? V. S.: Ich versuche, die einzelnen Elemente an ihren Grundbausteinen anzugreifen. Ein Chor besteht aus mehreren Menschen, also muss ich einen Chor schaffen, der aus einer Person besteht, einen KLONCHOR sozusagen, der die Masse nur suggeriert. Elias Canetti sagt: Innerhalb der Masse herrscht Gleichheit - das wollte ich ernst nehmen. Im Übrigen würde jede Aufführung das Original als fake entlarven. Wenn man im Urtext bereits Reproduktionsprozesse integriert, bleibt das Reproduzierte unreproduzierbar. Hierin sehe ich eine große Analogie zum Tod. Der Tod trifft für alle Menschen zu, aber keiner wiederholt ihn. Friedrich Nietzsches EWIGE WIEDERKUNFT DES GLEICHEN und Henri Bergsons Konzept der Unwiederholbarkeit liegt dabei vielleicht gar nicht so ein gravierender Unterschied zu Grunde. Wir trennen ja gern wahr und falsch, authentisch und fake, analog und digital, aber die Schnittstellen sind oft größer als es uns lieb ist. John Cages aleatorische Musik unterscheidet sich in seinem finalen Erscheinungsbild nicht großartig von dem musikalischen Material eines Arnold Schönberg. In meinen LIEDERN FÜR INTUITIVEN GESANG war mir ein Mitspracherecht der Singenden immer wichtig. Das ist das Großartige an Popmusik, deren Gesang fast immer eine unmittelbare Reaktion auf die Musik ist. Ich mag den Gedanken, die Singenden eine Stunde mit meiner Musik in einen Raum einzusperren. Aus diesem Material bastle ich dann zusammen, was mir gefällt. Das sind dann meist die theatralen Momente des Singens, die übrig bleiben, der Augenblick, bei dem sie zweimal Atem suchen, weil sie noch nicht wissen, wo sie hinwollen. F. J.: Aus diesem Grund ist der Klang der Samples des elektronisches Bandes also die einzige Konstante im Stück. Es beginnt und endet mit verfremdeten Samples, ausgenommen von kurzen Zäsuren. Andere Einflüsse waren aber zweifelsohne György Ligeti, aber auch die französischen Spektralisten um Gérard Grisey und vielleicht Morton Feldmann, in den Zäsuren [...]
(Ausschnitt)

http://vimeo.com/17262746

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