Uploaded by Hobbythekler on Jun 11, 2011
Gäste bei Wieland Backes
Behalten die Demografen recht, wird sich die Zahl der Alzheimer-Kranken bis 2050 verdreifachen. Gleichzeitig bietet die Medizin bisher nur wenig Hoffnung. Wir müssen lernen, mit dieser Krankheit zu leben -- als möglicherweise einmal selbst Betroffene und als Angehörige.
Deutschlands Gesundheitspolitiker haben bei der Versorgung lange auf die Angehörigen gebaut: 720 000 Demenzkranke werden derzeit zu Hause gepflegt. Viele haben aber auch keine Alternative. Ihnen fehlt das Geld für eine gute Heimunterbringung, häufig betreiben sie Selbstausbeutung bis zum Burn-Out.
Wie können wir unter diesen Voraussetzungen ein möglichst gutes Leben führen? Wie können wir lernen mit der Angst vor dem Verlust von Kompetenzen und dem gewohnten Lebensstil umzugehen?
Die Gäste
Alexander Wussow
Der Schauspieler Alexander Wussow fragt sich, warum ausgerechnet sein Vater Klausjürgen Wussow an Demenz erkrankte. Der Publikumsliebling aus der „Schwarzwaldklinik" war Zeit seines Lebens geistig und körperlich aktiv, umso schmerzhafter erinnert sich der Sohn an dessen rapiden Verfall. „Am Ende saß ich tagelang schweigend an seiner Seite. Es war sehr schlimm, diesen einst so vitalen Vater so hilflos zu erleben."
Prof. Hans Förstl
Der Demenz-Experte Prof. Hans Förstl vertritt die Meinung: „Jeder bekommt Demenz, wenn er nur alt genug wird." Dennoch warnt er vor Hysterie und besteht auf einen Unterschied zwischen normaler Vergesslichkeit und deren krankhafter Form. Auch wenn die Medizin bisher noch wenig Hoffnung bietet, in die Zukunft blickt der Forscher optimistisch: „In zwanzig Jahren wird man die Demenz mit einer Impfung vielleicht aufhalten können."
Helga Rohra
Eine mögliche Impfung kommt für Helga Rohra zu spät. Die 57-jährige bekam vor drei Jahren die Diagnose Demenz. Der Schock saß zunächst tief, doch die ehemalige Übersetzerin ließ sich nicht unterkriegen und kämpft seitdem aktiv gegen den wachsenden Zerfall ihres Gehirns an. „Die Diagnose ist nicht das Ende. Daher möchte ich anderen Betroffenen Mut machen."
Irmgard Karg
Für Irmgard Karg dagegen ist die Krankheit der blanke Horror. Seit fünf Jahren pflegt die 72-Jährige ihren an Alzheimer erkrankten Mann weitgehend alleine: Vom Zähneputzen am Morgen bis zum Umziehen am Abend. Neben der körperlichen Belastung ist für sie der seelische Schmerz das Schlimmste: „Er ist nicht mehr mein Mann und Gesprächspartner, sondern wie ein Kind."
Arno Geiger
Ganz anders erlebt es der preisgekrönte Schriftsteller Arno Geiger. Seit mittlerweile über zehn Jahren begleitet er seinen dementiellen Vater -- seine Beobachtungen veröffentlicht er nun in seinem neuen Roman. „Die dementiellen Menschen entwickeln sich nicht zurück, sie entwickeln sich anders", ist das Fazit des Österreichers. Mit dieser Einstellung schafft er es, trotz Fortschreitens der Krankheit, mit seinem Vater wertvolle Dialoge zu führen.
Gottlob Schober
Von katastrophalen Zuständen in deutschen Pflegeheimen dagegen berichtet Gottlob Schober. Der investigative Journalist recherchierte vor Ort und erlebte zum Teil den blanken Horror: Ans Bett gefesselte Menschen, mit Medikamenten ruhig gestellt; unter Druck gesetzte und überforderte Pfleger. Er klagt an: „Es ist abstrus, dass mit schlechter Pflege in Deutschland so viel Geld verdient wird."
Margit Hespeler
Eine Pflege der besonderen Art genießt dagegen der Tübinger Rhetorikprofessor Walter Jens: Margit Hespeler, eine resolute Bäuerin aus Mähringen, hilft rund um die Uhr, den mittlerweile schwer dementen Mann zu versorgen. Nachts schläft sie im Hause der Familie Jens, tagsüber nimmt sie ihn mit auf ihren Hof und verwöhnt ihn mit ihrem besten Käsekuchen: „Man muss für so einen Menschen drei Mal mehr Liebe haben, als für einen anderen!"
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Das Schicksal von Frau Rohra hat mich sehr bewegt.
War am 11.10.11 bei Markus Lanz. Bringt auch ein Buch raus,
was ich jedem nur ans Herz legen kann.
Damit unterstützt ihr sie. Sie hat den kompletten sozialen Abstieg hinter sich. :/
Wo ist der Staat.... man ist abgeschrieben.... Mein Mitgefühl.
IronManArkadius 4 months ago
gealtert ist und es ab da wohl nur noch bergab ging ... Das ist schon wirklich tragisch (auch wenn er sicher, teilweise, auch mit Schuld daran war). Vermutlich war er vielleicht sehr sensibel (im besten Sinne) gemeint und ist mit einigem vielleicht nicht zurecht gekommen. Aber das sind nur meine Gedanken, wenn ich das so höre.
TheMollie1 6 months ago
Was sein Sohn das sagte, über die psychische Seite. Das war etwas, worüber ich auch schon, einige Male (rein spekulativ) nachgedacht hatte. (Wegen der Trennung von seiner zweiten Frau und die nächste Ehe, die dann nicht glücklich verlief. Und dass die zweite Ehefrau wahrscheinlich (vielleicht auch seine einzige grosse Liebe) war ... und das es zu spät war, als er das erkannte und das er sich davon nicht wieder erholt hat. ... Es fällt auch auf, dass er, ab den 90er Jahren rapide abgebaut hat ...
TheMollie1 6 months ago
@digitalstonemason, wie es in einem Liedtext von Peter Maffay heißt "... Und du lachst, wo's nichts zu lachen gibt. Dann hat der Teufel über uns gesiegt!"
Gerade bei so einem ernsten und traurigem Thema. Vielleicht, nächstes Mal, erst nachdenken, dann dumme Bemerkungen machen ...
TheMollie1 8 months ago
01:15:10 Krasser schwäbischer Dialekt!
digitalstonemason 9 months ago