Christliche Selbst-Mystik (zwei Lieder)

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Uploaded by on Oct 23, 2008

LIED DER ICH-STUFEN
Text und Aufnahme: Herbst 1969
Melodie: Vermutlich von Gaetano Donizetti (1834)

1) Drüben rauscht brav die Autobahn,
hier funkeln goldne Zweige.
Trau dich, mein Herz, und steige
heim in dein blaues Reich!
Schon viele hat der Herbst beglückt,
die meisten sind zerronnen - doch
ICH habe nie begonnen
und höre nimmer auf.

2) Weil DU mich willst, drum darf ich sein.
DIR hab ich mich zu danken.
Eines in allen Schranken,
weiß ich mich dort wie hier.
Als Wal und Reh und Marspilot
kenn Schmerzen ich und Wonnen, denn
ICH habe nie begonnen
und höre nimmer auf.

3) Ich bin DEIN schönes Spiegelbild,
in mir willst DU DICH sehen:
es kann nicht anders gehen
als dass DU mich erzeugst.
Die Liebe hat von Ewigkeit
den Partner sich ersonnen - ja
ICH habe nie begonnen
und höre nimmer auf.

4) ICH bin der Anfang und das Ziel.
MEIN- Denken schafft die Zeiten:
aus allen Möglichkeiten
wähl ICH MIR Spiel um Spiel.
Und keins davon vergess' ICH mehr,
und jedes wird gewonnen - denn
ICH habe nie begonnen,
und höre nimmer auf.

Eine Deutung (für hier zu lang) siehe:
www.stereo-denken.de/selbstmystik-lieder.htm
[bitte den Punkt vor "htm" nicht kopieren sondern neu schreiben, sonst klappt's nicht!]

ALLE SAGEN "ICH"

Soviel Milliarden haben gewartet
und sich gewundert wie du und ich.
Andre Milliarden werden es schaffen,
wie wir sich wundern, nach uns vergehn.
Alle sind anders, alle genauso,
damals in Höhlen, bald auf dem Mars.
Was soll das Ganze? Wundre dich weiter.
Trau deiner Sehnsucht. Sei mit dabei.

Jene Milliarden sind keine Fremden.
Jeder und Jede, alle warst du.
Und die noch kommen, leben dich weiter:
wo jemand ich sagt, da bin es ich.
In vielen Rollen spielt sich der Eine,
damals in Höhlen, bald auf dem Mars.
Du bist das Ganze! Träum - aber schlaf nicht.
Zeige die Wahrheit. Bald ist sie klar.

Es klopft. "Wer ist da?" "Ich." "Das kann nicht sein, ich bin doch hier." "Nein, ich stehe draußen." Ein Irren-Dialog? Seit wir uns irgendwann in unserer Kindheit den ungeheuren Schritt getraut haben, die eigene kleine Person mit demselben geheimnisvollen Wort zu benennen, das in jedem Mund eine andere Bedeutung hat, seither haben wir uns an die Regel gewöhnt: "ich" nennt jeder nur sich selbst.
Zuweilen liest man freilich von Seelenwanderung; jemand erinnert sich angeblich genau an ein früheres Leben. In Indien ist eine ganze Kultur auf diesem Gedanken aufgebaut. Was ist davon zu halten?
Mir scheint, die Wahrheit ist noch viel aufregender. Nicht bloß ein paar frühere Menschen bin ich vielleicht gewesen, sondern sämtliche, die je leben. Ähnlich, wie ich mich im Fotoalbum vielfach von außen sehe, so auch im Vorortzug. Werde ich mich an alle diese meine Seinsweisen auch einmal er-innern? Ich hoffe: ja.

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