Pleite und jetzt? Wege aus der Krise Part 2/3

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Uploaded by on Sep 27, 2010

Anne Koark musste vor zwölf Jahren Insolvenz anmelden. Sie verlor alles, die Firma, ihre Wohnung, das Auto - ihr Lebenstraum platzte: 'Die Firma war mein drittes Baby. Ich hatte sie aufgebaut, war sehr erfolgreich und kämpfte, solange ich glaubte, das Ruder noch umreißen zu können. Denn wer begräbt schon ein Kind, solange man nicht weiß, ob es tot ist?', so Anne Koark. Sie machte den Fehler, den viele Selbstständige machen: Sie geriet in Schieflage, negierte die Zahlen und versuchte, mit ihren privaten Reserven die Firma zu retten. 3,1 Millionen Haushalte in Deutschland sind überschuldet, mehr als doppelt so viele wie 1993. Hauptursachen dafür sind Arbeitslosigkeit, sinkende Einkommen und Schicksalsschläge wie Krankheiten und Ehekrisen. 'Insolvenz ist ein Eingeständnis, dass man gescheitert ist. Man hat es nicht hingekriegt - es ist der bürgerliche Tod!', so Attila von Unruh, insolvent und Gründer einer Selbsthilfegruppe. Eberhard Morawa dachte sogar schon daran, Deutschland für immer zu verlassen oder gar sich gar umzubringen, weil Scheitern in Deutschland eine Schande sei, glaubt der ehemalige Selbstständige, der einen Naturkostladen betrieb. Christiane Wilbers schämte sich so sehr für ihr Scheitern, dass sie alle Kontakte abbrach und untertauchte. Sie lebte in einer Parallelwelt, schaute nur noch Fernsehen, mied jeglichen Kontakt zu anderen Menschen: 'Irgendwann begann die Phase, wo ich morgens aufgewacht bin mit einem Gedanken und abends mit einem Gedanken ins Bett gegangen bin, wo ich gedacht habe, ich wünschte, ich wäre tot.' Sie alle haben Privatinsolvenz angemeldet. Mehr als 100.000 Verbraucherinsolvenzen gab es im vergangenen Jahr in Deutschland. Diese Art der persönlichen Insolvenz bedeutet sechs Jahre lang am Existenzminimum zu leben, um von den Restschulden befreit zu werden. 'Wohlverhaltensphase' heißen diese sechs Jahre, in denen Anne Koark mit ihren beiden Söhnen nach Abzug der Fixkosten von 200 Euro im Monat leben musste. Sechs Jahre sind Jörg M. zu lang. 'Man nimmt mir sechs Jahre Lebenszeit', so der 50-Jährige. 'Ich habe die Möglichkeit, nach England zu gehen, und wenn ein Jahr rum ist, kann ich meine Frau nachholen, und wir können praktisch noch einmal von vorne anfangen.' Im Internet hat er herausgefunden, dass er Insolvenz anmelden kann, wo er will, allerdings muss er dort wohnen. Jörg M. hat sich für England entschieden, weil man dort nach einem Jahr schuldenfrei ist. In England gibt es eine andere Kultur des Scheiterns, eine, die den Insolventen schnell wieder am Wirtschaftsleben teilhaben lassen will. Sogar eine EC-Karte mit einem kleinen Guthaben wird dem Schuldner zur Verfügung gestellt. Anne Koark tritt die Flucht nach vorne an, beginnt in der Insolvenz ihre Geschichte aufzuschreiben - ihr Buch wird ein Bestseller. Sie spricht öffentlich über das Scheitern und kämpft dafür, dass Schuldner eine zweite Chance bekommen und dass Gesetze in Deutschland geändert werden - mit Erfolg! Tatsächlich müssen Verbraucher heute im Falle der Insolvenz nicht mehr ihre private Altersvorsorge abgeben. In diesem Film geht um die Phasen des Scheiterns, des Leugnens, sich Versteckens und Schämens und um das Überwinden eines Misserfolges, der auch lehrreich und bereichernd sein kann. Die Dokumentation zeigt Wege aus der Krise, die ganz unterschiedlich sein können.

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