Weltausstellung beim Tasten 10 Klavierfestival

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Uploaded by on May 19, 2011

Vom 11.-19. September 2010 zeigte Tasten10 unter dem Motto „kunstgegenwärtig -- musikgegenwärtig" ein ambitioniertes Programm moderner und zeitgenössischer Musik. Im Programmheft heißt es unter anderem: „ ... Vernetzung und Vermittlung von zeitgenössischer Musik sind damit Kerngedanken des Festivals. Das Tasten-Festival hat sich damit keiner speziellen Ästhetik verpflichtet, sondern versucht vielmehr eine Überschreitung der üblichen Milieus zu schaffen, indem es beispielsweise Musik aus verschiedenen Zeiten mit ungewöhnlichen Instrumenten an außergewöhnlichen Orten zusammenführt."

Schon am Auftaktabend wurde das Festival seinem diesjährigen Konzept sehr gerecht, indem es zu zwei sehr unterschiedlichen Programmpunkten ins C.-Bechstein-Centrum im Stilwerkforum in Düsseldorf einlud. Zunächst spielte Edwin Alexander Buchholz am Akkordeon Werke von Sofia Gubaidulina, John Cage und Nicolaus A. Huber. Der besondere Reiz an seinem Solokonzert bestand nicht zuletzt an der ungewöhnlichen Rolle eines in der neuen Musik eher selten vertretenen Instrumentes, das in dieser durchaus bestehen konnte.

Danach trat die Gruppe Weltausstellung auf. Dieses Ensemble arbeitet sich schon seit mehreren Jahren an den Schnittstellen von Avantgarde, Jazz, Electronica und Improvisation ab, in stets wechselnden Besetzungen und Instrumentierungen. An diesem Abend drehte sich bei der Musikerin Anja Lautermann und den Musikern Thilo Schölpen, Peter Issig, Uwe Möllhusen und Stefan Jürke alles um einen Konzertflügel.

Ausgehend von der durch John Cage eingeführten Idee des präparierten Klaviers, das Klangspektrum des Pianos um eine variable Palette von z.B. perkussiven Effekten und Flageoletttönen zu erweitern, machte Weltausstellung den Akt der Präparation selbst zum performativen Akt und zur musikalischen Improvisation.

Stets umringt von mindestens drei Musikern bewaffnet mit ungewöhnlichen Werkzeugen, wurde der Konzertflügel, als befände er sich auf einem experimentellen Seziertisch, einem Akt klangforscherischer Chirurgie unterworfen. Mal gerieten die Saiten des Flügels durch Milchaufschäumer in ebenso heftige wie dichte Resonanz, mal setzten aufgelegte Schaumstoff- und Styroporklötze spektakuläre dynamische Akzente. Schließlich wurden die Saiten, um Klebebänder verlängert, in die finale Schwingungsverdichtung versetzt.

Über Mikrofone wurden zusätzlich einige Passagen der Performance durch elektronische Signalwege bearbeitet und sehr subtil wieder über Lautsprecher zur spannungsgeladenen akustischen Summe hinzugemischt. So ergab die Improvisation ein sehr organisches und abwechslungsreiches klangliches Gesamtbild. Jeder Gegenstand fungierte hier nicht nur als vordergründiger performativer Effekt, sondern fand eine tragende klangliche Rolle in einer Palette ungewöhnlicher musikalischer Werkzeuge. Weltausstellung ist damit eine jederzeit überzeugende musikalische Improvisation gelungen, deren Performance-Charakter nie bemüht wirkte und ein fast theaterhaft sprechendes Bühnengesamtbild ergab.

Text: Axel Ganz/, http://www.jahrgangsgeraeusche.de/

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