Bespitzelt Springer - Wie die Stasi einen Medienkonzern ausspähte 1/5

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Uploaded by on Apr 25, 2011

Phoenix-Sendung vom 17. April 2010. Ein Film von Tilman Jens.

Der Axel Springer Verlag -- für die DDR war er der Staatsfeind Nr. 1. Denn die Blätter des Verlags (BILD, "Welt", "Welt am Sonntag") legten die Finger in die Wunden des DDR-Unrechtsstaates. Nichts ließ daher die Stasi unversucht, um den Verlag und seine Journalisten in den Schmutz zu ziehen.


Zur Kampagne gegen den Springer Verlag gehörte auch die Wühlarbeit gegen die Journalisten, insbesondere gegen diejenigen, die über die Zustände in der DDR berichteten. Einer von ihnen war der Leiter des Berliner Korrespondentenbüros der "Welt", Hans-Rüdiger Karutz. Ein ganzes Dutzend Stasi-Spitzel war in den 80er-Jahren auf ihn angesetzt.

In den Stasi-Unterlagen heisst es: Der Reisekorrespondent unterhalte "bedeutsame Verbindungen" zu einer Vielzahl "negativ-denkender" Personen, aber auch "zu höchsten Kirchenkreisen der DDR". Zu Karutz' wichtigsten Gesprächspartnern gehörte der damalige DDR-Kirchenbund-Sekretär Manfred Stolpe, der nach Bonn-Reisen regelmäßig im Journalistenclub des West-Berliner Springer-Verlagsgebäudes Station machte, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Stolpe wurde von der Stasi als "Inoffizieller Mitarbeiter" (IM) geführt.

Um dem DDR-Kenner Karutz Schaden zuzufügen, spielten die Mielke-Mannen eine gefälschte Mitteilung des Axel Springer Verlages an Adressaten aus dem Verlagshaus sowie an führende Politiker West-Berlins. Darin hieß es über die DDR-Kirchenberichterstattung des Springer-Journalisten, er habe "Mühe mit der eigenen Recherchearbeit".

Im Frühjahr 1985 schoben die Ost-Berliner Desinformationsspezialisten Karutz gefälschtes Material über den West-Berliner Bauspenden-Skandal unter. Ziel der von zwei Stasi-Abteilungen abgestimmten Maßnahme war es, Karutz durch eine Zeitungsveröffentlichung, die sich rasch als unwahr herausgestellt hätte, als Journalisten zu ruinieren. Der erfahrene Berichterstatter tappte jedoch nicht in die Stasi-Falle.

Auch der Privatmann Karutz stand im Fokus des DDR-Geheimdienstes. Sein Telefon wurde abgehört, sein "Wohnumfeld" ausgekundschaftet und von Stasi-Leuten fotografiert. In der Birthler-Behörde fand sich ein beschriftetes Foto seines Hauses. Fast zur gleichen Zeit, als dieses aufgenommen wurde, kam es dort zu einem nie aufgeklärten Einbruch, bei dem nichts gestohlen wurde. Vermutlich sollte der unbequeme Reisekorrespondent eingeschüchtert werden.

Quelle: phoenix.de

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