Mütter besuchen heimlich den Friedhof Khawaran, auf dem sie ihre Söhne oder Töchter unter den über 5000 hingerichteten Regimegegnern vermuten. Die iranische Regierung hat sich bis heute, 20 Jahre nach dem Khawaran-Massaker, nicht dazu geäussert, leugnet die Existenz dieser Tragödie und lässt die Symbole des Andenkens und Trauer entfernen.
In schlaflosen Nächten durchlebt eine Mutter die Verhöre und Folterungen ihrer Tochter und hält imaginäre Zwiegespräche mit ihren Peinigern. Aber auch ihre Tochter, die keinen Kontakt zu ihren Angehörigen hat, versucht in einem ständigen Selbstgespräch mit ihrer Mutter die Folter-Qualen durchzustehen. Viele Gefangene waren kurz vorher von Pseudo-Gerichten zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.
Der Regisseur Gholam Allboje, selbst aus dem Iran und seit 1995 in Deutschland, wagt mit dem Theaterstück die barbarischen Massenmorde an den Tausenden politischen Gefangenen als das Wesen des Theokratischen Unrechtsregimes zu entlarven. Allboje verdeutlicht eindrucksvoll das wahre Gesicht der Justiz des Regimes, das von den politischen Gefangenen verlangte, ihrer politischen Überzeugung abzuschwören und wenn es seine Herrschaft gefährdet sah, keinen anderen Ausweg findet, als hilflose Gefangene zu massakrieren.
Die Familien der Opfer des Massakers haben bis heute nicht erfahren, warum ihre Söhne, Töchter, Männer und Frauen dieses furchtbare Schicksal erleiden mussten. Jedes Jahr versammeln sich eine große Zahl von Angehörigen auf dem Khavaran-Friedhof zu Ehren und Gedenken und in der Hoffnung das das offizielle Komplott des Schweigens des iranischen Regimes über diese nationale Tragödie irgendwann beendet wird.
„Es ist nur Blut und Khawaran. Scharfe Klingen und Seide. Folter und Schrei.. Aber das Lied des Lebens wird gesungen Und der Mensch trachtet nach dem Menschbleiben."
Theatergruppe Boje Buch und Regie: Gholam Allboje
Dieses Massaker wurde vorbreitet, als die Versuche des Regimes, den Widerstand der Gefangenen zu brechen, fruchtlos blieben. Ab dem 1987 wurden die Gefangenen aufgrund ihres Glaubens, ihrer Überzeugungen und ihrer Verurteilungen klassifiziert. Dem Regime war bewusst, dass diese organisierten Oppositionellen mit den Erfahrungen und Organisationsfähigkeit, die sich bereits in den Gefängnissen des Schahregimes und während des Aufstandes im Februar 1979 bewährt hatten, selbst in den Gefängnissen eine latente Gefahr darstellten.
Gibt es das komplette Theaterstück irgendwo als Video zu sehen oder als DVD ?
connybremer 2 years ago
Aufführungen wie diese halten das Gedenken an offiziell verleugnetes oder in Vergessenheit geratenes Unrecht(-z.B. wie hier: staatlich verübten Mord) noch aufrecht. Sie helfen, solche Tragödien auch weiterhin im Bewusstsein zu halten, ja anzuklagen, statt kollektiv zu verdrängen, zu ignorieren! Dieses Theater zollt den Opfern, den Seelen ihrer Angehörigen und gewissermaßen der kosmischen Ordnung den Respekt, den sie verdient haben. Super Dokumentation, Willfried!
doda2010 3 years ago
Ich wußte nichts von diesem Massaker. Ein Wahnsinn der dort passiert ist!
Liebe Grüße
Michaila
Michaila66 3 years ago