Glenn Gould, Klavier
1973
'Mir fällt kein ungeeigneteres Material für die Klavierauszüge ein als die späten Beethoven Sinfonien!' - Dennoch betrachtete Glenn Gould es nicht als Widerspruch, von Auszügen aus Wagnerschen Musikdramen eigene Klaviertranstranskriptionen herzustellen und sie diskographisch festzuhalten. Er beschäftigte sich dabei nicht mit solch unklavieristisch konzipierten, 'bombastischen' und harmonisch statischen 'Schinken' (Gould) wie der Tannhäuser-Overtüre oder dem Vorspiel zum 3. Aufzug des Lohengrin. Anders als der zu partiturgetreue Liszt, der durch zu viele Tremoli der beiden Hände nur 'herrlichen Schlamm' erzeugte, zielt er auf die Aktivierung der Innenstimmen und 'auf eine Art unaufhörlicher thematischer oder quasithematischer Tätigkeit'. An wenigen Takten aus dem Sigfried Idyll exemplifizierte er seine Absichten: 'Wagner bestimmte für die zweite Violine und Bratsche gleichzeitig Bewegung. Das hört sich in meiner Version als ein synkopiertes Phänomen an. In den nächsten vier Takten, wo Wagner auf einen fis moll Akkord zum Stillstand kommt, erfinde ich in dem Äquivalent der Cello-Stimme eine Reihe von hornrufartigen Motiven, die die Handlungen sozusagen in Bewegung halten.'
As always with Gould's work, the polyphony is admirably clear and his control is remarkable but I guess I miss the tenderness of the orchestral original.
paulprocopolis 1 month ago
@paulprocopolis It´s amazing how tenderly Glenn is able to play the whole second half without loosing the musical tension despite of the quite moderate tempo, and contrary to the meaning he is sooo romantically involved in the musical flow, and what is also quite astonishing, he is pushing the limits of instrumental playing in the first half.
This is great and convincing and I like it very much, actually more than the orchestral version because a true artist is at work!
berlinzerberus 1 month ago