Uploaded by oncampusFHL on Jan 29, 2010
Diese Animation stammt aus dem Kurs Volkswirtschaftslehre im Online Fernstudiengang BWL.
Mehr Infos: http://oncampus.de/index.php?id=1250
Bei Unvollkommenheiten und Anomalien auf dem Arbeitsmarkt könnte ein Mindestlohn die Beschäftigung auch erhöhen.
1. Gibt es keinerlei soziale Absicherung für Arbeitslose, so würde ein weiteres Sinken eines schon sehr niedrigen Lohnsatzes dazu führen, dass das Arbeitsangebot zunimmt, weil die Haushalte ihr Existenzminimum durch Mehrarbeit sichern wollen. Dies setzt eine Spirale zunehmender Arbeitslosigkeit bei sinkendem Lohnsatz in Gang. Ein Mindestlohn kann diesen Prozess verhindern helfen. Die Animation erklärt Ihnen die Argumentation ausführlich.
2. Bei Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt entspricht der Gleichgewichtslohn dem Wertgrenzprodukt der Arbeit und damit der Erlössteigerung, die der Einsatz der letzten Arbeitsstunde ermöglicht. Beherrscht dagegen ein Unternehmen als Monopsonist die Nachfrageseite des Arbeitsmarktes, so kann er seine Marktmacht nutzen, um den Lohnsatz unter das Wertgrenzprodukt zu drücken. Ein Mindestlohn hilft dies zu verhindern. Der Mindestlohn macht den Monopsonisten zum Mengenanpasser auf dem Arbeitsmarkt. Er passt sich an den höheren Lohn an und erhöht somit auch die Beschäftigung, solange der Mindestlohn nicht das Wertgrenzprodukt überschreitet.
3. Neuere Arbeitsmarkttheorien betonen die unvollkommene Information auf dem Arbeitsmarkt. Je stärker die Spreizung der Lohnsätze für eine Tätigkeit ist, umso länger werden Arbeitskräfte suchen um einen „lohnenswerten" Job zu finden. Mindestlöhne verringern die Spreizung. Das erhöht die Annahmewahrscheinlichkeit für ein Arbeitsplatzangebot und die Sucharbeitslosigkeit wird verringert. Andererseits kann aber eine zu geringe Spreizung auch zu Fehllenkungen führen. Ein zu hoher Mindestlohn bei unqualifizierten Tätigkeiten könnte z.B. Arbeitskräften signalisieren, dass sich eine Ausbildung nicht lohnt.
4. Mindestlöhne könnten auch statt zu Beschäftigungsverlusten zu Produktivitätssteigerungen führen:
- Fühlen sich Arbeitskräfte bei der Entlohnung fair behandelt, so werden sie mehr zu leisten bereit sein, als bei zu niedrig erachteten Löhnen. Da Arbeitgeber die Produktivität einer einzelnen Arbeitskraft oft nur schwer beobachten können, haben sie ein Eigeninteresse daran, mit einer „fairen" Entlohnung auch die Arbeitskräfte zu einer „fairen" Leistung am Arbeitsplatz zu motivieren. Dabei kann sich ein allgemein akzeptierter Mindestlohn herausbilden. Allerdings: Gewöhnungseffekte werden dann dazu führen, dass dieser Anspruchslohn immer mehr gesteigert werden muss, um noch den beschriebenen Anreizeffekt zu besitzen.
- Arbeitgeber könnten in die Ausbildung von Arbeitskräften, die zu Mindestlöhnen bezahlt werden, investieren, um deren Produktivität zu erhöhen und so die Lohnkosten zu senken. Dagegen spricht allerdings, dass die Unternehmen in einer konjunkturell schlechten Lage gerade die Arbeitskräfte mit den geringsten Qualifikationen als erste entlassen werden, da diese am einfachsten ersetzt werden können. Bei unsicherer Absatzentwicklung dürften sich daher solche Trainingsinvestitionen nicht lohnen.
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