Dietrich Bonhoeffer, Mitglied der bekennenden Kirche hat dieses Gedicht-Gebet im Wissen um seine bevorstehende Ermordung kurz vor seinem Tode im KZ Flossenbürg geschrieben. Er wurde am 9. April 1945 nach einem "Standgericht" auf Anweisung Hitlers verurteilt und hingerichtet.
Rezitation: Walter Franck (1957)
Vergleichsrezitation von Otto Mellies
Link: http://de.youtube.com/watch?v=bVSgGhh9WY0
Text & Anmerkung:
„Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;
noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.
Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll'n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.
Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag."
Quote Wikipedia:
Möglicherweise war das Gedicht auch als ein Gruß an seine Mutter zu ihrem Geburtstag am 30. Dezember gedacht. (Wann immer diese Worte auf Grußkarten und im gottesdienstlichen Lied heute aufgenommen werden, mag man sich an die Situation erinnern: Die damit Gegrüßten sitzen unterm Weihnachtsbaum, feierten Geburtstag, dachten an die zwei inhaftierten Söhne Klaus und Dietrich, an die zwei inhaftierten Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher, an die Tochter Sabine, Dietrichs Zwillingsschwester, die wegen ihres jüdischen Mannes Gerhard Leibholz ins Ausland gegangen war und nun wegen der nationalsozialistischen Diktatur gleichfalls nicht anwesend sein konnte, sowie an den gefallenen Sohn Walter. Und doch fand Dietrich Bonhoeffer in dieser Situation so tröstliche Worte! Wie aber mag es den Angehörigen gegangen sein, als sie die dritte Strophe oder im fünften Vers „Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen." lasen?
Bilder:
Burne-Jones, Edward - Verkündigungsengel
Dürer, Albrecht - Fürlegerin mit offenem Haar
Dix Otto (1891 1969) Jüdischer Friedhof Randegg
Dürer, Albrecht - Hände des 12jährigen Christus
Gaugin Paul Der gelbe Christus
Delacroix, Eugéne - Christus an der Geisselsäule
Delacroix, Eugéne - Daniel in der Löwengrube
Cezanne, paul - Totenköpfe
Dandini, Cesare sitzender Mönch
Dürer, Albrecht - Der tote Christus mit der Dornenkrone
Nolde, Emil - Kreuzigung
Delacroix, Eugéne - Triumph der Religion
Danke, mehr bleibt nicht zu sagen. . .
wortlover 3 years ago